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Tätowierungen mit KI entwerfen: Tätowierer berichten von verändertem Arbeitsalltag

Tätowierer Thiago Miranda tätowiert den Arm einer Frau
Tattoo-Künstler Thiago Miranda tätowiert den Arm einer Frau. Copyright  AP Photo
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Von Roselyne Min
Zuerst veröffentlicht am
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Immer mehr Kundinnen und Kunden lassen sich Tattoo-Ideen von generativer KI veranschaulichen. Tätowierer nutzen sie für Fotorestauration und als Designvorlage.

Künstliche Intelligenz (KI) verändert, wie Menschen entscheiden, welches Motiv sie sich dauerhaft auf die Haut stechen lassen.

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Viele Tätowiererinnen und Tätowierer greifen bei ihrer Arbeit auf Vorlagen zurück, vor allem bei extrem detailreichen, realistischen Motiven.

„Auch diese Vorlage habe ich mit KI bearbeitet. Aber das Tattoo ist meins. Es wird nicht exakt aussehen wie die Referenz, denn ich möchte, dass es auf der Haut realistischer wirkt als auf dem Foto“, sagt Brigi Fuzes, eine ungarische Tätowiererin. Sie nutzt KI, um Referenzbilder zu erstellen, und sieht darin ein wichtiges Werkzeug für Kunstschaffende.

„Das kommt aus dem eigenen Kopf. Das kannst du nicht ständig nur mit Fotos machen.“

Nach ihren Angaben bringen inzwischen rund 70 % ihrer Kundschaft KI-generierte Motive mit ins Studio.

Solche Bilder berücksichtigen jedoch nicht automatisch, wie Licht, Schatten und feine Details für ein Tattoo angepasst werden müssen, sagt Fuzes, die ursprünglich aus der Bildenden Kunst kommt.

Extrem feine Details, die in einem generierten Bild überzeugend wirken, lassen sich oft nur schlecht in Tinte übertragen – oder sie bleiben im Lauf der Jahre nicht klar erkennbar.

„Viele denken, so etwas sei auf der Haut möglich – viel zu detailreich. Dabei kann es sein, dass die Farbe gar nicht dauerhaft hält“, sagt Fuzes.

„Nicht falsch verstehen, ich liebe Details, und meine Arbeiten sind dafür bekannt. Aber gleichzeitig soll das Tattoo so angelegt sein, dass es ein Leben lang hält.“

Tattoo-Kunst: KI wird zum zusätzlichen Gestaltungstool

Der in Edinburgh arbeitende Tätowierer David Corden sieht KI als neuestes Werkzeug in einer Reihe von Hilfsmitteln, die viele Künstlerinnen und Künstler ohnehin schon nutzen.

Früher arbeitete er mit Programmen wie Photoshop, um aufwendige Referenzbilder zu bauen. Heute hilft ihm KI, alte oder verschwommene Fotos zu verbessern – auch Aufnahmen verstorbener Angehöriger, die sich Kundinnen und Kunden tätowieren lassen möchten.

Gleichzeitig frustriert ihn, dass viele Menschen inzwischen automatisch davon ausgehen, besonders detailreiche Digitalbilder seien zwangsläufig von einer KI erzeugt.

„Auf Instagram tauchen ständig Videos auf, jemand zoomt auf einem iPad in die Vorlage eines Künstlers hinein und kommentiert: ‚Oh, KI-Bild.‘ Nein, ist es nicht“, sagt er.

„Manche Künstlerinnen und Künstler sind besser, als man es sich überhaupt vorstellen kann.“

Manche Tätowiererinnen und Tätowierer lassen KI dennoch komplett aus ihrem kreativen Prozess heraus.

Tiago Miranda vom Studio Disturbia Ink entwirft seine düsteren Horrormotive aus der eigenen Vorstellungskraft.

Anders als viele Kolleginnen und Kollegen arbeitet er nicht mit Fotovorlagen. Seine Entwürfe entstehen im Moment – und aus den hunderten Bleistiftskizzen, die er in seinen Büchern sammelt.

Auch Tätowiererin Ellie Diamond steht KI skeptisch gegenüber, obwohl immer mehr Kundinnen und Kunden mit selbst erstellten KI-Motiven ins Studio kommen.

„Wenn jemand mit einer Idee kommt und sagt: ‚Ich habe da schon etwas zusammengestellt‘, sage ich: ‚Okay, wir können das nehmen, aber ich zeichne dir etwas, das ein Computer niemals so hinbekommt.‘“, erzählt sie.

„Die besten Tattoos entstehen meistens, wenn jemand sagt: ‚Hier ist meine Idee, ich liebe deine Arbeiten, mach du dein Ding daraus.‘“

Tattoo-Branche: Kann KI Tätowierer ersetzen?

Die Debatte fällt in eine Zeit, in der Tätowierungen in Europa längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind.

Eine Studie aus dem Jahr 2026 (Quelle auf Englisch) ergab, dass in Schweden 29 % der Erwachsenen zwischen 20 und 68 Jahren mindestens ein Tattoo tragen. Eine Studie aus dem Jahr 2025 (Quelle auf Englisch) mit mehr als 111.000 Erwachsenen in Frankreich kam auf 11,5 % Tätowierte.

Der erfahrene Tätowierer Dan Gold rechnet nicht damit, dass KI ihm den Job wegnimmt. Größere Sorgen bereitet ihm, wie generative KI-Systeme an das Material kommen, mit dem sie trainiert werden.

„Es sollte so etwas wie eine KI-Steuer geben oder etwas in der Art“, sagt er. „Denn sie greifen auf all diese Daten kostenlos zu.“

Auch Diamond glaubt nicht, dass Maschinen den menschlichen Reiz des Tätowierens ersetzen können.

„Daran ist offensichtlich etwas sehr Ursprüngliches und sehr Menschliches“, sagt sie. „Ich habe daher keine Angst, dass die Maschinen das Ruder übernehmen.“

Mehr zu dieser Geschichte sehen Sie im Video oben im Player.

Cutter • Roselyne Min

Weitere Quellen • AP

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