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Nächste Meerenge dicht? Spritpreise steigen – Diesel springt auf 2,60 Euro

Bildunterschrift  In Frankfurt am Main wird am Donnerstag, 16. April 2026, Kraftstoff aus einem Tanklastwagen an einer Tankstelle angeliefert.
Bildunterschrift In Frankfurt am Main wird am Donnerstag, 16. April 2026, Kraftstoff aus einem Tanklastwagen an einer Tankstelle angeliefert. Copyright  AP Photo
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Von Nela Heidner
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Autofahrer in Deutschland müssen erneut deutlich mehr fürs Tanken bezahlen. Am Sonntagmittag kletterte der Dieselpreis an vielen Tankstellen auf bis zu 2,60 Euro pro Liter, Super E10 wurde bis zu 2,45 Euro fällig – neue Rekordwerte für das laufende Jahr.

Die Lage an den Zapfsäulen hat sich über das Wochenende weiter verschärft. Am Sonntagmittag kletterte Diesel an vielen Tankstellen auf bis zu 2,60 Euro pro Liter, für Super E10 wurden bis zu 2,45 Euro fällig. Das sind neue Rekordwerte für das laufende Jahr. Im bundesweiten Tagesmittel lag Diesel am Samstag bei 2,38 Euro und damit 18 Cent teurer als noch Ende August, Super E10 kostete im Schnitt rund 2,25 Euro, ein Plus von 11 Cent gegenüber Ende August.

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Grund für den erneuten Schub ist ein Drohnenangriff auf die saudische Ost-West-Pipeline, die 1.200 Kilometer lange Leitung, über die Saudi-Arabien einen Teil seines Öls unter Umgehung der Straße von Hormus zum Roten Meer transportiert. Riad schaltete die Pipeline nach Angaben des Energieministeriums am Freitag vorsorglich ab, nachdem Satellitenbilder Brandschäden und mehrere Verletzte dokumentiert hatten. Der Irak räumte ein, dass die Drohnen von seinem Staatsgebiet aus gestartet wurden, entließ einen Militärkommandanten und leitete Ermittlungen ein; Saudi-Arabien machte zuvor bereits vom Iran unterstützte Milizen im Irak für Angriffe auf seine Ölanlagen verantwortlich. Über die Pipeline laufen laut Reuters-Angaben rund vier bis fünf Prozent der weltweiten Ölversorgung.

Bald 3-Euro-Diesel?

Auch die Bild-Zeitung berichtet von einer drohenden weiteren Verteuerung: ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski schließt einen Dieselpreis von 3 Euro pro Liter nicht mehr aus, sollte der Ölpreis länger über 110 Dollar je Barrel verbleiben. Bei Benzin wären dann rund 2,50 Euro pro Liter möglich. Eine Tankfüllung von 50 Litern würde damit 150 Euro für Diesel beziehungsweise 125 Euro für Benzin kosten – zum bisherigen Diesel-Rekord vom April (2,45 Euro je Liter, rund 122 Euro pro Tankfüllung) wäre das ein Aufschlag von knapp 28 Euro.

Die Zeitung verweist zudem auf den wachsenden politischen Druck: Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) fordert einen staatlichen Spritpreisdeckel, den Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) ablehnt. Brzeski schlägt als Alternative Steuersenkungen vor, um den Preisanstieg zu dämpfen und den Abstand zu günstigeren Nachbarländern wie Polen zu verringern.

Energieanalyst Richard Bronze von Energy Aspects warnte gegenüber der BBC, die Puffer, die dem Ölmarkt bislang geholfen hätten, die Krise abzufedern, seien weitgehend aufgebraucht. Hielten die Krisen am Bab al-Mandab und an der Ost-West-Pipeline an, dürfte der Ölpreis wieder in Richtung der 120-Dollar-Marke steigen, die bereits während einer früheren Zuspitzung des Iran-Konflikts erreicht wurde. Besonders angespannt sei die Lage auf dem Dieselmarkt, was sich auf zahlreiche Güterpreise durchschlage, da Diesel in Produktion und Transport breit eingesetzt werde.

Zweite Krisenroute am Bab al-Mandab

Zu dieser neuen Zuspitzung an der saudischen Pipeline kommt die bereits seit Tagen schwelende Krise am Bab al-Mandab hinzu. Nachdem die Huthi strategisch wichtige Positionen im Jemen entlang der schmalen Meerenge unter ihre Kontrolle gebracht haben, drohen Handelsschiffen bei einer weiteren Eskalation erhebliche Umwege.

Statt der Route durch das Rote Meer müssten sie den Weg um das Kap der Guten Hoffnung und damit nahezu um den gesamten afrikanischen Kontinent nehmen. Die Folge wären deutlich längere Transportwege und voraussichtlich stark steigende Kosten. Noch ist dieses Szenario nicht vollständig eingetreten – an den Tankstellen sind die Auswirkungen der angespannten Lage jedoch bereits spürbar. Da die Preise nach den geltenden Regeln nur einmal täglich, um 12 Uhr, angehoben werden dürfen, bildeten sich am Samstagvormittag teilweise lange Schlangen vor den Tankstellen.

Die Huthi-Miliz droht damit, die strategisch wichtige Meerenge Bab al-Mandab dauerhaft zu blockieren. Die Meerenge zwischen dem Jemen und dem Horn von Afrika ist eine wichtige Verbindung für den internationalen Schiffsverkehr zwischen Europa und Asien. Ein erheblicher Teil des weltweiten Seehandels läuft durch diese Route.

Obwohl der Ölpreis am Samstag wegen des Wochenendes nicht an den Börsen gehandelt wurde, erhöhten viele Tankstellen in Deutschland ihre Preise um die Mittagszeit bereits deutlich.

Der starke Anstieg kommt zudem zu einer ohnehin angespannten Situation am Kraftstoffmarkt. Diesel hatte bereits am Vortag mit einem durchschnittlichen Preis von mehr als 2,38 Euro je Liter ein neues Monatshoch erreicht. Das bisherige Allzeithoch liegt bei 2,446 Euro je Liter und wurde am 7. April erreicht.

Zusätzlichen Druck auf die internationalen Energiemärkte übt die weiterhin angespannte Lage rund um die Straße von Hormus aus. Die Meerenge zwischen Iran und Oman gehört zu den wichtigsten Öl- und Gasrouten der Welt. Ein erheblicher Teil der weltweiten Öl- und Flüssiggastransporte wird über diese strategisch wichtige Passage abgewickelt.

Damit stehen gleich zwei wichtige Handels- und Energierouten unter Druck: Die Meerenge Bab al-Mandab zwischen Nordostafrika und der Arabischen Halbinsel im Roten Meer und weiterhin die Straße von Hormus, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman verbindet.

Günstigster Diesel auf Malta

Spanien bietet derzeit den zweitgünstigsten Diesel in der Europäischen Union an, mit 1,795 Euro pro Liter. Am billigsten ist weiterhin Malta, gefolgt von Spanien, Bulgarien und Ungarn. In dem Mittelmeer-Inselstaat hat die Regierung die Preise bereits seit 2020 eingefroren: auf 1,34 Euro pro Liter Benzin und 1,21 Euro pro Liter Diesel.

An der Tankstelle ist Diesel in Malta also derzeit am günstigsten. Betrachtet man dagegen nur den Kraftstoffpreis vor Steuern, Abgaben und bestimmten regulatorischen Kosten, liegt Deutschland laut einer Analyse von Frontier Economics am niedrigsten.

Das ergibt eine Analyse der Beratungsfirma Frontier Economics im Auftrag des Wirtschaftsverbands Fuels & Energie (EN2X), zu dessen Mitgliedern unter anderem BP, Shell und Esso zählen. Das Ergebnis: Werden staatliche Abgaben, Steuern und EU-Klimavorgaben herausgerechnet, ist Diesel in Deutschland so günstig wie in keinem anderen europäischen Land. Beim Benzin liegt Deutschland demnach eigentlich auf Platz zwei.

Laut Studie ist neben den hohen Steuern und Abgaben auch die EU-Richtlinie für erneuerbare Energien (RED) ein großer Kostenfaktor. Deutschland setzt strengere CO₂-Ziele als viele EU-Staaten und droht bei Verfehlung mit höheren Strafen. Um diese zu vermeiden, kaufen Unternehmen Zertifikate, etwa von E-Auto-Besitzern.

Diese Zertifikatskosten belaufen sich in Deutschland auf 18 Cent je Liter Diesel. In den meisten anderen EU-Ländern sind es nur drei bis neun Cent.

Die Bundesregierung sieht indes die Schuld für die hohen Preise bei den Konzernen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) arbeitet an einer nationalen Raffineriestrategie. Ein erstes Treffen ist für Oktober geplant.

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