Der Ätna-Ausbruch dauert seit sieben Tagen an – so lang wie zuletzt in den 1970er-Jahren. Experten und Guides erklären im Gespräch mit Euronews sichere Routen und was man unbedingt beachten sollte.
Die Eruption des Ätna dauert seit sieben Tagen an und bringt den Flugverkehr auf Sizilien mitten in der Feriensaison durcheinander. Der Flughafen von Catania hat die Aussetzung der Flüge wegen der Vulkanasche bis acht Uhr am 14. August verlängert.
Unterdessen lockt der Ätna, den die Menschen vor Ort liebevoll „Seine Majestät“ nennen, weiterhin zahlreiche Besucher an. Euronews hat Experten und lokale Guides zur ungewöhnlichen Dauer des Ausbruchs und zu den nötigen Vorsichtsmaßnahmen befragt.
Außergewöhnlich langer Ausbruch: Ätna so aktiv wie seit den Siebzigerjahren nicht
Nach Angaben von Salvo Gambino, Direktor des Osservatorio Etneo in Catania am Nationalen Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV), zeigt die aktuelle Eruptionsphase des Ätna Merkmale, die Fachleute schon früher beobachtet haben. Besonders ist vor allem ihre Dauer.
„Etwas Vergleichbares haben wir zuletzt Ende der Siebzigerjahre gesehen“, sagte Gambino zu Euronews. In den vergangenen Jahrzehnten kam es immer wieder zu strombolianischer Aktivität, Lavaschlacken-Fontänen und Lavaflüssen. „Diese Phasen hielten aber meist nur kurz an, von einigen Stunden bis zu einem halben Tag. Diesmal erleben wir sieben Tage ununterbrochene Aktivität. Das macht diesen Ausbruch so ungewöhnlich.“
Als Grund für die lange Dauer der Eruption sieht Gambino eine „Aufstiegsbewegung von tiefer liegendem, gasreicherem Magma“.
Der Ausbruch betrifft mehrere Bereiche des Vulkans zugleich. Am Krater Voragine halten strombolianische Aktivität und Lavafontänen an, begleitet von einem stetigen Aschenausstoß. In der Valle del Bove speisen mehrere Schlote ein Lavafeld. Die Lavaströme gefährden nach Angaben Gambinos derzeit keine bewohnten Gebiete.
Die Aschewolke sorgt dagegen für die größten Probleme. Winde in Richtung Süden treiben sie in Richtung Flughafen Catania und über Sizilien hinaus.
„Das größte Problem ist im Moment die anhaltende Aschewolke aus der Voragine. Sie steigt kontinuierlich auf, wird in der Atmosphäre verteilt, und der Wind, der in diesen Tagen nach Süden weht, verschärft die Lage. Die Wolke wird in Richtung des Flughafens gedrückt und verursacht dort massive Behinderungen“, erklärte der Direktor.
Der Minister für Katastenschutz und Meerespolitik, Nello Musumeci, betonte am Mittwoch, „nicht der Vulkan ist am falschen Ort, sondern der Flughafen“ – seine Nähe zum Ätna macht den Flughafen von Catania besonders anfällig für Ausbrüche.
Ätna erlebt Besucheransturm
Der Ausbruch zieht außergewöhnlich viele Menschen auf den Ätna und sorgt auf den Zufahrtsstraßen und Wanderwegen für Verkehr und Chaos.
„Es sind zu viele Menschen unterwegs, und zu viele Autos parken kreuz und quer“, berichtete Cristian Alessi, Naturguide von EtnaAway, Euronews. Um das Gedränge auf dem Vulkan zu beschreiben, zieht Alessi einen Vergleich mit den beliebtesten Orten der Region: „Es fühlt sich an wie an einem Samstag in Taormina oder in Catania.“
Viele drängen bis in die unmittelbare Nähe der Lavaflüsse. Alessi berichtet, er habe Menschen am Rand der Valle del Bove gesehen, „auf dieser sehr instabilen Flanke“, nur wenige Meter von der aktiven Zone entfernt. „Der Anblick ist atemberaubend, aber man muss ihn sicher genießen – mit professionellen Guides.“
Auch der Alpenrettungsdienst hat nach mehreren Einsätzen am Ätna zu besonderer Vorsicht aufgerufen.
Ätna sicher besuchen
Gambino betont, wie wichtig besondere Vorsicht bei Ausflügen auf den Ätna ist, vor allem in den Abendstunden. Er rät Besuchern, „nur in Bereiche zu gehen, von denen aus man den Ausbruch gut sehen kann, ohne sich in gefährliches Gelände zu wagen“, und passende Kleidung zu tragen – inklusive Bergschuhen und langer Hosen.
Nach Sonnenuntergang ist zudem eine Taschenlampe unverzichtbar, da die Wege im Dunkeln schwer zu begehen sind. „Die Pfade sind uneben, da ist ein Sturz schnell passiert“, warnte Gambino.