Loader
Finden Sie uns
Werbung

Usbekistans Wüstengeheimnisse: alte Landschaften und lebendige Traditionen

Mit Unterstützung von
©
© Copyright  Euronews
Copyright Euronews
Von Rushanabonu Aliakbarova
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button
Den Link zum Einbetten des Videos kopieren Copy to clipboard Link kopiert!

Alte Festungen, heilige Stätten und zurückeroberte Steppen zeigen, wie Menschen sich an das Leben in Usbekistans Wüsten anpassten, wo Wasser über Siedlung und Überleben entschied.

Große Teile Usbekistans bestehen aus ariden und halbariden Landschaften. Von der weiten Kysylkum-Wüste im Nordwesten bis zu den Halbwüsten rund um Termez haben sie beeinflusst, wo Menschen siedelten, wie sie reisten und wie sich Gemeinschaften an die anspruchsvollsten Lebensräume Zentralasiens anpassten.

WERBUNG
WERBUNG

Usbekistans Wüsten stehen meist für offene Weiten und extreme Klimabedingungen. Gleichzeitig bergen sie antike Städte, heilige Monumente und Siedlungen, die bis heute das lange Verhältnis zwischen Mensch und Umwelt widerspiegeln. Von den archäologischen Stätten Karakalpakstans über die urbar gemachten Flächen von Jizzakh bis zur Halbwüste der Region Surkhandarya erzählt jede Landschaft ein anderes Kapitel dieser Geschichte.

Antike Städte unter dem Sand Karakalpakstans

Versteckt in den Wüstenebenen Karakalpakstans lag einst Akchakhan Kala, ein Teil des antiken Choresm. Archäologen haben dort Wehrmauern, Zeremonialgebäude und einen Palast-Tempel-Komplex freigelegt, die über 2 000 Jahre alt sind. Die Funde geben neue Einblicke in eines der frühesten städtischen Zentren Zentralasiens.

Die Fundstätte umfasst 56 Hektar und steht seit den 1990er-Jahren im Fokus internationaler Ausgrabungen. Usbekische Forscher arbeiten seitdem mit australischen und in jüngerer Zeit auch mit chinesischen Archäologen zusammen, um den Stadtgrundriss zu rekonstruieren und die Überreste zu sichern.

Nach Angaben von Serik Baybosinov, Leiter der Abteilung für Kulturerbe in Karakalpakstan, haben die Grabungen den zentralen Platz, den Palast und Zeremonialgebäude der Stadt sichtbar gemacht. Gleichzeitig laufen Vorbereitungen, das Areal in ein Freilichtmuseum zu verwandeln, ohne seinen historischen Charakter zu verändern.

Die Forschungen haben auch das Verständnis der Historiker von den religiösen und künstlerischen Traditionen des alten Choresm grundlegend verändert.

In mehr als drei Jahrzehnten archäologischer Arbeit kamen gut erhaltene Wehrmauern und ein Palast-Tempel-Komplex zum Vorschein, der seltene Wandmalereien aus dem Zeitraum vom 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. enthält.

„Der Tempel hat eine außergewöhnliche Sammlung von Wandmalereien preisgegeben“, sagt Vadim Yagodin, Forscher am Karakalpakischen Forschungsinstitut für Geisteswissenschaften. „Aufgrund seines Aufbaus gehen wir davon aus, dass er damals vermutlich ein wichtiges zeremonielles Zentrum war.“

Akchakhan Kala existierte Jahrhunderte, bevor die mittelalterliche Seidenstraße ihre Blüte erreichte. Nach Einschätzung der Archäologen zeigt der Ort, wie sich in den Wüsten Zentralasiens organisierte städtische Zentren lange vor den berühmten Handelsrouten entwickelten.

Chilpyk Dakhma und das Erbe des Zoroastrismus

Weiter über Karakalpakstan verteilt erinnert ein weiteres Monument an ein anderes Kapitel der Regionalgeschichte.

Über der umgebenden Wüste erhebt sich Chilpyk Dakhma, auch als „Turm des Schweigens“ bekannt. Die Stätte gilt als eines der bekanntesten Zeugnisse zoroastrischer Bestattungsrituale in Zentralasien. Archäologen datieren das Monument vorläufig in das 3. Jahrhundert v. Chr.

Nach Angaben von Vadim Yagodin nutzten die Menschen die Anlage für rituelle Bestattungen: Die Verstorbenen wurden im Freien aufgebahrt, bevor man ihre Knochen in speziell angefertigte Ossuarien legte.

Trotz jahrzehntelanger Forschung bleiben viele Fragen offen.

„Wir haben nie herausgefunden, wohin diese Ossuarien letztlich gebracht wurden“, erklärt Yagodin. „Hier steht dieses gewaltige Monument, das mit einem bedeutenden religiösen Kult verbunden ist, und doch gibt es in der Umgebung keinerlei Siedlungen. Warum? Darauf haben wir bis heute keine Antwort.“

Gerade diese offenen Fragen machen Chilpyk für Archäologen zu einer der faszinierendsten historischen Stätten der Region.

Von der „Hungrigen Steppe“ zum fruchtbaren Ackerland

Einige hundert Kilometer weiter südöstlich verändert sich das Landschaftsbild erneut.

Die Mirzachul-Steppe in der Region Jizzakh war früher wegen ihres trockenen Klimas und der knappen Wasserressourcen weithin als „Hungrige Steppe“ bekannt. Groß angelegte Bewässerungsprojekte im 20. Jahrhundert verwandelten Teile des Gebiets nach und nach in eine der wichtigsten Agrarregionen Usbekistans.

Die Bewohnerin Bozorgul Xalikova erinnert sich an Berichte darüber, wie die Steppe ausgesehen hat, bevor diese Veränderungen begannen.

„Früher sagte man, wenn ein Vogel dieses Land überfliegt, verbrennt er sich die Flügel, und wer darüberläuft, verbrennt sich die Füße“, erzählt sie.

„Nach und nach ließen sich Menschen hier nieder, immer mehr Flächen wurden bewässert und bebaut, und die einst leeren Wüstengebiete wurden allmählich fruchtbar.“

Das nahe gelegene Dorf Oqtom entstand rund um einen einzelnen Brunnen, der einst Reisenden auf ihrem Weg durch die Steppe diente.

„Unser Dorf begann mit nur einem Haus und einem Brunnen“, sagt Sherali Tillayev, Vorsitzender der Bürgerversammlung von Oqtom.

„Reisende, die die Wüste durchquerten, hielten hier an, um sich auszuruhen und Wasser zu trinken, bevor sie ihre Reise fortsetzten.“

Mit der Ausweitung der Bewässerung in den 1950er- und 1960er-Jahren verdrängte die Landwirtschaft nach und nach einen Großteil der offenen Steppe. Der Wandel zeigt, wie der Zugang zu Wasser die Besiedlung der trockenen Landschaften Usbekistans prägt.

Leben in der Halbwüste Kattakum

Im Süden der Region Surkhandarya bietet die Landschaft von Kattakum einen weiteren Blick auf das Leben in Wüstengebieten.

Oft ist von der Wüste Kattakum die Rede, Fachleute sprechen jedoch von einer Halbwüste. Saisonale Regenfälle, Grundwasser und der nahe Amudarja ermöglichen dort deutlich mehr Pflanzenwuchs als in großen Wüsten wie der Karakum.

„Eigentlich handelt es sich eher um eine Halbwüste als um eine echte Wüste“, sagt Shukhrat Ibragimov von der regionalen Tourismusbehörde. „Ohne das Wasser hier, vor allem den Amudarja, sähe die Gegend um Termiz wahrscheinlich genau so aus.“

In der Landschaft wachsen Saxaulsträucher, kurzlebige Frühlingspflanzen und Wildtulpen. Schutzmaßnahmen der vergangenen Jahre haben dazu beigetragen, die Vegetation zu regenerieren, die zuvor häufig als Brennstoff geschlagen wurde.

Gleichzeitig prägt die Halbwüste weiterhin den Alltag. Saisonale Winde, vor Ort als „afghanischer Wind“ bekannt, tragen regelmäßig Sand in Richtung Termez, sodass Pflanzen als wichtige natürliche Barriere gegen Erosion dienen.

Das Interesse an dem Gebiet wächst auch bei Besucherinnen und Besuchern, die Kamelritte, Reitrouten und das Erleben einer der weniger bekannten Naturlandschaften Usbekistans suchen.

Jede dieser Landschaften hat ihre eigene Geschichte, doch sie teilen gemeinsame Merkmale. Wasser, Klima und Geografie bestimmten, wo Menschen siedelten, was sie bauten und wie sie lebten. Diese Einflüsse sind bis heute sichtbar.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Euronews bei Google hinzufügen