Die anhaltende Hitze und Trockenheit setzen Deutschlands Gewässern massiv zu. Viele Flüsse führen außergewöhnlich wenig Wasser, während hohe Temperaturen und sinkende Sauerstoffwerte den Stress für die Fische zusätzlich verschärfen. Fischereivereine schlagen Alarm.
Die Situation ist dramatisch: "Wir haben derzeit etwa 34 Grad Außentemperatur, und aufgrund der Sonneneinstrahlung erwärmt sich das Wasser hin zu Temperaturen, die dem Fischbestand massiv schaden", so der 1. Vorsitzende des Fischereivereins Straubing, Stefan Plendl, zu Euronews.
Durch die hohen Temperaturen verringere sich der Sauerstoff in den Gewässern: "Ab einem Sauerstoffgehalt von 30 Prozent wird es lebensbedrohlich für die Raub- und Weißfische, und derzeit besteht nur noch eine Sättigung von 30 bis 32 Prozent in den Altwässern der Donau."
Zur Erläuterung: Zu den Raubfischen in deutschen Flüssen zählen Hecht und Zander, Weißfische sind unter anderem Karpfen und Brachten. Altwässer sind ehemalige Flussarme, die vom Hauptstrom eines Flusses abgetrennt wurden – etwa weil sich der Flusslauf verändert hat oder durch menschliche Eingriffe. Sie bilden wichtige Rückzugs- und Lebensräume für Fische, Amphibien und Vögel.
"Wir haben eigentlich in der Donau einen guten Fischbestand", sagt Plendl. "Und in den Monaten April, Mai sind viele Fische zum Laichen in die Altwässer geschwommen. Die und ihre Nachkommen sind nun in den Altwässern gefangen. Das ist eine ökologische Katastrophe, wenn es weiter so heiß bleibt und die Wasserstände weiter sinken." Der Wasserstand sei inzwischen so weit unten, dass es tage- oder sogar wochenlangen Regen bräuchte, um den Mangel wieder auszugleichen.
Die Straubinger Fischer führen mit dem Wasserwirtschaftsamt Hilfsmaßnahmen im Bereich Pillmoos/Zeller Wörth durch. Dort fließt ein Donau-Altarm, der zur historischen Donauaue gehört. Es ist eines der letzten Gewässer, zu denen Fische aus einem Umkreis von bis zu 30 Kilometern zum Laichen schwimmen, weil es sonst nur wenige Möglichkeiten gibt.
Von der Donau wird mit drei großen Schläuchen Wasser von der Donau in das Gewässer gepumpt, in dem sich Tonnen von Fischbeständen aufhalten.
"Es herrscht schon seit zwei bis drei Monaten Trockenheit, wir brauchen jeden Tag 80-100 Liter Diesel, um derartige Pumpaktionen durchzuführen, das ist für einen Verein finanziell sehr belastend", betont Plendl.
Derartige Aktionen seien aber nicht überall durchführbar. "In der Vogelau bei Staubing müssen wir die Fische abfischen, mit Schlaucharbeit kann man da nichts mehr erreichen, man kann es nicht mehr fluten, weil die Trockenheit zu weit fortgeschritten ist, das ist von der Infrastruktur her nicht möglich."
Plendl betont, dass der Donauausbau die Altwässer nicht berücksichtigt habe, wodurch die Fische ohnehin Probleme mit ihrem Lebensraum haben. Es gehe aber nicht nur um den Fischbestand. Auch Krebse, Muscheln, Tausende von Kaulquappen halten sich demnach in den Gewässern auf. Die Vogelau auf der Gstütt-Insel in Straubing beispielsweise sei ein ökologisch wichtiges Gebiet mit mehreren Donau-Altwässern. Plendl: "Dort gibt es ein Altwasser, wo wir hunderte Kammmolche mit der Hand zusammengesammelt haben."
Zum Hintergrund: Der Kammmolch ist eine seltene Amphibienart und in Deutschland als "gefährdet" eingestuft, in Bayern gilt er sogar als "stark gefährdet". Sein Bestand ist rückläufig, vor allem weil geeignete, fischfreie Stillgewässer zunehmend verloren gehen.
Plendl kennt die Donau und ihre Altwässer von Kindheit an. "Ich bin 48 Jahre alt und an der Donau aufgewachsen. So etwas habe ich noch nie erlebt, es ist katastrophal."
Problematische Lage auch in anderen Teilen Deutschlands
Kritisch ist die Lage beispielsweise auch in Freiburg, wo Mitglieder des Angelsportvereins an diesem Wochenende Fische aus einem fast vollständig ausgetrockneten Kanal retten. An manchen Stellen stehen nur noch fünf bis sechs Zentimeter Wasser. In den bereits trockengefallenen Bereichen sind die Tiere verendet, ihre Zahl geht in die Tausende. Die verbliebenen Fische werden mit Keschern gefangen und in den Gewässer umgesetzt, die noch ausreichend Wasser führen.
Wie groß der Druck auf die Fische ist, zeigt sich auch in Nordrhein-Westfalen, wo das Umweltministerium vor den Folgen von Hitze und niedrigen Wasserständen für Fische und andere Wasserlebewesen warnt. Dort geraten unter anderem empfindliche Arten wie Bachforelle und Äsche unter starken Hitzestress.
In Rheinland-Pfalz sind ebenfalls zahlreiche kleinere Bäche und Nebenflüsse betroffen. Manche Gewässer trocknen vollständig aus oder zerfallen in voneinander isolierte, sauerstoffarme Tümpel. Betroffen sind unter anderem Gewässer im Einzugsgebiet von Rhein, Mosel, Lahn und Nahe.
Die Fischrettungen sind im Grunde offenbar das sichtbarste Zeichen einer größeren Krise: Der Ausbau der Flüsse hat die Altwässer lange nicht ausreichend berücksichtigt, wodurch die Fische ohnehin mit schwindendem Lebensraum zu kämpfen haben.
Je länger Hitze und Trockenheit nun anhalten, desto weniger Wasser steht den verbleibenden Altwässern und ihren Bewohnern zur Verfügung – und damit gerät auch der Lebensraum für Fische, Amphibien, Vögel und zahlreiche weitere Tier- und Pflanzenarten in Gefahr.