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Urheberrechts-Sieg: ChatGPT schreibt nicht mehr wie Hemingway

Im John F. Kennedy Presidential Library and Museum in Boston sind am 28. Juni 2018 Buchumschläge von Ernest Hemingways „Der alte Mann und das Meer“ zu sehen.
In der John-F.-Kennedy-Präsidentenbibliothek in Boston ist am 28. Juni 2018 eine Auswahl von Umschlägen des Romans „Der alte Mann und das Meer“ zu sehen. Copyright  Copyright 2018 The Associated Press. All rights reserved.
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Von Una Hajdari
Zuerst veröffentlicht am
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OpenAI blockiert stillschweigend Eingaben, die ChatGPT auffordern, „im Stil von“ bekannten Autorinnen und Autoren zu schreiben, egal ob lebend oder verstorben.

Wer glaubte, mit ein paar Tastendrücken zur nächsten Agatha Christie, zum nächsten Stephen King oder Ernest Hemingway zu werden, bekommt von ChatGPT eine Ernüchterung.

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OpenAI hat den Chatbot stillschweigend umgestellt. ChatGPT lehnt jetzt direkte Aufforderungen ab, die Stimme oder den Stil einer namentlich genannten Autorin oder eines Autors zu kopieren – egal, ob die Person noch lebt oder seit Jahrzehnten tot ist.

Als Erste bemerkten die Kolleginnen und Kollegen von Ars Technica die Änderung und testeten sie mit eigenen Eingaben an ChatGPT.

Auch Engadget führte eigene Tests durch und kam zum selben Ergebnis. Das Portal verwies auf eine Untersuchung des Magazins No Latency: Noch vor wenigen Monaten habe ChatGPT ähnliche Anfragen zu verstorbenen Autorinnen und Autoren nicht zurückgewiesen. Die Sperre dürfte also tatsächlich neu sein und nicht einfach ein technischer Fehler.

Literarische Hommage tabu: ChatGPT liefert nur noch „Vibes“

Wer ChatGPT bittet, einen Facebook-Post im drastischen Stil des Horrorautors Stephen King umzuschreiben, bekommt inzwischen eine Absage.

Auch die Tests von Ars Technica ergaben dasselbe Bild. Die Redaktion ließ sich eine Einstiegsszene „im Ton von King“ schreiben. ChatGPT erklärte, es könne seinen charakteristischen Stil nicht genau nachahmen, und lieferte stattdessen einen eigenen Text über die Beklemmung in einer Kleinstadt.

Wer John Steinbeck ausprobiert, erlebt laut Fast Company ein ähnliches Muster. Auf die Bitte um eine Szene in Steinbecks Ton folgt eine Absage – und dann ungefragt eine Ersatzgeschichte mit rund 750 Wörtern. Die spielt zur Zeit der Weltwirtschaftskrise und orientiert sich, so Fast Company, „an breiteren Merkmalen wie strengem Naturalismus, wirtschaftlicher Not, lebendigen ländlichen Landschaften und sozialer Ungleichheit“ statt am echten Vorbild.

Eine Hintertür bleibt jedoch. Wer die Änderung nicht als Hinweis versteht, lieber die eigene Kreativität zu nutzen, kann versuchen, den Stil einer bestimmten Autorin oder eines Autors nur zu beschreiben, ohne den Namen zu nennen. Solche indirekten Stilvorgaben funktionieren offenbar noch.

Hintergrund sind mehrere Klagen von Autorinnen und Autoren gegen OpenAI sowie ein Urheberrechtsurteil über 1,5 Milliarden Dollar (1,29 Milliarden Euro) gegen den Konkurrenten Anthropic. Indem das Unternehmen Stil-Imitationen unterbindet, kann es leichter argumentieren, das Werkzeug solle nur inspirieren und nicht bestehende Werke nachbilden.

Ob Leserinnen und Leser den Unterschied zwischen „inspiriert von Steinbeck“ und „wirklich Steinbeck“ überhaupt erkennen, ist eine ganz andere Frage.

Erste Tests deuten darauf hin, dass viele dieser Hommagen deutlich flacher wirken als die Vorlagen. Die Texte bestehen aus kurzen Absätzen, ihnen fehlt der Fluss und die Wucht, die das Original überhaupt erst begehrenswert machen.

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