Die FIFA reagiert auf die Boykottdrohung der UEFA und die Kritik an ihrem Investorenmodell. Private Beteiligungen bedeuteten nicht, dass der Fußball oder die Weltmeisterschaft verkauft würden, betont der Verband.
"Niemand verkauft den Fußball", erklärte die FIFA in einer Mitteilung. Damit reagierte der Weltverband auf breite Kritik an einem Plan, privaten Investoren Beteiligungen an künftigen Weltmeisterschaften zu ermöglichen.
"Die FIFA würde so etwas niemals in Erwägung ziehen." Zugleich forderte der Verband, dass alle Mitgliedsverbände die Möglichkeit erhalten sollten, den Plan zu prüfen. Er sprach sich für eine "offene und demokratische" Konsultation aus.
Der europäische Fußballverband UEFA drohte am Donnerstagnachmittag mit einem Boykott der Weltmeisterschaft wegen der Pläne von FIFA-Präsident Gianni Infantino. Kurz darauf meldeten sich auch die Verbände des nord- und mittelamerikanischen Fußballverbands CONCACAF zu Wort und sprachen sich geschlossen gegen das Vorhaben aus.
Die UEFA vereint 55 Mitgliedsverbände, CONCACAF 41. Der FIFA gehören insgesamt 211 Verbände an. Für die Verabschiedung des Plans wäre eine einfache Mehrheit erforderlich.
"Wir führen den Konsultationsprozess fort"
"Unser geplanter Konsultationsprozess wurde durch falsche Medienberichte gestört. Wir werden diesen Prozess fortführen, damit jeder Mitgliedsverband seine Stimme auf Grundlage von Fakten abgeben kann", erklärte die FIFA.
Der am Dienstag vorgestellte Plan könnte nach Angaben des Weltverbands bis zu 4,2 Milliarden Dollar einbringen. Grundlage ist eine Bewertung von 20 Milliarden Dollar für die FIFA Forward Enterprise (FFE), eine kommerzielle Tochtergesellschaft, die künftig Veranstaltungen wie die Weltmeisterschaft organisieren soll.
Wird das Projekt beschlossen, könnten alle 211 FIFA-Mitgliedsverbände Anfang 2027 eine Einmalzahlung von 20 Millionen Dollar erhalten. Zudem würden ihre Mittel für den Zyklus von 2027 bis 2030 von 8 Millionen auf 20 Millionen Dollar steigen.
Nach dem Vorschlag könnten private Investoren Anteile an dem Unternehmen erwerben, blieben aber Minderheitsaktionäre. Geplant ist, bis zu 20 Prozent an externe Investoren zu verkaufen, darunter Joshua Kushner. Sein Bruder Jared ist der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump.
"Die Weltmeisterschaft steht nicht zum Verkauf"
Die UEFA kündigte an, keine ihrer Nationalmannschaften werde an einem FIFA-Wettbewerb teilnehmen, "solange diese Vorschläge bestehen".
"Die Weltmeisterschaft darf nicht wie ein Anlageprodukt behandelt werden. Kein Teil davon darf jemals privaten Investoren überlassen werden. Die Weltmeisterschaft steht nicht zum Verkauf", erklärte der Verband.
FIFA-Präsident Gianni Infantino hatte die Initiative am Mittwoch als "goldene Chance, die weltweite Entwicklung des Spiels zu beschleunigen" bezeichnet.
UEFA-Präsident Aleksander Ceferin erklärte dagegen, für ein solches Modell gebe es im Weltfußball keinen Platz. Er hatte bereits Anfang des Monats das WM-Finale boykottiert, um seinen Unmut über die FIFA zu demonstrieren – noch bevor der aktuelle Streit begonnen hatte.
"Die Zukunft des Fußballs darf nicht von den Erwartungen jener bestimmt werden, deren erste Pflicht darin besteht, die Rendite zu maximieren", sagte Ceferin.
Mehrere große europäische Verbände und Vertreter der Europäischen Union kritisierten den Vorschlag ebenfalls als weiteren Schritt zur Kommerzialisierung des Sports. Sie warnten vor möglichen Interessenkonflikten.
Die EU lobte die UEFA am Donnerstag dafür, "die Integrität des Spiels zu verteidigen".
"Ich bin stolz, Europas Fußballverbände bei Fragen der guten Verbandsführung und beim Festhalten an ihren Prinzipien vorneweg zu sehen", schrieb Sportkommissar Glenn Micallef in einem Beitrag in den sozialen Medien.
"Game over, Gianni"
In ihrer Erklärung bezeichnete die UEFA die Weltmeisterschaft als "eines der größten sportlichen Vermächtnisse des Fußballs". Den Vorschlag nannte sie ein "Versagen der Führung" und sprach von "Führung durch Einschüchterung".
Infantinos riskantes Finanzmanöver könnte nun seine bislang als sicher geltende, elfjährige Präsidentschaft bei der FIFA gefährden. Der Widerstand gegen ihn wächst offenbar bei zahlreichen Akteuren des Weltfußballs, darunter bei drei der sechs Kontinentalverbände.
Die FIFA erklärte zwar, die Konsultationen würden fortgesetzt. In ihrer Mitteilung schien der Weltverband jedoch von der geplanten Gründung einer öffentlich beteiligten Gesellschaft, der sogenannten FIFA Forward Enterprise (FFE), abzurücken, falls nicht alle Mitgliedsverbände zustimmen.
Ohne die Unterstützung aller 211 FIFA-Mitgliedsverbände blieben die kommerziellen Aktivitäten der FIFA unverändert, teilte der Verband mit. "Die FFE würde nicht gegründet."
Die FIFA hat den 18. November als Frist gesetzt, bis zu der mögliche Kandidaten ihre Bewerbungen für die Präsidentschaftswahl der 211 Mitglieder einreichen müssen. Die Abstimmung soll im kommenden März in Rabat in Marokko stattfinden.
Noch vor elf Tagen, nach dem WM-Finale in East Rutherford im US-Bundesstaat New Jersey, schien Infantino einer Wiederwahl ohne Gegenkandidaten für eine vierte und letzte Amtszeit bis 2031 entgegenzusehen. Damals gab es bereits Streit darüber, dass US-Stürmer Folarin Balogun gegen Belgien spielen durfte, obwohl er im vorherigen Spiel eine Rote Karte erhalten hatte.
Nach der Boykottdrohung schrieb die Fanorganisation Football Supporters Europe, die die UEFA unter anderem bei Ticketpreisen berät: "Game over, Gianni #InfantinOUT".
Das nächste FIFA-Turnier in Europa beginnt in wenigen Wochen: Polen richtet ab dem 5. September die Frauen-U20-Weltmeisterschaft aus. Für die Frauen-WM 2035 liegen der FIFA bislang nur Bewerbungen der vier britischen Verbände vor. Die Vergabeentscheidung soll am 23. November fallen.