Am zwölften August 2026 erlebt Spanien seine erste totale Sonnenfinsternis seit über einem Jahrhundert. Wer sie mit dem Handy filmt, riskiert ohne Schutz einen defekten Kamerasensor – wir zeigen, wie es sicher geht.
Am zwölften August verdeckt der Mond die Sonnenscheibe über einem Streifen im Norden und Osten Spaniens vollständig. Es ist die erste totale Sonnenfinsternis, die von der Iberischen Halbinsel aus seit mehr als hundert Jahren zu sehen ist, die vorherige fand 1912 statt. Der Schatten, den der Mond wirft, erreicht zuerst Galicien, zieht dann von West nach Ost über das Land und reicht bis Palma de Mallorca, wo die Sonne schließlich untergeht.
Auf dem Festland beginnt die partielle Phase gegen 19.30 Uhr, Ortszeit der Iberischen Halbinsel, und die stärkste Verdunkelung tritt je nach Standort zwischen 20.27 Uhr und 20.35 Uhr ein. Das Phänomen endet kurz vor 21.30 Uhr, wenn die Sonne schon sehr tief über dem Horizont steht und an manchen Orten fast untergegangen ist. Dort, wo die Totalität erreicht wird, dauert sie etwas weniger als zwei Minuten.
In derselben Nacht erreicht außerdem der Meteorstrom der Perseiden sein Maximum. Wer also am Beobachtungsort bleibt, erlebt ein doppeltes Himmelsereignis.
Warum das Handy beim Filmen der Finsternis wirklich gefährdet ist
Vorsicht ist nicht nur für die Augen geboten. Die Optik eines Handys funktioniert in gewisser Weise wie eine Lupe: Sie bündelt das Licht, das durch das Objektiv fällt, auf eine winzige Fläche, den Kamerasensor.
Richten Sie dieses Objektiv mehrere Minuten ohne jeden Schutz direkt auf die Sonne, kann das das Kameramodul überhitzen und die Fotodioden des Sensors dauerhaft verbrennen. Zurück bleiben Flecken oder tote Pixel, die sich nicht mehr beheben lassen. Außerdem kann der Hitzeschutz des Telefons greifen, das sich dann schlagartig ausschaltet.
Öffentliche Statistiken darüber, wie viele Handys bei früheren Finsternissen beschädigt wurden, gibt es nicht. Bekannt sind aber Fälle von Nutzerinnen und Nutzern, deren Fotodioden Schaden genommen haben und bei deren Bildern Farbverläufe oder schwarze Punkte auftauchen.
Es gibt jedoch Unterschiede. Einige Fachleute betonen, dass ein einzelnes, schnell aufgenommenes Foto Sensoren so klein wie in einem Handy in der Regel nicht beschädigt; sie sind deutlich kleiner als die Sensoren einer Profikamera. Das Risiko steigt, wenn man länger zoomt oder ein externes Teleobjektiv an das Telefon anbringt.
Je mehr Minuten das Objektiv ohne Filter auf die Sonne gerichtet bleibt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Sensor Schaden nimmt und in der Aufnahme schwarze Punkte erscheinen. Einige Fotodioden brennen dann durch und fallen dauerhaft aus.
So halten Sie die Finsternis mit dem Handy fest, ohne es zu gefährden
Die wichtigste Regel, die in allen verfügbaren Leitfäden genannt wird, ist einfach: Solange die Sonne auch nur teilweise zu sehen ist, braucht die Kamera ohne Ausnahme einen Sonnenfilter. Der einzige von der NASA und astronomischen Fachgesellschaften empfohlene Standard ist die Norm ISO 12312-2:2015, dieselbe, die auch für Sonnenfinsternisbrillen gilt.
Teures Zubehör ist nicht nötig. Eine günstige Möglichkeit besteht darin, das Glas einer zertifizierten Sonnenfinsternisbrille auszuschneiden und vor die Handy-Kamera zu setzen, sodass die gesamte Optik bedeckt ist und kein Licht an den Rändern eindringen kann.
Wer eine stabilere Lösung bevorzugt, kann auf spezielle Sonnenfilter mit sehr hoher Neutraldichte, ND100000, zurückgreifen, die für Smartphones entwickelt wurden und weniger als 40 Euro kosten.
Tipps für sichere Aufnahmen der Sonnenfinsternis mit dem Handy
- Belichtung und Fokus auf die Sonne sperren, bevor Sie mit der Aufnahme beginnen. Jede Kamera-App ist etwas anders, meist genügt es, die Sonne anzutippen und den Finger kurz gedrückt zu halten, bis ein kleines Schloss-Symbol erscheint.
- Den manuellen oder Profi-Modus der Kamera aktivieren, mit niedriger ISO-Empfindlichkeit zwischen 100 und 200 und einer kurzen Belichtungszeit unter 1/1000 Sekunde. Im Automatikmodus wird das Bild oft selbst mit Filter überbelichtet.
- Ein Stativ und den Selbstauslöser verwenden, um Verwacklungen sowie verwischte Fotos oder Videos zu vermeiden.
- Während der partiellen Phase zeigt ein Zeitraffer mit Intervallen von ein bis zwei Sekunden den Fortschritt der Finsternis besser als ein Video in Echtzeit, weil sich der Mond nur sehr langsam bewegt.
- Wenn Sie sich in der Zone der Totalität befinden, nur während der Sekunden, in denen die Sonnenscheibe vollständig bedeckt ist, auf Video in Echtzeit ohne Schutz wechseln, um die Sonnenkorona aufzunehmen.
- Optischen Zoom dem Digitalzoom vorziehen; Digitalzoom vergrößert nur die Pixel und mindert die Bildqualität.
- Die Temperatur des Telefons im Blick behalten. Augusthitze und direkte Sonne können es überhitzen und eine automatische Abschaltung auslösen. Deshalb das Handy zwischen den Aufnahmen im Schatten aufbewahren und eine externe Batterie mitnehmen.
Was Sie auf keinen Fall tun sollten, wenn die Handy-Kamera heil bleiben soll
- Das Handy nicht mehrere Minuten am Stück direkt auf die Sonne filmen lassen, auch nicht mit Filter davor.
- Den Filter zu keinem Zeitpunkt entfernen, außer während der wenigen Sekunden der Totalität der Finsternis, und nur, wenn Sie sich innerhalb des Streifens befinden, in dem die Sonnenfinsternis total ist.
- Keine Ferngläser, Teleskope oder Teleobjektive ohne zertifizierten Sonnenfilter am Handy befestigen.
- Niemals durch den Sucher oder das Objektiv einer Kamera, eines Teleskops oder eines Fernglases in die Sonne schauen, auch nicht mit Sonnenfinsternisbrille: Die gebündelten Strahlen können den Filter durchbrennen und die Augen schwer schädigen.
- Das Telefon nicht über längere Zeit zwischen den Aufnahmen ungeschützt in der Sonne liegen lassen.
Zu bedenken ist außerdem: Die Finsternis über den Handybildschirm zu verfolgen, ist für die Augen völlig ungefährlich (für die „Augen“ des Handys, also die Kamera, gilt das nicht), denn man blickt nicht durch ein Objektiv, das das Licht verstärkt.
Die Gefahr geht vom Sensor aus, genauso wie bei unseren Augen, nicht vom Bildschirm. Und wer das perfekte Foto nicht hinbekommt, muss sich nicht allzu viele Gedanken machen: Spezialisierte Fotografen werden das Ereignis mit der passenden Ausrüstung begleiten, und den meisten Menschen wird es genügen, sich an den Himmel zu erinnern, der sich am späten Nachmittag verdunkelt.