Besonders kritisch ist die Lage in Unterkünften für unbegleitete Minderjährige: Sie sind zu 1.600 Prozent überbelegt. Auch das Aufnahmezentrum für Migranten ist über seiner Kapazitätsgrenze.
Ceutas Regierungspräsident Juan Vivas hat am Mittwoch beklagt, dass die Autonome Stadt in den vergangenen zwei Wochen mehr als 1.500 Migranten aus Marokko, Algerien und aus Ländern südlich der Sahara aufgenommen hat. An den meisten Tagen waren es fast 200 Menschen, die die Küste Ceutas schwimmend erreichten.
Bei unbegleiteten minderjährigen Ausländern liege die Belegung bei 1.600 Prozent über der regulären Kapazität der Unterkünfte, sagte Vivas. Derzeit betreut Ceuta 570 Minderjährige; noch vor zehn Tagen waren es 180. Die Stadt hat zwei spezielle Aufnahmezentren wieder geöffnet, die für solche Ausnahmesituationen vorgesehen sind.
Vivas kritisierte die jüngste Auslegung des spanischen Obersten Gerichtshofes (Quelle auf Spanisch) zur Reform des Ausländerrechts 2024. Diese erschwert sogenannte Zurückweisungen an der Grenze im Fall von Minderjährigen. Diese Praxis möchte der Politiker der konservativen Volkspartei ausdrücklich legalisieren. Der Gerichtshof kassierte in diesem Monat eine Regelung, die die Pflicht der Behörden abschwächte, unbegleitete Minderjährige nach ihrer Entdeckung auf spanischem Gebiet sofort zu versorgen.
„Wenn der derzeitige Zustrom anhält, werden wir bald ähnliche Zahlen wie im Mai 2021 sehen“, erklärte Vivas. Damals gelangten rund 10.000 Menschen illegal nach Ceuta, nachdem bekannt geworden war, dass die damalige Außenministerin Arancha González Laya den Vorsitzenden der Front Polisario, Brahim Ghali, in Spanien aufnehmen ließ. Der Schritt löste eine diplomatische Krise mit Marokko aus.
Die Guardia Civil teilte den Medien allerdings mit, dass die marokkanischen Sicherheitskräfte offenbar kooperieren und Migrantinnen und Migranten bereits auf ihrer Seite der Grenze festsetzen. Viele hätten die Küste Ceutas schwimmend an der südlichen Mole der Playa del Tarajal erreicht, direkt neben der spanisch-marokkanischen Grenze.
Nach Angaben der Polizei warten derzeit rund 400 Menschen darauf, in das Centro de Estancia Temporal de Inmigrantes (CETI) eingelassen zu werden. Die 512 Plätze der Einrichtung sind bereits vollständig belegt. Reporter vor Ort berichten von einer Art provisorischem Lager rund um das CETI, in dem die Menschen Schlange stehen, um hineinzukommen.