Der deutsch-französische Panzerbauer KNDS treibt seinen Börsengang voran. Berlin fürchtet in diesem Zusammenhang um seinen Einfluss auf den Leopard-2-Hersteller und prüft offenbar einen Einstieg des deutschen Staates.
Der Leopard-2-Panzer gilt weltweit als einer der besten und ist dementsprechend beliebt bei der Bundeswehr und anderen Armeen. Berichten zufolge soll der Rüstungsgigant zuletzt Verträge über 350 Leopard-2-Panzer aus fünf Ländern abgeschlossen haben, darunter Deutschland, die Niederlande, Norwegen, Litauen und Tschechien.
Der Hersteller, KNDS Deutschland mit Sitz in München, früher bekannt als Krauss-Maffei Wegmann (KMW), gehört demnach seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Lieferanten der Bundeswehr. Der Rüstungskonzern KNDS ist jedoch ein deutsch-französisches Gemeinschaftsunternehmen, der Name bildet sich aus dem Anfangsbuchstaben von "Krauss-Maffei Wegmann" und denen des französischen Unternehmens "Nexter Defense Systems". Zur Hälfte gehört der Konzern dem französischen Staat, die andere Hälfte der deutschen Unternehmerfamilie Wegmann.
Das Unternehmen machte 2024 etwa 3,8 Milliarden Euro Umsatz und verfügte zuletzt über einen Auftragsbestand von rund 23,5 Milliarden Euro. Laut Unternehmensangaben plant der Rüstungskonzern dieses Jahr noch einen Börsengang in Frankfurt und Paris. Medienberichten zufolge könnte KNDS dabei mit rund 20 Milliarden Euro bewertet werden. Der Börsengang besorgt Berlin jedoch, da er dazu führen könnte, das Deutschland Einfluss auf einen der wichtigsten Panzerbauer Europas verlieren könnte. Frankreich hält bereits einen Anteil von 50 Prozent an der Firma.
Sollte Berlin demnach die deutschen Anteile ohne Einstieg des Bundes beim Börsengang verkaufen, würde das bedeuten, dass Frankreich deutlich mehr Kontrolle über das Unternehmen bekäme. Laut übereinstimmenden Medienberichten sollen Vertreter des Wirtschafts- und Verteidigungsministeriums den KNDS-Eigentümerfamilien Bode und Braunbehrens jedoch signalisiert haben, dass Interesse an einem Einstieg mit einem Anteil von 30 bis 40 Prozent bestehe.
Wie das Manager Magazin berichtete, soll die Regierung den deutsch-französischen Rüstungsgiganten gebeten haben, den ursprünglich noch für Juli geplanten Börsengang auf die Zeit nach der parlamentarischen Sommerpause, also auf den Herbst, zu verschieben.
In einer Mitteilung vom Freitag erklärte KNDS, mit dem Börsengang nicht auf eine Entscheidung warten zu wollen, ob sich die Bundesregierung am Unternehmen beteiligt. Das Unternehmen setze seine Vorbereitungen für einen möglichen Börsengang entlang des ursprünglichen Zeitplans fort, "mit voller Unterstützung der Eigentümer und des Verwaltungsrats", so Vorstandschef Jean-Paul Alary in der Mitteilung. Das Unternehmen prüft weiterhin, wann der Börsengang frühestmöglich umgesetzt werden kann.
Neben Börsengang: KNDS könnte Werke von Mercedes und VW übernehmen
Bereits im vergangenen Jahr übernahm der Rüstungskonzern das zuvor von der Schließung bedrohte Alstom-Werk im sächsischen Görlitz. Wie der Spiegel berichtet, soll KNDS Deutschland derweil zudem mit Mercedes-Benz im Gespräch sein, dass Werk in Ludwigsfelde südlich von Berlin zu übernehmen. Dort könnte künftig neben Fahrzeugen von Mercedes auch Militärtechnik gefertigt werden.
Auch das VW-Werk in Osnabrück könnte künftig eine Rolle für den Rüstungskonzern spielen. Derzeit werde demnach eine mögliche Übernahme des Standorts geprüft, für den Volkswagen wegen schwacher Auslastung nach Lösungen sucht. Ob dieses Werk jedoch auch übernommen wird, ist unklar, da KNDS sich dazu nicht geäußert habe.
Grund für die mögliche Übernahme ist der massive Ausbau der Produktionskapazitäten, sodass die steigende Nachfrage europäischer Streitkräfte erfüllt werden könne, sie mit Panzern und anderen Militärfahrzeugen zu beliefern. Zu Großaufträgen dieser Art gehören Berichten zufolge auch bis zu 3.000 Boxer-Radpanzer für die Bundeswehr.
KNDS-Panzer gehört zu den besten weltweit
Einen eindeutig "besten" Kampfpanzer der Welt gibt es zwar nicht – dafür unterscheiden sich Einsatzszenarien, Bedrohungslagen und militärische Doktrinen zu stark. Der deutsche Leopard wird jedoch regelmäßig zu den leistungsfähigsten Kampfpanzern weltweit gezählt, vor allem in den modernsten Versionen A7A1 und A8.
Eine der wichtigsten Neuerungen des A8 ist das aktive Schutzsystem "Trophy", das anfliegende Geschosse via Radarsensoren erkennen kann und sie dann mit Abwehrladungen zerstört, bevor sie den Panzer treffen.
Hergestellt wird das System von dem israelischen Unternehmen Rafael, wo es bereits in den Merkava-IV-Panzern im Einsatz ist. Auch in dem US-amerikanischen Panzer M1A1 Abrams ist das System integriert. Generell wird der Leopard 2 jedoch vor allem für seine ausgewogene Kombination aus Feuerkraft, Schutz und Mobilität geschätzt.
Mit seiner 120-mm-Glattrohrkanone, moderner Verbundpanzerung, kontinuierlichen Upgrades, sowie seiner Anpassungsfähigkeit, wie etwa bei Sensorik, Schutzsystemen oder digitaler Vernetzung, gilt er im Westen als einer der leistungsfähigsten Kampfpanzer überhaupt.
Der Leopard 2 ist auf Einsätze im europäischen Kontext ausgelegt und kombiniert hohe Mobilität mit vergleichsweise effizienter Logistik. Sein Dieselmotor erleichtert Wartung und Versorgung im Feld, was ihn besonders für längere Operationen und den Einsatz auf wechselndem Terrain – von urbanen Räumen bis zu bewaldeten Gebieten – geeignet macht.