Sie planen einen Herbsttrip in Europa? Lassen Sie sich vom Euronews-Travelteam für Ihre nächste Reise inspirieren.
Den Abschied vom Sommer muss niemand betrauern. Der Herbst gehört vielleicht zu den besten Reisezeiten in Europa: weniger Menschen, niedrigere Preise und Reiseziele, die dann ihre ganze Atmosphäre entfalten.
Von klaren Spaziergängen auf dem Land und leuchtenden Herbstfarben bis zu gemütlichen Cafés und saisonalen Festen: Das sind die Reisen, die auf der Wunschliste des Euronews-Travel-Teams für die „-ber“-Monate stehen.
Saskia O’Donoghue: Warum ich Bayern wähle – und Malta
Um ehrlich zu sein, ist der Herbst meine mit Abstand unbeliebteste Jahreszeit. Die Bäume sterben langsam ab, die Tage werden kürzer. Ich glaube, meine Abneigung hat viel mit dem trüben Wetter in England zu tun, wo ich lebe. In letzter Zeit versuche ich, den Herbst an anderen Orten zu entdecken, an denen man ihn richtig zu feiern weiß.
Im vergangenen Jahr war ich in Tschechien und in Nova Scotia in Kanada. Beide schaffen es, den Herbst richtig angenehm zu machen. Dieses Jahr plane ich, nach Bayern zu fahren, wenn sich die Sommermassen verzogen haben und die Landschaft in Gold-, Orange- und Dunkelrot-Töne taucht.
Trotz meiner Vorbehalte gegen den Herbst könnte ich problemlos ganze Tage damit verbringen, durch München zu schlendern. Von einer gemütlichen Bierhalle zum nächsten Markt, dann weiter nach Süden in Richtung Berge und natürlich zu den Schlössern.
Neuschwanstein ist als Pflichtstopp vielleicht ein wenig naheliegend. Aber ich glaube nicht, dass ich mich je daran sattsehen würde – vor allem nicht, wenn es von herbstlich gefärbten Wäldern eingerahmt ist.
Lange Spaziergänge, danach deftige bayerische Küche, ein lokales Getränk und ein richtig gemütlicher Platz am offenen Kamin: Das kommt meinem Ideal eines Herbsturlaubs schon sehr nahe. Vielleicht werde ich dabei sogar noch zum Herbstfan.
Falls ich den Herbst trotzdem noch verabscheue, fliege ich zurück nach Malta. Dort habe ich schöne Erinnerungen an Sonnenbäder im November – und an Sonnenuntergänge zu einer Uhrzeit, die nicht deprimierend früh ist.
Dianne Apen-Sadler: Warum ich Lettland wähle
Als Reisejournalistin werde ich ständig nach meinen Lieblingsorten in Europa gefragt. In neun von 10 Fällen spreche ich entweder über den Balkan – eher über Belgrad und Skopje als über Budva und Split – oder über das Baltikum.
Mit seiner malerischen, zum UNESCO-Welterbe zählenden Altstadt, hervorragenden Museen und großartigen Craft-Brauereien hat Lettlands Hauptstadt Riga alles, was man für einen gelungenen Wochenendtrip braucht. Man kann sie im Hochsommer ebenso genießen wie im tiefsten Winter – oder, wie hier, im Herbst.
Am meisten freue ich mich aber auf Sigulda, Lettlands „Herbsthauptstadt“. Die Kleinstadt liegt rund 45 Minuten mit dem Zug von Riga entfernt und ist in der Saison der bunten Blätter ein Traum.
Im Oktober färben sich die Ufer des Flusses Gauja in alle möglichen Orangetöne – zufällig auch meine Lieblingsfarbe – und die Seilbahn von Sigulda sowie die Burg Turaida bieten die besten Aussichtspunkte.
Wer braucht da noch Neuengland, wenn wir solche Orte direkt hier in Europa haben?
Mike Starling: Warum ich Schottland wähle
Ich möchte nicht wie ein britischer Stubenhocker wirken. Aber als jemand, der seit vielen Jahren außerhalb des Vereinigten Königreichs lebt, fahre ich dennoch gern zurück in die alte Heimat. Auch wenn ich Engländer bin, würde ich sagen: Vergessen Sie London, die Cotswolds und den Lake District und fahren Sie „nördlich der Grenze“.
Schottland ist zu jeder Jahreszeit schön, doch im Herbst ist es ideal – besonders, wenn man draußen unterwegs ist. Natürlich erwischt einen der eine oder andere Regenschauer, oder auch fünf. Aber die herbstlichen Farben der Bäume, Täler und Lochs machen jede Wanderung und jedes Outdoor-Abenteuer lohnenswert. Und dann ist da noch Golf – einfach spektakulär.
Nach 18 Löchern oder nachdem man einen „Munro gebagged“ hat – also den Gipfel eines schottischen Berges von mindestens 3.000 Fuß (914,4 Meter) erreicht hat – wartet die berühmte Gastfreundschaft des Landes. Im wahrsten Sinne des Wortes. Man sitzt vor Holzfeuern in Pubs, isst kräftige Hausmannskost und trinkt einen Dram Whisky. Was will man mehr?
Fakhriya M. Suleiman: Warum ich Monaco wähle
Der luxuriöse Reiz Monacos hat mich schon immer angezogen. Als Fürstentum an der Côte d’Azur umfasst es nur zwei Quadratkilometer. Die Sommermassen finde ich allerdings deutlich weniger verlockend. In der Nebensaison nach Monaco zu reisen, wenn der Herbst eingezogen ist – das würde ich sofort machen.
Ich habe so viel darüber gehört, wie entspannt man den Stadtstaat zu Fuß erkunden kann. Ich sehe mich durch die futuristische Architektur von Mareterra spazieren oder die leuchtenden Farben im Princess-Grace-Rosengarten von Fontvieille bewundern.
Ich probiere gern Neues aus, etwa einen ersten Besuch in Monaco. Gleichzeitig bin ich, zugegeben etwas widersprüchlich, ein Gewohnheitsmensch. Ich weiß, dass ich mich pudelwohl fühlen würde, wenn ich vom Shoppingparadies Doha direkt ins Shoppingparadies Monte Carlo wechsle. Mein Spaziergang würde mich weiter über die Einkaufsmeile führen. Dort bekomme ich Appetit, bevor ich die Gastronomieszene von Monte Carlo teste.
Das Restaurant Blue Bay mit zwei Michelin-Sternen von Küchenchef Marcel Ravin bietet ein Menü zwischen karibischer und mediterraner Küche – dazu Meeresblick. Es fehlt nur noch das Flugticket.
Maya Abu Hajleh: Warum ich Italien wähle
Italien ist ein Land, das ich schon lange besuchen möchte. Die Vorstellung gefällt mir, durch die Straßen zu schlendern, verschiedenes Essen zu probieren, in kleinen Cafés zu sitzen und keinen Zeitdruck zu haben.
Ich mochte immer den Gedanken, an einem kleinen, gemütlichen Ort zu leben, an dem man die Menschen um sich herum kennt und alles ein wenig langsamer wirkt. Vielleicht würde mir das irgendwann langweilig vorkommen. Ich möchte es aber selbst erleben, bevor ich mir dieses Urteil bilde.
Ich habe den Großteil meines Lebens in den Golfstaaten verbracht. Ich bin Hitze gewohnt und weite, trockene Wüstenlandschaften. Deshalb möchte ich etwas völlig anderes erleben: Italien im Herbst, mit all den sich verfärbenden Bäumen, den Bergen, Seen und kleinen Orten.
Am meisten würde mir wahrscheinlich gefallen, durch die schönen Straßen Italiens zu laufen und auf all die trockenen, bunten Blätter zu treten, die bereits gefallen sind. Dieses langsamere Leben würde ich sehr genießen – auch wenn es nur für kurze Zeit ist.
Rebecca Ann Hughes: Warum ich England wähle
Der Sommer in Norditalien, wo ich lebe, war dieses Mal extrem. Wir hatten mehr Hitzewellen als Pausen, lange Phasen mit über plus 35 Grad und 95 Prozent Luftfeuchtigkeit. Da habe ich mich plötzlich nach etwas gesehnt, was ich sonst für eine eher unspektakuläre Urlaubsoption halte: Spaziergänge durch die britische Landschaft.
Europa hat keinen Mangel an spektakulären Wanderwegen und Nationalparks. Doch mir schwebt diese ganz typische Atmosphäre britischer Wälder vor: feiner Nieselregen, der torfig-feuchte Geruch von Laub unter den Füßen, huschende Eichhörnchen – und der warme Landpub.
Ich habe Glück, denn Familienmitglieder leben in zwei großartigen Gegenden der englischen Provinz. Da ich aus Schottland komme, fahre ich ausnahmsweise in die andere Richtung als unser Redakteur Mike – für einen Tapetenwechsel. Meine Tante lebt im Lake District, ideal für anstrengende Anstiege auf Berggipfel oder entspannte Wege am Seeufer.
Mein Onkel wohnt weiter südlich im New Forest. Dort sehe ich mich in dunkle Wälder eintauchen oder über offene Heidelandschaften wandern und Freundschaft mit den wild lebenden Ponys schließen, die frei umherziehen.