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Fahrt in Fußgängergruppe in Italien - Deutscher Tourist unter den Verletzten

Das Auto, das die Menschenmenge in Modena überfuhr, 16/05/2026
Das Auto, das die Menschenmenge in Modena überfuhr, 16/05/2026 Copyright  AP Photo
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Von Fortunato Pinto
Zuerst veröffentlicht am
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Im italienischen Modena fährt ein Mann mit seinem Wagen gezielt in eine Menschengruppe. Mehrere Menschen werden schwer verletzt, darunter auch ein deutscher Urlauber.

Ein dramatischer Vorfall hat am Samstag das Zentrum der norditalienischen Stadt Modena erschüttert. Kurz vor 17 Uhr raste ein Auto mit hoher Geschwindigkeit in mehrere Fußgänger und verursachte zahlreiche teils lebensgefährliche Verletzungen. Die Ermittler untersuchen derzeit die Hintergründe der Tat sowie den psychischen Zustand des Fahrers.

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Der Vorfall ereignete sich in der Via Emilia Centro an der Kreuzung zur Viale Martiri della Libertà. Nach bisherigen Erkenntnissen fuhr der 31-jährige Salim El Koudri mit seinem Citroën C3 mit hoher Geschwindigkeit durch die Straße und steuerte das Fahrzeug anschließend gezielt auf Passanten zu. Die Fahrt endete erst, als der Wagen frontal in die Schaufensterscheibe eines Bekleidungsgeschäfts krachte.

Der Fahrer, ein italienischer Staatsbürger marokkanischer Herkunft aus der Provinz Modena, wurde negativ auf Alkohol und Drogen getestet. Der arbeitslose Wirtschaftswissenschaftler war laut Behörden nicht vorbestraft, allerdings bereits wegen psychischer Probleme bekannt.

Modenas Bürgermeister Massimo Mezzetti erklärte, der Mann sei 2022 wegen einer schizoiden Erkrankung in psychiatrischer Behandlung gewesen. Danach habe man keinen Kontakt mehr zu ihm gehabt.

Acht Verletzte, mehrere Schwerverletzte

Bei dem Angriff wurden acht Menschen verletzt, vier davon schwer. Unter den Opfern befinden sich auch ein deutscher Tourist sowie eine Frau aus Polen.

Eine 55-jährige Frau erlitt besonders schwere Verletzungen und wurde in das Ospedale Maggiore in Bologna gebracht. Laut italienischen Medien mussten ihr beide Beine amputiert werden. Ein Offizier, der zufällig vor Ort war, legte demnach sofort ein Tourniquet an und konnte die Blutung bis zum Eintreffen der Rettungskräfte stoppen.

Auch einem weiteren Opfer mussten nach Angaben der Behörden die unteren Gliedmaßen amputiert werden.

Mehrere weitere Verletzte wurden in Krankenhäuser in Modena eingeliefert. Drei Menschen erlitten leichtere Verletzungen und befinden sich nicht in Lebensgefahr.

Fahrer nach Fluchtversuch festgenommen

Nach dem Aufprall versuchte der Fahrer zu Fuß zu fliehen. Vier Passanten, darunter zwei ägyptische Staatsbürger, verfolgten ihn jedoch und hielten ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest.

Der Mann war dabei mit einem Messer bewaffnet, dessen Klinge etwa 20 Zentimeter lang gewesen sein soll.

Die Staatsanwaltschaft in Modena nahm den 31-Jährigen wegen schwerer gefährlicher Körperverletzung fest. Aufgrund der Schwere der Tat beschäftigt sich inzwischen auch die Anti-Terror-Abteilung der Staatsanwaltschaft in Bologna mit dem Fall. Ein terroristisches Motiv wurde bislang jedoch nicht bestätigt.

Reaktionen aus der Politik

Italiens Präsident Sergio Mattarella will die Stadt am Sonntag besuchen. Nach Angaben des Quirinals telefonierte er bereits unmittelbar nach der Tat mit Bürgermeister Mezzetti, um sich über die Lage der Verletzten zu informieren und den Helfern für ihr Eingreifen zu danken.

Auch Ministerpräsidentin Giorgia Meloni reagierte auf den Vorfall. In sozialen Netzwerken dankte sie den Bürgern, die den Fahrer gestoppt hatten, sowie den Einsatzkräften. Zugleich erklärte sie, sie vertraue darauf, dass der Verantwortliche für seine Tat zur Rechenschaft gezogen werde.

Italiens stellvertretender Ministerpräsident und Verkehrsminister Matteo Salvini hob nach der Tat die Herkunft des Angreifers hervor und bezeichnete den 31-Jährigen als "Kriminellen der zweiten Generation".

Kurz darauf reagierte Modenas Bürgermeister Massimo Mezzetti und erinnerte daran, dass sich unter den Menschen, die den Fahrer stoppten, auch zwei ägyptische Staatsbürger befanden.

"Im Moment sehe ich viele pauschale Verurteilungen in sozialen Netzwerken und anderswo. Deshalb möchte ich daran erinnern, dass nicht alle Ausländer denen ähneln, die solche Taten begehen. Viele sind ehrliche Menschen, die Teil unserer Gemeinschaft sind und ihr dienen", sagte Mezzetti italienischen Medien zufolge.

Auch der Imam von Ravarino, Abdelmajid Abouelala, äußerte sich gegenüber der Zeitung "Gazzetta di Modena" bestürzt über die Tat. Er erklärte, er habe den mutmaßlichen Täter persönlich nicht gekannt, kenne jedoch dessen Vater gut.

"Alles, was ich über ihn sagen kann, ist, dass er ein guter Mensch ist - genauso wie der Rest der Familie. Er ist ein hart arbeitender, gebildeter Mann, über den ich nie etwas Negatives gehört habe", sagte der Imam.

Zugleich betonte er, die kleine Gemeinde sei tief erschüttert über den Vorfall. "Wir kennen uns hier alle. Ich habe auch mit Freunden und Freiwilligen gesprochen - niemand kannte Salim wirklich", erklärte Abouelala weiter.

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