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Großaufgebot der Polizei bei Protesten in London

Polizisten sichern in London den rechtsextremen „Unite the Kingdom“-Marsch am Samstag, den 16. Mai 2026.
Polizisten sichern in London einen Marsch der rechtsextremen Gruppe Unite the Kingdom am Samstag, dem sechzehnten Mai zweitausendsechsundzwanzig. Copyright  AP Photo/Kirsty Wigglesworth
Copyright AP Photo/Kirsty Wigglesworth
Von Emma De Ruiter
Zuerst veröffentlicht am
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Tausende Menschen demonstrieren in London bei gegensätzlichen Kundgebungen rund um den rechtsextremen Aktivisten Tommy Robinson und den Nakba-Tag. Die Polizei fährt mit Tausenden Einsatzkräften eines der größten Sicherheitsaufgebote der vergangenen Jahre auf.

In London war am Samstag ein Großaufgebot der Polizei im Einsatz. Die Sicherheitskräfte mussten gleich mehrere Großveranstaltungen parallel absichern - darunter zwei gegensätzliche Demonstrationen sowie das FA-Cup-Finale mit zehntausenden Fußballfans.

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Tausende Menschen beteiligten sich an einer Kundgebung des rechtsextremen Aktivisten Tommy Robinson. Gleichzeitig versammelten sich mehrere tausend Menschen zum sogenannten Nakba-Tag, der an die Vertreibung Hunderttausender Palästinenser bei der Gründung Israels im Jahr 1948 erinnert.

Der Protestzug zog durch West-London und endete nahe Piccadilly mit mehreren Redebeiträgen. Dort traf die Demonstration auch auf einen antifaschistischen Gegenprotest der Organisation Stand Up to Racism.

Ein Demonstrant zeigt einen riesigen Schlüssel bei einem Pro-Palästina-Marsch in London am Samstag, dem 16. Mai 2026.
Ein Demonstrant zeigt einen riesigen Schlüssel bei einem Pro-Palästina-Marsch in London am Samstag, dem 16. Mai 2026. AP Photo/Thomas Krych

Die Polizei setzte gepanzerte Fahrzeuge, Reiterstaffeln, Hunde, Drohnen und Hubschrauber ein. Mindestens 4.000 Beamte waren im Einsatz, um mögliche Zusammenstöße zu verhindern.

Die Metropolitan Police hatte bereits im Vorfeld angekündigt, wegen der parallel stattfindenden Demonstrationen eine der größten Sicherheitsoperationen der vergangenen Jahre durchzuführen.

Im Laufe des Nachmittags erklärte die Polizei, besonderes Augenmerk liege darauf, ein Aufeinandertreffen möglicher Splittergruppen zu verhindern.

Die Demonstrationen finden in einer politisch aufgeheizten Stimmung im Vereinigten Königreich statt. Bei den Kommunalwahlen in der vergangenen Woche konnten vor allem die rechtspopulistische Partei Reform UK deutlich zulegen.

Um die rivalisierenden Gruppen voneinander fernzuhalten, verhängte die Polizei für beide Demonstrationen strenge Vorgaben zu Routen und Zeiten.

Demonstrierende mit Fahnen versammeln sich beim rechtsextremen Marsch „Unite the Kingdom“ in London am Samstag, dem 16. Mai 2026.
Demonstrierende mit Fahnen versammeln sich beim rechtsextremen Marsch „Unite the Kingdom“ in London am Samstag, dem 16. Mai 2026. AP Photo/Kirsty Wigglesworth

Die Polizei rechnet damit, dass der Großeinsatz Kosten von rund 4,5 Millionen Pfund - umgerechnet etwa 5,1 Millionen Euro - verursachen wird. Gleichzeitig kündigten die Behörden eine Null-Toleranz-Strategie an.

Erstmals machte die Polizei auch die Organisatoren der Demonstrationen rechtlich dafür verantwortlich, dass eingeladene Redner nicht gegen Gesetze zur Volksverhetzung verstoßen.

Zusätzliche Sorgen bereitete den Einsatzkräften das parallel stattfindende FA-Cup-Finale zwischen Chelsea F.C. und Manchester City F.C., das am Samstag angepfiffen wurde.

Die Polizei befürchtete unter anderem, dass Hooligan-Gruppen auftauchen könnten, die Tommy Robinson bereits in der Vergangenheit unterstützt hatten.

Bis zum späten Nachmittag nahm die Polizei nach eigenen Angaben 31 Menschen wegen verschiedener Delikte fest.

"Auch wenn diese Zahl hoch erscheinen mag, verliefen beide Demonstrationen bislang weitgehend ohne schwerwiegende Zwischenfälle", teilte die Metropolitan Police mit.

"Hass und Spaltung"

Tommy Robinson, der mit bürgerlichem Namen Stephen Yaxley-Lennon heißt, war früher als Fußball-Hooligan aktiv und tritt heute vor allem als antiislamischer Aktivist auf. In den vergangenen Jahren hat seine Bekanntheit insbesondere über soziale Netzwerke deutlich zugenommen.

Bereits im vergangenen September mobilisierte Robinson mit einer ähnlichen Demonstration nach eigenen Angaben bis zu 150.000 Menschen in die Londoner Innenstadt. Die Kundgebung stand damals unter dem Motto "nationale Einheit, Meinungsfreiheit und christliche Werte". Für eine Veranstaltung aus dem rechtsextremen Spektrum galt die Beteiligung als außergewöhnlich hoch.

Robinson greift in seinen Auftritten häufig Themen auf, die in Teilen der britischen Gesellschaft kontrovers diskutiert werden - darunter die Migration über den Ärmelkanal, die allgemeine Einwanderungspolitik sowie Debatten über Meinungsfreiheit und gesellschaftlichen Wandel.

Der rechtsextreme Agitator Stephen Yaxley-Lennon, bekannt unter seinem Pseudonym Tommy Robinson, spricht bei einer „Unite the Kingdom“-Kundgebung in London am Samstag, dem 16. Mai 2026.
Der rechtsextreme Agitator Stephen Yaxley-Lennon, bekannt unter seinem Pseudonym Tommy Robinson, spricht bei einer „Unite the Kingdom“-Kundgebung in London am Samstag, dem 16. Mai 2026. AP Photo/Kirsty Wigglesworth

Premierminister Keir Starmer warnte bereits am Freitag vor möglichen Ausschreitungen. "Wer unsere Straßen verwüsten, Menschen einschüchtern oder bedrohen will, muss mit der vollen Härte des Gesetzes rechnen", erklärte er.

Zugleich warf Starmer den Organisatoren der Kundgebung von Tommy Robinson vor, "Hass und Spaltung zu verbreiten".

Robinson selbst rief seine Anhänger dazu auf, keine Masken zu tragen, nicht übermäßig Alkohol zu konsumieren und "friedlich sowie respektvoll" aufzutreten.

Die britische Regierung verweigerte außerdem elf ausländischen Staatsangehörigen die Einreise zur sogenannten "Unite the Kingdom"-Demonstration.

Zu den nach eigenen Angaben betroffenen rechten Aktivisten und Politikern gehören unter anderem der polnische Politiker Dominik Tarczynski, der belgische Politiker Filip Dewinter, die antiislamische Kommentatorin Valentina Gomez sowie die niederländische Aktivistin Eva Vlaardingerbroek.

"Wir werden diejenigen an der Einreise nach Großbritannien hindern, die Hass und Gewalt schüren wollen", sagte Starmer weiter.

Der Premierminister steht nach den schweren Verlusten seiner Partei bei den jüngsten Kommunalwahlen innenpolitisch zunehmend unter Druck.

Weitere Quellen • AP, AFP

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