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Hitzewende mit Knalleffekt: Wo jetzt Gewitter, Starkregen und Sturmböen drohen

In der Abenddämmerung steht ein Weißstorch auf einem Hausdach in Sieversdorf, 6. August 2026.
In der Abenddämmerung steht ein Weißstorch auf einem Hausdach in Sieversdorf, 6. August 2026. Copyright  AP Photo
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Von Nela Heidner
Zuerst veröffentlicht am
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Deutschland steht vor einem markanten Wetterumschwung: Nach der außergewöhnlichen Hitze ziehen ab Sonntag Gewitter auf. Ein Blick auf die Bundesländer und darüber hinaus bis nach Europa zeigt, wo Hitze, Unwetter und eine weiterhin extreme Waldbrandgefahr zum Problem werden.

Ungewöhnlich für Mitte August sei das Wetter derzeit grundsätzlich nicht, sagt der Meteorologe und Q.met-GeschäftsführerDominik Jung. Im Kern sei das ein klassischer Hochsommer:

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"Der Wechsel aus Hitze, Kaltfront, Gewittern und anschließender Abkühlung gehört zum August dazu. Bemerkenswert ist aber nicht der einzelne Ablauf, sondern der Hintergrund: Dieser Monat liegt bislang rund 3,5 bis 5 Grad über dem vieljährigen Klimamittel, dazu kommt die anhaltende Dürre. Die Einzelwetterlage ist normal, die Rahmenbedingungen sind es nicht."

Deutschland erwartet in Kürze einen markanten Wetterumschwung: Die Hitze wird ausgeräumt, im Gegenzug steigt die Unwettergefahr.

Jung: "Am Sonntag zieht die Kaltfront des Tiefs Margarete mit Schauern und lokalen Gewittern über Deutschland, besonders von Rheinland-Pfalz bis Franken sind Sturmböen von 80 bis 100 km/h möglich. Zum Wochenstart am Montag rücken Bayern, Baden-Württemberg und der Alpenraum als Regionen mit dem größten Unwetterpotenzial in den Mittelpunkt. Dort kann es Starkregen, Hagel und stürmische Böen geben. Jung betont, dass diese Sommergewitter "kleinräumig" sind: an einem Ort kann es zu Überflutungen kommen, wenige Kilometer weiter bleibt es fast trocken.

Im Norden stehen an den Küsten von Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern Schauer an, das Wetter zeigt sich dort aber nicht von der heftigen Seite.

Reicht der Regen für die trockenen Böden, Herr Jung?

"Ehrliche Antwort: nein, nicht flächendeckend. Was wir bekommen, ist Schauer- und Gewitterregen, kein ergiebiger Landregen. Der Sommer 2026 liegt bei der Trockenheit auf Rekordkurs. Auf ausgedörrtem Boden läuft ein Wolkenbruch eher oberflächlich ab, statt tief einzusickern – das erhöht sogar die Gefahr von Sturzfluten, während das eigentliche Feuchtedefizit im Boden und die niedrigen Flusspegel bestehen bleiben. Örtlich bringt der Regen also Entspannung, das große Defizit räumt er nicht aus."

Einer der markantesten Temperaturstürze des Sommers

Für viele beruhigend, zu wissen: Aktuell ist offenbar keine neue extreme Hitzewelle in Sicht. "Nach der Abkühlung – verbreitet nur noch 17 bis 23 Grad – deuten die Modelle eher auf eine ruhigere, wechselhafte Phase mit spätsommerlichem Charakter hin. Das europäische Modell zeigt einen der markantesten Temperaturstürze des Sommers, für die Jahreszeit bleibt es danach zunächst mild. Der DWD-Trend für den 23. bis 25. August bleibt leicht unbeständig mit Schauern und einzelnen Gewittern."

Eine spätsommerliche Wärmephase über ein Azorenhoch sei danach zwar möglich, aber noch nicht gesichert – und von einer zweiten Hitzewelle mit 35 Grad und mehr würde Jung, Stand heute, nicht sprechen.

Blick nach Europa

Hier der Überblick über weitere Länder innerhalb Europas vom Wetterexperten:

Im Nachbarland Polen bleibt es warm bis heiß, aber am Rand der Gewitterzone. Ein Hauptkorridor für schwere Gewitter zieht sich von Frankreich über die Alpen, Deutschland, Tschechien, Österreich, Polen und die Slowakei bis auf den Balkan. Die Waldbrandgefahr ist von Deutschland über den Alpenraum bis Polen und den Balkan sehr extrem. Also: Hitze plus Gewitterrisiko.

Spanien: Überwiegend Hitze, weniger Gewitter. Für Westspanien werden moderat überdurchschnittliche Temperaturen erwartet – heiß und trocken, mit anhaltender Waldbrandgefahr, aber momentan nicht auf dem Extremniveau des Hochsommers.

Italien: heiß, mit Gewittern vor allem im Norden. Die heißeste Luft lagert über der Po-Ebene und der Toskana mit Werten in den 40ern, während sich die kräftigsten Gewitter typischerweise an den Rändern der Hitzeglocke – also über den Alpen und Norditalien – bilden.

Großbritannien: warm bis heiß im Süden. Hoher Luftdruck westlich der Inseln führt warme Festlandsluft heran, mit weiteren sehr warmen bis heißen Phasen vor allem im Süden und Südosten; Gewitter können sich im Süden bilden und über Nacht nordwärts ziehen. Also nicht nur Hitze, sondern durchaus Gewitterpotenzial.

Portugal: Hitze satt, kaum Gewitter. Auch für Portugal sind moderat überdurchschnittliche Temperaturen vorhergesagt – trockene Hitze mit weiter erhöhter Waldbrandgefahr, ohne nennenswerte Gewitteraktivität.

Kurz zusammengefasst: Der Süden und Südwesten Europas liefert die Hitze, der Gürtel von Frankreich über Mitteleuropa bis zum Balkan die Gewitter – genau dort, wo warme und kühlere Luftmassen aufeinandertreffen.

Obwohl vielerorts der Blick auf das Thermometer einen Rekord nach dem anderen zeigt, ist der eigentliche Stresstest nach Angaben von Jung nicht der spektakulärste Thermometerwert, sondern die Kombination: wiederholte Hitze, warme Nächte, ausgetrocknete Böden, niedrige Flusspegel und heftige Gewitter. Europaweit sind bis zum 12. August bereits rund 567.000 Hektar abgebrannt – mehr als im langjährigen Mittel der vergangenen 20 Jahre.

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