Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Pferde, Tradition und neue Reitergeneration

Mit Unterstützung von
Pferde, Tradition und neue Reitergeneration
Copyright  Euronews
Copyright Euronews
Von Rushanabonu Aliakbarova
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button
Den Link zum Einbetten des Videos kopieren Copy to clipboard Link kopiert!

Polo-Spielerinnen und -Spieler, Züchterinnen und Züchter sowie junge Reiterinnen und Reiter bewahren uralte Reittraditionen und schaffen neue Chancen im Sport und in der Bildung.

Pferde prägen das Leben in ganz Zentralasien seit Jahrhunderten. Sie trugen Händler über die Seidenstraße, begleiteten Heere durch weite Landschaften und halfen Gemeinschaften, sich an schwierige Lebensräume anzupassen. Heute gehören Pferde noch immer zum Alltag – nicht mehr als Notwendigkeit, sondern als Verbindung zu Geschichte, Sport und kultureller Identität.

WERBUNG
WERBUNG

In ganz Usbekistan machen Reitschulen, Zuchtzentren und Polo­clubs eine neue Generation mit den Reitsporttraditionen vertraut und tragen dazu bei, einige der wichtigsten einheimischen Pferderassen zu erhalten.

Eines der deutlichsten Beispiele für diese Wiederbelebung ist Polo. Der Sport wird heute weltweit professionell gespielt, seine Wurzeln in der Region reichen jedoch viele Jahrhunderte zurück.

Historisch war das Spiel als Chovgan bekannt und wurde einst von Herrschern und Kriegern in ganz Zentralasien gespielt. Nach Angaben von Aziz Rustambayev, Vorsitzender der Polo­föderation, verbreitete sich das Spiel in der Region lange, bevor daraus der heutige moderne Sport wurde.

„In Usbekistan gehört Polo zu unserem historischen Erbe“, sagt er.

Die Polo­föderation entstand 2020 und konzentriert sich seitdem darauf, den Zugang zum Sport auszuweiten. In allen Regionen des Landes sind Reitschulen entstanden. Dort können junge Menschen Reitfertigkeiten lernen und Polo für sich entdecken.

Heute treten landesweit acht Polo­teams an, darunter Frauenmannschaften. Im ganzen Jahr finden nationale Meisterschaften statt. Neue internationale Partnerschaften eröffnen einheimischen Spielern zudem Chancen, im Ausland anzutreten.

Zu den Menschen, die die Zukunft des Sports mitgestalten, gehört die Nationalspielerin Shahnoza Sharipova. Sie zählte zu den Frauen, die eigene Frauen­teams im Polo aufbauten, nachdem sie zuvor gemeinsam mit Männern trainiert hatte.

Für Sharipova beginnt Erfolg im Polo damit, das Pferd wirklich zu verstehen.

„Die beste Art, eine Bindung zu einem Pferd aufzubauen, ist, ihm eine Karotte oder einen Apfel zu geben und es sanft am Hals zu streicheln“, erklärt sie. „Pferde merken sich Menschen. Wenn man ein Pferd freundlich behandelt, wird es einen nie schlecht behandeln.“

Ihre Erfahrung steht für eine breitere Haltung in der Reitszene: Reiten gilt dort nicht nur als Sport, sondern als Partnerschaft zwischen Mensch und Tier.

Polo ist nur eine Seite der modernen Reitszene des Landes, ebenso wichtig bleibt die Pferdezucht.

In Surkhandarya arbeitet die Qora Bayir Horse Mastery School daran, eine der bekanntesten Pferderassen des Landes zu erhalten und zu fördern. Die 2021 unter dem Dach der Nationalgarde gegründete Einrichtung verbindet Zuchtprogramme mit Reiterausbildung und Unterricht im Pferdesport.

Die Schule will den Bestand der Qora-Bayir-Pferde erhöhen und sie zugleich für Disziplinen wie Polo, ulak-kupkari, Tent Pegging und Springreiten vorbereiten.

Nach Angaben des stellvertretenden Direktors Akmal Shermatov hat die Rasse eine lange Geschichte in der Region und gilt als besonders anpassungsfähig und ausdauernd.

„Das Qora-Bayir-Pferd hat tiefe historische Wurzeln in Zentralasien“, sagt er. „Es ist sehr anpassungsfähig, außergewöhnlich widerstandsfähig und kommt in ganz unterschiedlichen Umgebungen gut zurecht.“

Anders als manche großen europäischen Rassen sind Qora-Bayir-Pferde dafür bekannt, Berge, Wüsten, Flüsse und offene Ebenen zu durchqueren und sich dabei an verschiedene Klimazonen anzupassen.

Die Schule startete mit rund 30 Pferden und hat ihr Zuchtprogramm in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. Heute trainieren dort Hunderte junger Menschen unter der Aufsicht erfahrener Ausbilder, Reiter und Tierärzte.

Eine von ihnen ist Sharifakhon Ibragimova, die den Reitsport erst vor einem Jahr für sich entdeckt hat.

„Ich fühle mich sehr wohl und sicher, wenn ich mitmache“, sagt sie. „Ich möchte auch künftig trainieren und bei großen Wettkämpfen starten.“

Ihre Ziele spiegeln ein wachsendes Interesse junger Menschen am Reiten wider, zumal immer mehr Anlagen und Trainingsprogramme entstehen.

Diese Begeisterung zeigt sich auch in Karakalpakstan, wo Reittraditionen eng mit der lokalen Kultur und dem Alltag verbunden bleiben.

An der Reitschule der Republik Karakalpakstan trainieren rund 70 Kinder in Disziplinen von Pferderennen und Polo bis hin zu ulak-kupkari, Tent Pegging und Ringkämpfen zu Pferd.

Die Schule beherbergt mehrere Rassen, darunter Achal-Tekkiner, europäische Warmblüter und Qora-Bayir-Pferde. Jungen und Mädchen machen gleichermaßen mit, und die Schülerinnen und Schüler treten regelmäßig bei regionalen und nationalen Turnieren an.

Direktor Renat Joldashev sagt, Pferde seien in der Region schon immer Teil des Lebens gewesen.

„Unsere Vorfahren ritten Pferde, jagten zu Pferd und spielten ulak-kupkari“, erklärt er. „Heute führen unsere jungen Leute diese Traditionen im Reitsport fort und bewahren so unsere Kultur und unsere Bräuche.“

Für viele Schülerinnen und Schüler bedeutet Reiten lernen mehr, als einen Sport zu beherrschen. Es ist auch ein Einstieg in Verantwortung und Fürsorge.

Der junge Reiter Zarafiddin Zaitov findet, die erste Lektion besteht darin, das Vertrauen eines Pferdes zu gewinnen.

„Man muss dem Pferd Zuneigung zeigen, es füttern, streicheln und Vertrauen aufbauen“, sagt er. „Erst dann sollte man es reiten.“

Diesen Gedanken teilen Reiter, Trainer und Züchter im ganzen Land. Ob sie Pferde auf Wettkämpfe vorbereiten, historische Rassen erhalten oder Kindern das erste Reiten beibringen – im Mittelpunkt steht immer die Beziehung zwischen Mensch und Pferd.

Heute erfüllen Pferde viele Rollen. Sie sind Sportler, Gefährten, Arbeitstiere und kulturelle Symbole. Sie schlagen eine Brücke zwischen modernen sportlichen Ambitionen und Jahrhunderten Geschichte und helfen, Traditionen zu bewahren, die Gemeinschaften im ganzen Land bis heute prägen.

Mit dem wachsenden Interesse am Reitsport und den zunehmenden Bemühungen um den Schutz historischer Rassen gewinnt die Pferdekultur für eine neue Generation an Bedeutung. Die Landschaften mögen sich verändert haben, doch die Bindung zwischen Pferd und Reiter bleibt erstaunlich stark.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Euronews bei Google hinzufügen