Loader
Finden Sie uns
Werbung

Kann im OP enden: „Avocado-Hand“ nimmt in Deutschland zu

Archivbild: Guacamole mit Avocados
Archivbild: Guacamole mit Avocados Copyright  AP2010
Copyright AP2010
Von Jesús Maturana
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Ein Krankenhaus im Norden Deutschlands meldet seit 2020 80 Fälle der „Avocado-Hand“. Die Schnittverletzungen nehmen zu und betreffen vor allem junge Frauen.

Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) mit Standorten in Kiel und Lübeck hat seine Notaufnahmeregister für den Zeitraum von 2020 bis Mitte 2026 ausgewertet. Dabei zählte es 80 Fälle der umgangssprachlich so genannten „Avocado-Hand“. Die Stichprobe ist nicht groß, die Entwicklung aber auffällig: 2020 gab es noch acht Fälle, 2022 bereits 18 und 2025 dann 21.

WERBUNG
WERBUNG

Die Daten zeichnen zudem ein klares Bild, wer sich so verletzt. 81,9 % der Betroffenen sind Frauen, und 44 der 80 Fälle betreffen Menschen zwischen 20 und 29 Jahren. Nach Angaben des Klinikums müssen viele dieser Verletzungen operiert werden, in besonders schweren Fällen sind sogar mikrochirurgische Eingriffe nötig.

Wie es zu diesen Schnittverletzungen kommt

Das Problem beginnt bei der typischen Handhabung der Frucht. Üblich ist, die Avocadohälfte in der nicht dominanten Hand zu halten. Mit der anderen schneidet man das Fruchtfleisch ein oder versucht, den Kern mit der Messerspitze herauszuhebeln.

Das UKSH erklärt, dass eine unglückliche Kombination aus der Anatomie der Hand und der rutschigen Konsistenz der Frucht zu diesen Verletzungen führt. Rutscht die Klinge vom Kern ab oder gleitet leichter als erwartet durch das Fruchtfleisch, trifft sie mit Wucht die Handfläche oder die Fingergelenke. Direkt unter der Haut verlaufen dort empfindliche Strukturen wie Beugesehnen, Fingernerven und Arterien. Das erklärt, warum diese Wunden so schwer ausfallen können.

Die Folgen reichen von starken Blutungen bis hin zu Funktionsverlust in den Fingern. Die Heilung dauert oft lange: Selbst nach einer gelungenen Operation sind meist mehrere Wochen Schienung und Physiotherapie nötig.

Empfehlungen und bereits bekannte Fälle aus den USA

Um das Risiko zu verringern, rät das Klinikum, die Avocado stets auf ein stabiles Schneidebrett zu legen, statt sie in der Hand zu halten – sowohl beim Halbieren als auch beim Würfeln des Fruchtfleischs. Außerdem empfiehlt es, den Kern nicht mit dem Messer, sondern mit einem Löffel zu entfernen.

Der Befund aus Deutschland bleibt kein Einzelfall. In den USA hatten Forscher schon vor Jahren ein ähnliches Muster beobachtet: Zwischen 1998 und 2017 wurden mehr als 50.000 solcher Verletzungen erfasst. Die Zahl stieg von etwas mehr als 3.000 Fällen in den Jahren 1998 bis 2002 auf über 27.000 im Zeitraum 2013 bis 2017. Eine 2020 in „The American Journal of Emergency Medicine (Quelle auf Englisch)“ veröffentlichte Studie brachte diesen Anstieg mit dem gleichzeitig wachsenden Avocado-Konsum im Land in Verbindung.

Die Avocado gehört zusammen mit der Pistazie zu den Produkten mit den größten Zuwachsraten der vergangenen Jahre. Viele Landwirte setzen inzwischen auf diese Kulturen, nicht zuletzt wegen des Trends zu Avocado-Gerichten und ihres Rufs als „gesunde Fettquelle".

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Waldbrände verwüsten Europa, Tausende müssen ihre Häuser verlassen

Hitze-Gefahr für Fische in deutschen Gewässern: "Ökologische Katastrophe"

Ukraine meldet Angriff auf russisches Raketen- und Raumfahrtzentrum