Die Ölpreise steigen, Aktien und Anleihen geben nach, nachdem US-Präsident Donald Trump Irans Vorschlag zur Wiederöffnung der Straße von Hormus ablehnt und den Aufschwung vom Ende der vergangenen Woche dämpft.
Der Ölpreis ist am Montagmorgen in Europa um mehr als 3 Prozent nach oben gesprungen. Die internationale Referenzsorte Brent kostete zeitweise über 107 Dollar je Barrel. Der Preissprung spiegelt neue Sorgen vor einer Angebotskrise wider, die die Kosten weltweit in die Höhe treibt.
Das geschah, nachdem US-Präsident Donald Trump ein iranisches Angebot für eine siebentägige Waffenruhe zurückgewiesen hatte und damit die Inflationssorgen erneut befeuerte.
Teheran hatte auf der UN-Generalversammlung in der vergangenen Woche vorgeschlagen, die Kampfhandlungen zu stoppen und die Straße von Hormus wieder für den Schiffsverkehr zu öffnen. Dadurch sollte die Versorgungskrise entschärft werden, die weltweit die Preise hochtreibt.
Die Meerenge ist für die weltweite Energieversorgung von zentraler Bedeutung. Auch im Roten Meer haben sich die Risiken für die Schifffahrt erhöht, seit die Huthi-Miliz große Teile der jemenitischen Küste unter ihre Kontrolle gebracht hat, darunter Gebiete nahe der Straße von Bab al-Mandab.
„Ich lehne ihren Vorschlag ab“, sagte der US-Präsident vor Reporterinnen und Reportern vor dem Weißen Haus. Trump erklärte dem Portal Axios jedoch, er rechne damit, dass die Verhandlungen wieder aufgenommen werden.
„Sie wollen ein Abkommen, aber nicht das Abkommen, das ich schließen will“, sagte er der Plattform. „Darüber hätten wir vielleicht vor einem Jahr gesprochen.“
„Sie haben überzogen“, fügte Trump in dem am Sonntag veröffentlichten Interview hinzu. Axios berichtete unter Berufung auf informierte Kreise, dass indirekte Gespräche zwischen Washington und Teheran möglicherweise schon am Montag beginnen.
Trotzdem hält Iran an seinen Bedingungen für eine Öffnung der Straße von Hormus fest. Dazu gehören die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte, die Aufhebung der Ölsanktionen und ein Ende der US-Seeblockade.
Am Freitag waren die Ölpreise nach Bekanntwerden des Angebots noch um mehr als 2 Prozent gefallen. Zu Wochenbeginn drehten sie wieder nach oben. Die US-Sorte WTI legte am Montagmorgen fast 2 Prozent zu und kostete über 94 Dollar je Barrel.
Finanzmärkte: Aktien und Anleihen reagieren auf Inflationssorgen
Die Angst vor Inflation belastet die Aktienmärkte. Zum Handelsauftakt in Europa überwogen rote Vorzeichen.
Der Euro Stoxx 50 lag im frühen Handel rund 0,5 Prozent im Minus, der breitere Stoxx 600 legte dagegen um 0,25 Prozent zu.
Der britische FTSE 100, der französische CAC 40, Italiens FTSE MIB, der deutsche DAX 30, Spaniens IBEX 35 und der niederländische AEX bewegten sich zwischen 0,1 und 0,5 Prozent unter ihren Schlussständen vom Freitag.
Spaniens Leitindex IBEX 35 gab um 0,45 Prozent nach und führte die Verluste an.
In Asien verlor Südkoreas Kospi 2,3 Prozent, nachdem der Handel nach einer längeren Pause wieder aufgenommen wurde.
Japans Leitindex Nikkei 225 bewegte sich kaum und büßte bis kurz vor Handelsschluss weniger als 0,1 Prozent ein.
In Hongkong stieg der Hang Seng um 0,7 Prozent, der Shanghai Composite fiel dagegen um 1,8 Prozent.
An der Wall Street hatte der S&P 500 am Freitag 0,5 Prozent gewonnen und damit eine dreitägige Verlustserie beendet, die von starken Ausschlägen wegen steigender Anleiherenditen geprägt war. Der Dow Jones Industrial Average stieg um 478 Punkte oder 0,9 Prozent, der Nasdaq Composite legte 0,5 Prozent zu.
Am Montagmorgen standen die US-Futures dagegen geschlossen im Minus: Die S&P-500-E-Mini-Futures lagen 0,5 Prozent tiefer, die Nasdaq-100-E-Mini-Futures etwa 1 Prozent.
In der vergangenen Woche drückten steigende Inflationserwartungen in den USA auf die Stimmung. Hohe Teuerung gilt als riskant für die Konjunktur, weil sie Verhaltensmuster begünstigt, die eine Lohn-Preis-Spirale und einen weiteren Anstieg der Lebenshaltungskosten auslösen können.
Die jüngsten Preissteigerungen rücken die US-Notenbank Fed vor ihrer nächsten Sitzung Ende Oktober wieder in den Mittelpunkt. Laut dem FedWatch-Tool der Terminbörse CME liegt die Wahrscheinlichkeit für eine zweite Zinserhöhung in Folge bei über 65 Prozent.
Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe kletterte am Montagmorgen zeitweise über 5,21 Prozent und damit in die Nähe des höchsten Standes seit 2007. Hohe Renditen bremsen die Wirtschaft, weil Kredite für Unternehmen und Verbraucher teurer werden und Anlagen wie Aktien an Attraktivität verlieren.
Seit Beginn des Krieges mit Iran ist die Rendite der zehnjährigen US-Anleihe deutlich gestiegen; damals lag sie noch bei 3,97 Prozent. Zehnjährige japanische Staatsanleihen rentierten zur gleichen Zeit bei 3,095 Prozent.
Im Devisenhandel in Asien stieg der US-Dollar am Montag auf 157,69 japanische Yen nach 157,19 Yen am Freitag. Der Euro kostete 1,1388 Dollar und damit nahezu so viel wie zuletzt mit 1,1393 Dollar.
Auch der Goldpreis gab um mehr als 2 Prozent nach; eine Feinunze wurde bei 4.220 Dollar gehandelt.