Mitten im Krieg in der Ukraine sucht der Vatikan erneut den Kontakt zum Kreml. Der päpstliche Chefdiplomat Paul Richard Gallagher reist nach Moskau, trifft dort Außenminister Sergej Lawrow und einen engen Berater von Wladimir Putin.
Der Vatikan klopft erneut an die Tür des Kreml – mitten im Krieg in der Ukraine. Die internationalen Verhandlungen befinden sich in einer heiklen Phase, und der Heilige Stuhl versucht zugleich, einen Gesprächskanal nach Moskau offen zu halten.
Msgr. Paul Richard Gallagher, vatikanischer Sekretär für die Beziehungen zu Staaten und internationalen Organisationen, ist am Montag in der russischen Hauptstadt eingetroffen. Seine Mission dauert bis zum 28. August. Der Besuch führt die Diplomatie des Heiligen Stuhls erneut mitten in eines der schwierigsten Dossiers der internationalen Politik.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Nach Gallaghers Reise in die Ukraine im Juli, bei der er auch Wolodymyr Selenskyj traf und Orte besuchte, die von russischen Angriffen getroffen wurden, reist der Vertreter von Papst Leo XIV. nun auf die andere Seite der diplomatischen Front. Dieser doppelte Schritt zeigt den Willen des Vatikan, mit beiden Seiten zu reden und den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen.
In Moskau: Schlüsselgespräch mit Lawrow
Der wichtigste Termin der Reise steht am Dienstag, 25. August, an, wenn Gallagher den russischen Außenminister Sergej Lawrow trifft.
Lawrow ist aber nicht der einzige politische Gesprächspartner. Am folgenden Tag, Mittwoch, 26. August, ist ein Treffen mit Juri Uschakow geplant, außenpolitischer Berater des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Dieser Termin ist besonders bedeutend, weil die vatikanische Diplomatie hier direkt mit einem der wichtigsten Männer des Kreml über internationale Dossiers spricht.
Ein Treffen mit Putin selbst steht derzeit nicht auf dem Programm. Das bestätigt auch die Fachpresse, die die Diplomatie des Heiligen Stuhls verfolgt.
Vatikan hält Gesprächskanal nach Moskau offen
Die Mission ist vor allem als Versuch zu verstehen, den Dialog mit Russland nicht abreißen zu lassen, obwohl die Beziehungen zwischen Moskau und dem Westen weiterhin auf einem Tiefpunkt sind.
Der Heilige Stuhl tritt in Moskau nicht als militärische oder klassische politische Macht auf, sondern als Gesprächspartner, der noch mit beiden Seiten reden kann. Darin liegt die Stärke, aber auch die Grenze der vatikanischen Diplomatie.
Aus Moskau kommen bereits Erwartungen an den Besuch. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Rates der Russischen Föderation, Grigori Karassin, sprach von der Hoffnung, von Gallagher „konkrete und interessante Vorschläge" zur internationalen Lage zu erhalten.
Das bedeutet nicht, dass bereits ein vatikanischer Friedensplan auf dem Tisch liegt. Die offizielle Agenda erwähnt keine formelle Vermittlung, sondern diplomatische Gespräche und Austausch. Genau darum geht es: eine Tür offen zu halten, die zwischen Russland, der Ukraine und dem Westen kaum noch weit aufsteht.
Nicht nur Politik: Kontakt zum Moskauer Patriarchat
Gallaghers Reise hat zudem eine andere, ebenso heikle Dimension: die religiöse.
Nach dem Gespräch mit Lawrow trifft der vatikanische Sekretär den Metropoliten Antonij von Wolokolamsk, Leiter des Departements für kirchliche Außenbeziehungen des Moskauer Patriarchats.
Das ist ein wichtiger Schritt, denn das Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und der russisch-orthodoxen Kirche ist einer der Kanäle, über die der Heilige Stuhl auch im Kriegskontext den Kontakt zur russischen Welt zu halten versucht. Diplomatische und kirchliche Ebene laufen bei dieser Mission also nahezu parallel.
Gallagher war zuletzt vor der Invasion in Moskau
Für Gallagher ist es nicht der erste Aufenthalt in der russischen Hauptstadt. Zuletzt war er im November 2021 in Moskau, wenige Monate vor dem russischen Angriff auf die Ukraine im großen Stil.
Damals traf er Lawrow, den damaligen russischen Premierminister Michail Mischustin und Metropolit Ilarion, der zu dieser Zeit für die Außenbeziehungen des Moskauer Patriarchats zuständig war.
Fast fünf Jahre später ist der Kontext völlig verändert. Gerade deshalb hat Gallaghers Rückkehr nach Moskau besonderes Gewicht. Der Heilige Stuhl versucht, physisch wieder in den russischen diplomatischen Kreis einzutreten – in einem Moment, in dem internationale politische Kanäle kaum Ergebnisse bringen.
Nach Gallagher könnte Zuppi folgen
Gallaghers Mission könnte zudem nicht der einzige Schritt der vatikanischen Diplomatie in Richtung Moskau bleiben.
Der russische Botschafter beim Heiligen Stuhl, Iwan Soltanowski, berichtete in den vergangenen Tagen, Moskau bereite eine neue Einladung für Kardinal Matteo Maria Zuppi vor, der die russische Hauptstadt bereits 2023 und 2024 besucht hat. Nach Angaben des Botschafters könnte ein weiterer Besuch im September stattfinden.
So entsteht das Bild einer vatikanischen Diplomatie, die ihre Karten auf mehreren Ebenen ausspielt: Gallagher spricht mit der russischen Regierung, trifft das Patriarchat und hält den Kontakt zur katholischen Gemeinschaft; Zuppi könnte nach Moskau zurückkehren; im Hintergrund bleibt das erklärte Ziel des Heiligen Stuhls, Dialog und Frieden zu fördern.
Ein Durchbruch ist nicht garantiert. In einer Phase, in der viele Kanäle blockiert scheinen, ist es für den Vatikan jedoch bereits eine Form von Diplomatie, wenigstens einen Gesprächskanal nach Moskau offen zu halten.
Die Fassung bleibt eng am Original, verzichtet auf Genderformen und glättet vor allem Satzanschlüsse und einzelne holprige Formulierungen. Alle Termine und Namen decken sich mit den aktuellen Vatikan-Angaben.