Auf dem zwanzigsten Mobile World Congress sprach Deutsche Telekom mit Euronews Next über Starlink-Kooperation, mehr KI und globales Wachstum ohne Gefahr für die Souveränität der EU.
Die deutsche Telekommunikationsgruppe Deutsche Telekom will die Vernetzung in Europa ausbauen und Funklöcher schließen. Dafür geht sie eine Partnerschaft mit dem US-Satellitenanbieter Starlink ein.
Die Ankündigung erfolgte beim Mobile World Congress (MWC) in Barcelona. Dort zählen nicht-terrestrische Netze (Non-Terrestrial Networks, NTN) zu den großen Themen; Mobilfunkanbieter wollen ihre Dienste breiter und effizienter aufstellen.
Telekom gilt derzeit als größter Telekommunikationsanbieter Europas. Dennoch bleiben viele Regionen wegen schwieriger Topografie und Naturschutzauflagen unterversorgt. Die Zusammenarbeit mit Starlink soll mehr Menschen in Europa ins Netz bringen – und die eigenen Pläne eines „Everywhere Network“ vorantreiben.
„Wir haben in allen Ländern das beste Netz. In den meisten europäischen Märkten sind wir mit einer Abdeckung von über neunzig Prozent die unangefochtene Nummer eins“, sagte Dr. Abdu Mudesir, Chief Product & Technology Officer bei Deutsche Telekom, gegenüber Euronews Next.
„Aber es bleiben immer die letzten zehn Prozent, fünf Prozent, ein Prozent ohne Netz. Die Wälder, die Berge, die Inseln. Dort wünschen sich unsere Kundinnen und Kunden wirklich überall verfügbare Kommunikation – und genau das können wir zusammen mit Starlink anbieten. Das passt sehr gut zu unserer Vision, als Netz der Netzanbieter aufzutreten.“
Den Start des Dienstes plant Telekom für das Jahr 2028. Künftige Smartphones sollen dann direkt mit dem MSS-Spektrum (Mobile Satellite Service) von Starlink kommunizieren können, so das Unternehmen.
Starlink ist eine Sparte von Elon Musks Raumfahrtfirma SpaceX. Der Konzern testet mobile Konnektivität schon seit einiger Zeit, zuletzt mit Plänen für ein eigenes Starlink-Smartphone.
Seit 2022 arbeitet Telekom mit SpaceX daran, Funklöcher zu schließen. Das sei aber nur eines von vielen Themen, betonte Mudesir.
Neben den NTN sieht sich Telekom als „optimistisch“ beim Einsatz künstlicher Intelligenz (KI). Mit sogenannten agentischen Netzen – miteinander verknüpften, autonomen KI-Agenten – will der Konzern Leistungsfähigkeit und Service deutlich steigern.
„Wir sind mit der Vision gestartet, den Zugang zu KI zu demokratisieren“, sagte Mudesir. „Inzwischen haben wir KI-Fähigkeiten direkt ins Netz integriert. Das bedeutet: Sie und ich können in zwei verschiedenen Sprachen sprechen und werden in Echtzeit übersetzt. Oder wir lassen uns die besten Restaurants für das Abendessen hier in Barcelona anzeigen.
Diese Funktion steht sogar Menschen mit sehr alten Handys offen. Selbst mit einem Nokia 3310, also mit Geräten ganz ohne Apps. Ich muss meiner Mutter nicht erklären, wie sie eine App herunterlädt, um den Dienst zu nutzen – er funktioniert einfach.“
EU-Souveränität versus globales Wachstum
Als in Deutschland beheimateter Konzern setzt Telekom traditionell stark auf Projekte und Partner innerhalb der Europäischen Union und will so die digitale Souveränität der EU stärken. Allein auf diese Karte zu setzen, würde das langfristige Wachstum jedoch bremsen, sagt Mudesir und verweist auf die Bedeutung weltweiter Kooperationen.
„Wir leben in einer globalen Welt, und wir glauben an Partnerschaften über Grenzen hinweg“, so Mudesir.
Gleichzeitig wächst mit der internationalen Expansion die Sorge vieler Menschen vor laxer Regulierung, Datenschutzverletzungen und Überwachung. Mudesir sieht den Schutz vor diesen Risiken in einer Kombination aus klaren Regeln und digitaler Souveränität.
„Entscheidend ist: Wie schaffen wir ein kontrollierbares Umfeld, in dem unsere Daten sicher sind? In dem der Zugriff auf Daten nach europäischen Standards geregelt ist und nur in einem souveränen Rahmen erfolgt.“
Mudesir zeigt sich zudem überzeugt, dass europäische Unternehmen und Start-ups auch künftig zentrale Innovationstreiber bleiben und damit wichtige Fortschritte für die Technologie- und Telekommunikationsbranche ermöglichen.
„Europa kann das, und wir tun es bereits. Ich habe kürzlich gesehen, dass im vergangenen Jahr siebenundzwanzig Unicorns in Europa entstanden sind. Es gibt Chancen. Ich bin optimistisch – wenn wir es gemeinsam richtig anpacken.“
Die zwanzigste Ausgabe des Mobile World Congress endet am fünften März 2026 in Barcelona, Spanien.