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Merz überraschend in Kyiw: Deutschland sagt der Ukraine weitere Hilfe zu

 Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (Mitte) und der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz sprechen vor Medienvertretern
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (Mitte) und der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz sprechen vor Medienvertretern -  Copyright  AP Photo
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Von Nela Heidner
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Bundeskanzler Friedrich Merz ist am Sonntag überraschend zu einem Solidaritätsbesuch nach Kiew gereist. Begleitet von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Vertretern deutscher Rüstungs- und Energieunternehmen will er der Ukraine weitere militärische und finanzielle Unterstützung zusichern.

Friedrich Merz ist am Sonntagmorgen mit einem Sonderzug in der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw eingetroffen. Der Besuch war zuvor nicht öffentlich angekündigt worden. Neben Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche gehören auch rund zehn Vertreter deutscher Unternehmen aus der Rüstungs- und Energiebranche zur Delegation.

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Im Mittelpunkt der Reise steht die weitere Unterstützung der Ukraine im Krieg gegen Russland. Nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen sollen in den kommenden Monaten Tausende Abfangdrohnen an die ukrainischen Streitkräfte geliefert werden. Die Systeme sollen insbesondere gegen russische Drohnen mit Düsenantrieb eingesetzt werden, die wegen ihrer hohen Geschwindigkeit nur schwer abzufangen sind.

Darüber hinaus soll die gemeinsame Produktion weitreichender Waffen zwischen Deutschland und der Ukraine ausgebaut werden. Dafür sollen rund eine Milliarde Euro aus bereits bewilligten Haushaltsmitteln bereitgestellt werden. Weitere 350 Millionen Euro aus Deutschland sind für die Reparatur und den Wiederaufbau beschädigter ukrainischer Kraftwerke vorgesehen.

Merz: Ukraine brauche jetzt Unterstützung

Bei seiner Ankunft begründete Merz seine Reise mit der aktuellen Situation im Land. Die Ukraine brauche „für die kommenden Wochen all unsere Unterstützung“, so der Bundeskanzler. Mit Blick auf den bevorstehenden fünften Kriegswinter verwies er auf die russischen Angriffe auf Städte, Wohnhäuser und Energieanlagen.

In Kyjiw wurde Merz von dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj empfangen. Bei den Gesprächen soll es neben der militärischen Unterstützung auch um die Energieversorgung und die weitere Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern gehen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj trifft Bundeskanzler Friedrich Merz vor einer Gedenkfeier am Denkmal für gefallene ukrainische Soldaten.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj trifft Bundeskanzler Friedrich Merz vor einer Gedenkfeier am Denkmal für gefallene ukrainische Soldaten. Dan Bashakov/Copyright 2026. The AP. All rights reserved

Die Reise findet unter besonders angespannten Sicherheitsbedingungen statt. Noch am Samstag hatte Russland Ausländer und Diplomaten vor Reisen nach Kyjiw gewarnt und ihnen angesichts möglicher russischer Luftangriffe zum Verlassen der Stadt geraten.

Am Morgen wurde nach Angaben von Kyjiws Bürgermeister Vitali Klitschko eine Straße an der Nordbrücke über den Dnipro-Fluss von mindestens einer russischen Drohne getroffen.

Merz richtete vor Journalisten eine Botschaft an den russischen Präsidenten: „Herr Putin, hören Sie diesen sinnlosen Krieg auf! Wir sind bereit zu Gesprächen, wir sind bereit, miteinander zu sprechen über das Ende dieses Krieges. Aber diese barbarischen Angriffe auf die Zivilbevölkerung der Ukraine müssen aufhören.“

Merz setzt grundsätzlich zunehmend auf militärischen Druck. Russland verstehe nur die „Sprache der Stärke“, erklärte der Kanzler.

Merz: Rüstungskooperation ausbauen

Neben der unmittelbaren Militärhilfe geht es bei Merz' Besuch auch um eine engere Zusammenarbeit der deutschen und ukrainischen Rüstungsindustrie. Nach Reuters soll unter anderem eine Vereinbarung zur gemeinsamen Entwicklung und Produktion von Drohnen vorangetrieben werden. Im Fokus stehen dabei Systeme zur Abwehr besonders schneller russischer Drohnen.

Die Bundesregierung verbindet die militärische Unterstützung damit zunehmend mit einer stärkeren Zusammenarbeit der Industrien beider Länder. Die deutsche Delegation mit Vertretern aus Rüstungs- und Energiewirtschaft soll deshalb auch wirtschaftliche Vereinbarungen und Absichtserklärungen vorbereiten.

"Ukraine is facing decisive weeks. That is why I traveled to Kyiv today with the message: You can rely on us."

Für Merz ist es der zweite Besuch in der Ukraine seit seinem Amtsantritt als Bundeskanzler. Bereits wenige Tage nach seiner Vereidigung war er im Mai 2025 gemeinsam mit dem damaligen britischen Premierminister Keir Starmer, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und dem polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk nach Kyjiw gereist.

Mit den angekündigten Milliardenhilfen und der vertieften Rüstungskooperation setzt die Bundesregierung damit ein deutliches Zeichen für die Fortsetzung ihrer Unterstützung der Ukraine.

Union unter Druck: AfD baut Vorsprung aus

Für die Union unter Merz ist der neue INSA-Sonntagstrend indes ein alarmierendes Signal: CDU und CSU fallen um einen weiteren Prozentpunkt auf 18 Prozent, den niedrigsten Wert, den INSA für die Union bislang gemessen hat.

Gleichzeitig legt die AfD auf 30 Prozent zu und erreicht damit einen neuen Höchststand. Der Abstand zwischen beiden Parteien wächst auf zwölf Prozentpunkte.

AfD-Chefin Alice Weidel äußerte sich am Sonntag auf der Social Media-Plattform X zum Ukraine-Besuch des Kanzlers.

In den Umfragen folgen SPD und Grüne mit jeweils 14 Prozent, die Linke kommt auf zehn Prozent. FDP und BSW liegen mit jeweils vier Prozent unter der Fünf-Prozent-Hürde.

Auch für die Bundesregierung insgesamt fällt die Bilanz der Befragung schlecht aus: Union und SPD erreichen zusammen lediglich 32 Prozent.

Parallel sinkt die Zustimmung zu Bundeskanzler Friedrich Merz auf einen neuen Tiefstwert. Nur noch 15 Prozent zeigen sich mit seiner Arbeit zufrieden, während 79 Prozent unzufrieden sind. Bei der Bundesregierung fällt die Zustimmung mit 14 Prozent sogar noch geringer aus: ebenfalls 79 Prozent bewerten ihre Arbeit negativ.

Für den Sonntagstrend befragte INSA vom 28. September bis 2. Oktober insgesamt 1.202 Personen. Die Angaben zur Zufriedenheit mit Kanzler und Bundesregierung basieren auf einer separaten Befragung von 1.001 Menschen am 1. und 2. Oktober.

Unterstützung für die Ukraine bröckelt

Bereits im ARD-Deutschlandtrend Anfang September zeigte sich ein deutliches Ost-West-Gefälle: In Ostdeutschland war mehr als jeder zweite Befragte der Ansicht, dass die deutsche Unterstützung für die Ukraine zu weit gehe. Auch die jüngsten Landtagswahlen lassen sich vor diesem Hintergrund als Ausdruck einer wachsenden Skepsis gegenüber der deutschen Russland- und Ukrainepolitik interpretieren.

Im Westen und in Berlin fällt die Unterstützung für die Ukraine weiterhin höher aus. Doch auch bundesweit wächst die Skepsis: Mehr als vier von zehn Befragten geben inzwischen an, die deutsche Unterstützung gehe zu weit. Damit erreicht dieser Wert den höchsten Stand seit Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine im Februar 2022.

Der Trend ist damit erkennbar: Die Unterstützung für die Ukraine besteht zwar weiterhin, doch die Zustimmung zur bisherigen deutschen Hilfspolitik steht zunehmend unter Druck.

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