Nur eine exakt zertifizierte Spezialfolie schützt die Augen der Beobachter einer Sonnenfinsternis. Sie lässt nur 0,00032 % des sichtbaren Sonnenlichts durch und sorgt gegen irreparable Netzhautschäden vor.
Merken Sie sich diese Zahl schon jetzt für die Sonnenfinsternis am kommenden 12. August vor. Die Iberische Halbinsel soll ganz in Dunkelheit gehüllt werden, in Deutschland ist zumindest damit zu rechnen, dass 90 Prozent der Sonne verschwinden werden.
Doch wer das Himmelsspektakel beobachten will, sollte sich vorbereiten. Für den Blick in die Sonne gibt es Spezialbrillen mit einer besonderen genormten ISO-Nummer, um die Augen zu schützen. Sie lautet: 12312:2-2015. Denn wer den Kopf in den Nacken legt und direkt in das gleißende Licht schaut, geht ein Risiko ein.
Richtig vorbereitet: Sonnenschutz für die Finsternis
Ohne diese Brillen schädigt ultraviolette Strahlung die Fotorezeptoren des Auges, also Zapfen und Stäbchen, und Infrarotstrahlung erzeugt zusätzliche Wärme direkt auf der Netzhaut. Dadurch kann sich eine solare Retinopathie entwickeln.
Die Symptome treten oft erst verzögert auf. Sie reichen von verschwommenem Sehen über Flecken oder Skotome an der Stelle des schärfsten Sehens bis hin zu Metamorphopsie (einer verzerrten Wahrnehmung von Formen) und einer erhöhten Lichtempfindlichkeit, also Photophobie, die Kopfschmerzen auslösen kann.
Die totale Phase der Finsternis dauert auf ihrem Weg über Spanien an keinem Ort länger als eine Minute und 48 Sekunden. In einem schmalen Streifen wird die Sonne vollständig verdeckt, außerhalb dieser Zone bleibt die Finsternis partiell, so auch in Deutschland. Nur in diesem kurzen Moment dürfen glückliche Beobachter ihre zertifizierten Schutzbrillen absetzen.
Selbst die teilweise Verdeckung der Sonne könne einen ungewöhnlichen Eindruck am Himmel erzeugen - besonders, weil sie sich am Abend und bei niedrigem Sonnenstand abspielt.
Warum ein spezieller Filter gegen Sonnenlicht notwendig ist
Die Norm ISO 12312-2 gilt nur für bestimmte Produkte, die für die direkte Beobachtung der Sonne bestimmt sind, also der sogenannten Fotosphäre, der leuchtenden Oberfläche der Sonne. Diese Filter stellen sicher, dass höchstens 0,00032 Prozent des sichtbaren Sonnenlichts durchgelassen werden. Das spanische Wissenschaftsministerium erklärt: "Man muss die Brille aufsetzen, bevor man zur Sonne schaut, dann nur wenige Sekunden hinsehen und den Blick wieder senken und die Beobachtung der Finsternis immer mit Pausen wiederholen." Man sollte die Brille erst abnehmen, wenn man nicht mehr zur Sonne blickt.
Die Norm gilt nur für Brillen ohne veränderbare Stärke oder Fokussierung. Sie erfasst nicht gewöhnliche Sonnenbrillen (ISO 12312-1), die Hunderte oder Tausende Male mehr Licht durchlassen, als für den direkten Blick in die Sonne sicher ist, und auch nicht Sonnenfilter, die für Geräte wie Teleskope oder Ferngläser entwickelt wurden. Herkömmliche Sonnenbrillen sind daher ungeeignet. Sie gilt ebenso wenig für Sonnenfilter, die man vor die Öffnung von optischen Geräten wie Kameraobjektiven, Ferngläsern oder Teleskopen setzt.
So erkennen Sie zertifizierte Brillen für Sonnenfinsternis und Co.
Gefordert ist vor allem die Transmittanz, also das Verhältnis zwischen durchgelassenem und einfallendem Licht, in den ultravioletten, sichtbaren und infraroten Wellenlängen, die unsere Netzhaut erreichen, die Gleichmäßigkeit der Transmittanz und eine ausreichende Materialqualität. Die Wissenschaftliche und Beratende Kommission des Trío de Eclipses betont zudem, dass Brillen, die in der Europäischen Union verkauft werden, zusätzlich das CE-Zeichen tragen müssen.
Das Ministerium und die ONCE werden in Spanien zwei Millionen zertifizierte Schutzbrillen kostenlos über Stände der Stiftung sowie Forschungszentren, Wissenschaftsmuseen und andere öffentliche Einrichtungen verteilen. Mehrere Autonome Gemeinschaften geben ebenfalls geprüfte Brillen an den eigens ausgewiesenen Orten aus, an denen das Himmelsereignis beobachtet werden kann. Hier finden Sie die Liste der Orte, an denen Sie die Brillen kostenlos erhalten.
Auch in Deutschland geben beispielsweise vereinzelt Sternwarten oder Optiker kostenlose Brillen aus. Fans der Himmelsereignisse können langfristig allerdings auch investieren, die Brillen gibt es auch zu kaufen.