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Frankreich und Deutschland: großer Weltraumgipfel trotz US-Rückzug und Fernbleiben von Merz

ARCHIV: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit Philippe Baptiste, Thomas Pesquet, Arnaud Prost und Sophie Adenot im Élysée-Palast in Paris, 5. Februar 2026.
ARCHIV: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit Philippe Baptiste, Thomas Pesquet, Arnaud Prost und Sophie Adenot im Élyséepalast in Paris am fünften Februar 2026. Copyright  AP Photo
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Von Estelle Nilsson-Julien
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Frankreich veranstaltet in dieser Woche gemeinsam mit Deutschland einen großen Raumfahrtgipfel. Europa steht dabei an einem strategischen Scheideweg.

Astronautinnen und Astronauten, Staats- und Regierungschefs sowie zentrale Wirtschaftsakteure der Raumfahrtbranche sind am Mittwoch in Paris zum internationalen Weltraumgipfel zusammengekommen, den Frankreich und Deutschland im Grand Palais ausrichten.

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Am Mittwochnachmittag kündigte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron an, dass während der zweitägigen Konferenz voraussichtlich mehr als 50 Projekte unterzeichnet werden. Er betonte, Europa müsse „die europäische und die Weltraumforschung stärken“ und zugleich Partnerschaften mit Staaten rund um den Globus vertiefen.

Gemeinsam mit Griechenlands Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis stellte er zudem die nächste private Astronautenmission der Europäischen Weltraumorganisation ESA zur Internationalen Raumstation ISS vor, PAM-6, geplant für 2027. An Bord soll der Grieche Adrianos Golemis sein, der damit als erster Astronaut seines Landes ins All fliegt.

Am Mittwochabend meldete sich Macron auch auf X zu Wort. Er würdigte einen großen Vertrag zwischen Amazon Leo und Arianespace und schrieb, „Amazon Leo erneuert sein Vertrauen in Arianespace mit sechs zusätzlichen Starts, insgesamt 24“.

Schon vor Beginn des Gipfels zogen mehrere US-Unternehmen ihre Teilnahme zurück. Hintergrund sind Berichte über Druck aus Washington im Zusammenhang mit Unterstützung für „politische Positionen der EU“.

Europas Raumfahrtbranche fordert US-Vormacht heraus

Dennoch kommt der Gipfel für die europäische Raumfahrtindustrie an einem strategischen Wendepunkt. Präsident Emmanuel Macron bezeichnete ihn bei der Ankündigung im Oktober 2025 als Chance, „Europäer um eine gemeinsame Ambition zu versammeln“ und eine „geteilte Vorstellung vom Platz Europas auf der Landkarte der globalen Weltraummächte bis 2035“ zu entwickeln.

Nach Angaben des Élysée-Palasts geht es beim Treffen um internationale Zusammenarbeit im All und eine stärkere Sicherheit im Weltraum. Europa versucht seit einigen Jahren, die Dominanz der USA auf dem globalen Raumfahrtmarkt anzugreifen. Die Staaten entwickeln eigene Trägerraketen und stocken die Raumfahrtbudgets sowohl auf nationaler Ebene als auch für die EU insgesamt auf.

Historisch investierte Europa rund 0,07 Prozent der Wirtschaftsleistung in Raumfahrtprogramme, die USA 0,24 Prozent.

Aber 2025 markierte einen Wendepunkt. Die ESA billigte im November ein Rekordbudget von 22,3 Milliarden Euro für den Finanzierungszeitraum 2026 bis 2028 und stellte zusätzlich 35 Milliarden Euro für Raumfahrtprojekte im Bereich Sicherheit und Verteidigung bereit.

Auch der Abbau von Ressourcen auf dem Mond gilt inzwischen als mögliche Quelle für saubere Energieträger und kritische Rohstoffe. Europa will sich damit unabhängiger von China und Russland machen.

Raumfahrtpolitik: Differenzen zwischen Frankreich und Deutschland

Fast ein Jahr nach Macrons Ankündigung hat der Gipfel bereits vor seiner Eröffnung einige Rückschläge erlebt. Deutschlands Kanzler Friedrich Merz bestätigte am Freitag, dass er wegen Verpflichtungen im Inland nicht teilnehmen werde. Statt seiner reisen Verteidigungsminister Boris Pistorius und Raumfahrtministerin Dorothee Bär nach Paris.

Hinter den Kulissen prallen Frankreich und Deutschland bei mehreren Raumfahrt- und Verteidigungsprojekten aufeinander. So gaben sie im Juni 2026 das gemeinsame Kampfflugzeug-Vorhaben FCAS nach jahrelangen Differenzen auf.

Macron drängt seit Langem auf mehr strategische Autonomie Europas. Er stellt sich hinter Programme wie die Trägerrakete Ariane 6 und warnt davor, sich auf US-Anbieter wie Elon Musks SpaceX zu verlassen.

Deutschland zeigt hingegen größere Bereitschaft, auf günstigere US-Alternativen wie SpaceX zu setzen. Am Samstag brachte das deutsche Start-up Isar Aerospace die erste kommerzielle Rakete vom europäischen Festland aus in eine Umlaufbahn. Das gilt als wichtiger Meilenstein auf Europas Weg zu einem unabhängigen Zugang zum All. Merz nannte den Start „den Beginn einer neuen Ära“.

Deutschlands Kanzler Friedrich Merz spricht während der Generaldebatte im Rahmen der Haushaltsberatungen im Bundestag in Berlin, 9. September 2026
Deutschlands Kanzler Friedrich Merz spricht während der Generaldebatte im Rahmen der Haushaltsberatungen im Bundestag in Berlin, 9. September 2026 AP Photo

US-Unternehmen sagen Teilnahme am Gipfel ab

Mehrere US-Unternehmen sagten ihre Teilnahme ebenfalls ab, nachdem ein Mitarbeiter des Weißen Hauses sie laut einem Bericht von Politico gewarnt hatte, ihr Erscheinen könne „wie eine stillschweigende Unterstützung für EU-Positionen“ wirken.

Eine Sprecherin des französischen Bildungs- und Forschungsministeriums, das die nationale Raumfahrtpolitik verantwortet, bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass SpaceX, Blue Origin, Stoke Space und Starcloud ihre Teilnahme abgesagt haben. Es sei „schwer, das nicht mit den in der Presse kursierenden Berichten über Druck in Verbindung zu bringen“.

Im Gespräch mit Euronews bezeichnete Hermann Ludwig Moeller, Direktor des European Space Policy Institute, Frankreich als „treibende Kraft“ im europäischen Raumfahrtsektor. Das Land stelle der Branche „starke politische Unterstützung“ zur Verfügung, und die „Bedeutung des Weltraums nehme weiter zu“.

Eine SpaceX-Falcon-Heavy-Rakete mit dem Weltraumteleskop Roman startet vom Kennedy Space Center, 30. August 2026
Eine SpaceX-Falcon-Heavy-Rakete mit dem Weltraumteleskop Roman startet vom Kennedy Space Center, 30. August 2026 AP Photo

„Der Weltraum entwickelt sich zunehmend zu einem eigenständigen militärischen Operationsraum. Zugleich wird auch der breiten Öffentlichkeit klar, dass Konflikte heute hybrid geführt werden, etwa durch Angriffe auf kritische Infrastruktur in Verkehr, Energieversorgung oder digitale Netze. Genau hier kann der Weltraum zusätzliche Resilienz schaffen.“

Moeller hob hervor, welche Rolle Technologien wie Satellitennavigation für zivile wie militärische Anwendungen spielen.

„Sie sind für den Alltag unverzichtbar, zugleich hat der Krieg in der Ukraine ihre strategische Bedeutung für die moderne Kriegsführung gezeigt“, sagte er.

Die Abhängigkeit Kyjiws von Elon Musks Starlink seit dem russischen Großangriff auf die Ukraine macht die strategische Bedeutung von Weltraumdiensten im Krieg deutlich. Das Satellitennetz sichert eine stabile Internetverbindung, selbst wenn Infrastruktur beschädigt oder zerstört ist.

Diese Erfahrung treibt Europa dazu, eigene unabhängige Satellitennetze aufzubauen, insbesondere die sichere Internetkonstellation IRIS².

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