Vollständige Dunkelheit gibt es in Deutschland zwar nicht. Doch die tiefe Teilfinsternis kurz vor Sonnenuntergang sorgt auch hierzulande für ein außergewöhnliches Lichtspiel am Himmel.
Am 12. August 2026 steht Europa ein seltenes astronomisches Ereignis bevor. Zwischen 17.34 Uhr und etwa 22 Uhr MESZ zieht der Schatten des Neumonds über Teile der Nordhalbkugel. In einem schmalen Streifen wird die Sonne vollständig verdeckt, außerhalb dieser Zone bleibt die Finsternis partiell.
In Deutschland ist keine totale Sonnenfinsternis zu sehen. Dennoch wird der Mond die Sonne je nach Region zu 84 bis 90 Prozent bedecken. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR) spricht deshalb auch für Deutschland von einem eindrucksvollen Naturereignis: Selbst die teilweise Verdeckung der Sonne könne einen ungewöhnlichen Eindruck am Himmel erzeugen - besonders, weil sie sich am Abend und bei niedrigem Sonnenstand abspielt.
Der globale Verlauf beginnt laut DLR über der Beringsee, rund 120 Seemeilen östlich der US-Insel St. George. Kurz darauf erreicht der Kernschatten erstmals die Erde über der russischen Taymyr-Halbinsel. Von dort zieht er durch die Arktis, verfehlt den Nordpol knapp und wandert weiter über Grönland, Island und den Nordatlantik in Richtung Spanien.
Deutschland liegt im Halbschatten
In Deutschland beginnt die partielle Sonnenfinsternis laut DLR je nach Ort frühestens um 19.12 Uhr MESZ, etwa auf Sylt. Sie bleibt anschließend bis zum jeweiligen Sonnenuntergang sichtbar. In Kleve geht die Sonne gegen 21.04 Uhr MESZ unter - noch bevor die Finsternis weltweit beendet ist.
Wie viel von der Sonnenscheibe der Mond verdeckt, hängt vom Standort ab. Im Nordosten Deutschlands liegt der Bedeckungsgrad bei etwa 84 Prozent. In Richtung Südwesten nimmt er zu: Entlang der Linie von Freiburg im Breisgau bis Konstanz am Bodensee kann der Mond bis zu 90 Prozent der Sonne verdecken.
In Köln wird das Maximum laut DLR um 20.13 Uhr MESZ erreicht. Dann sind 88,3 Prozent der Sonnenscheibe bedeckt, während die Sonne nur noch rund sechs Grad über dem Horizont steht. Ein vergleichbar hoher Bedeckungsgrad wird in Deutschland laut DLR erst am 13. Juli 2075 wieder erreicht.
Damit die Finsternis gut sichtbar ist, braucht es freie Sicht nach Westen. Wer den Horizont nicht durch Gebäude, Bäume oder Hügel verdeckt sieht, kann beobachten, wie die Sonne zunehmend zu einer schmalen, hellen Sichel wird. Gerade wegen der tief stehenden Sonne dürfte das Licht am Himmel besonders wirken.
Die totale Finsternis über Island und Spanien
Die vollständige Verdunkelung bleibt der Kernschattenzone vorbehalten. Laut DLR führt sie in Europa über die Eisflächen und Fjorde Ostgrönlands, weiter über Westisland und den Atlantik bis auf die Iberische Halbinsel. Bei wolkenlosem Himmel bieten Island, Spanien und die Balearen die besten Chancen, die totale Sonnenfinsternis zu erleben.
Das Maximum der Finsternis liegt westlich von Island über dem Atlantik. Dort dauert die Totalität bis zu zwei Minuten und 18 Sekunden. Auch Reykjavík wird vom Kernschatten erfasst: In der isländischen Hauptstadt ist die Sonne dem DLR zufolge etwa eine Minute lang komplett verdeckt. Zu diesem Zeitpunkt steht sie dort knapp 25 Grad hoch am Himmel.
Anschließend rast der Schatten über den Atlantik nach Süden. Er erreicht die nordspanische Küste nahezu gleichzeitig bei den Leuchttürmen von Estaca und Cabo Peñas. Dort dauert die Totalität rund zwei Minuten. Die Sonne steht dann nur noch etwa zehn bis elf Grad über dem Horizont.
Für Beobachter in Spanien sind unter anderem León, Valladolid, Burgos, Saragossa und Valencia interessante Ausgangsorte. Auch in Teilen der nordöstlichen Vororte von Madrid fällt die Sonne für knapp eine halbe Minute vollständig aus. Das macht die Finsternis nicht nur zu einem wissenschaftlichen Ereignis, sondern auch zu einem großen Anziehungspunkt für Reisende und Himmelsbeobachter.
Eine Finsternis beim Sonnenuntergang
Besonders dramatisch wird das Ereignis auf den Balearen. Dort steht die Sonne zu Beginn der partiellen Phase noch zwölf bis dreizehn Grad hoch. Während der totalen Finsternis befindet sie sich jedoch nur noch rund drei Grad über dem Horizont.
Nach der Totalität sinkt die Sonne weiter und geht noch während der anschließenden partiellen Phase unter. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt empfiehlt deshalb, einen Beobachtungsort nahe der Mittellinie der Kernschattenzone sorgfältig auszuwählen und vorab zu prüfen. Vor allem auf Mallorca kann die zerklüftete Landschaft der Serra de Tramuntana die Sicht bei flach einfallendem Licht stark einschränken.
In weniger als zehn Minuten überquert der Kernschatten die Iberische Halbinsel und die Balearen. Danach löst er sich über dem westlichen Mittelmeer von der Erdoberfläche. Das Ende der globalen Finsternis wird laut DLR kurz vor 22 Uhr MESZ südlich der Kapverdischen Inseln erreicht.
Auch in Südfrankreich, Andorra und Portugal wird die Sonne sehr stark verdeckt. Obwohl dort keine Totalität eintritt, kann der Bedeckungsgrad vielerorts mehr als 95 Prozent betragen.
Nur mit Spezialbrille beobachten
Wer die Finsternis in Deutschland oder außerhalb der Totalitätszone verfolgt, darf niemals direkt und ohne geeigneten Schutz in die Sonne sehen. Das gilt auch dann, wenn vom Sonnenlicht nur noch eine dünne Sichel übrig ist.
Das DLR weist darauf hin, dass bei einer Sonnenfinsternis der natürliche Lidschlussreflex nachlässt, weil das Licht weniger grell wirkt. Die Strahlung kann die Netzhaut dennoch schädigen. Schutz bietet eine geprüfte und zertifizierte Sonnenfinsternisbrille, auch SoFi-Brille genannt.
Die Brille ist ausschließlich für die Beobachtung mit bloßem Auge geeignet. Wer durch ein Fernglas, eine Kamera oder ein Teleskop schauen möchte, benötigt dafür spezielle Filter oder Schutzfolien vor dem Objektiv. Okularfilter sollten allerdings nicht verwendet werden, weil sie sich durch die Sonnenstrahlung stark erhitzen und beschädigt werden können.
Wer keine SoFi-Brille bekommt, kann auf Angebote von Volkssternwarten, Planetarien oder astronomischen Vereinen ausweichen. Viele Einrichtungen planen zur Langen Nacht der Astronomie gemeinsame Beobachtungen und Liveübertragungen aus der Totalitätszone.
Spanien erlebt ein seltenes Dreifach-Ereignis
Für Spanien ist die Finsternis vom August 2026 erst der Anfang einer außergewöhnlichen Serie. Das DLR spricht von einem astronomischen Glücksfall: Innerhalb von weniger als drei Jahren kreuzen sich über dem Land die Sichtbarkeitszonen von drei zentralen Sonnenfinsternissen.
Am 2. August 2027 folgt bereits die nächste totale Sonnenfinsternis. Sie ist im Süden Spaniens zu sehen, südlich der Linie zwischen Almería und Jerez de la Frontera. Dort kann die Totalität bis zu viereinhalb Minuten dauern. Anders als 2026 steht die Sonne dann deutlich höher - rund 40 Grad über dem Horizont.
Nur wenige Monate später, am 26. Januar 2028, folgt eine ringförmige Sonnenfinsternis. Dabei steht der Mond weiter von der Erde entfernt und erscheint deshalb etwas kleiner als die Sonne. Er verdeckt die Sonnenscheibe nicht vollständig: Ein heller Sonnenring bleibt sichtbar.