Die Herde aus 1.250 Schafen und 160 Ziegen zog vom Casa de Campo los, überquerte die Puente del Rey und bahnte sich ihren Weg durch das historische Zentrum. Glocken klingelten, die Tiere blökten, und dicht gedrängt säumten Bewohnerinnen und Bewohner sowie Touristinnen und Touristen die Straßen, um zuzusehen, Fotos zu machen und dem Zug zu folgen.
Viele Schäferinnen und Schäfer trugen traditionelle Tracht. Andere hielten junge Lämmer im Arm oder verteilten Leckereien an ihre Tiere. Volksmusikerinnen und Volksmusiker sorgten für zusätzliche Feststimmung, während die Herden Plätze und Straßen füllten, die sonst vom Autoverkehr bestimmt sind.
Die Veranstaltung erinnert an die Transhumanz, die jahrhundertealte Wanderweidewirtschaft. Dabei treiben Hirten ihr Vieh zwischen Sommer- und Winterweiden entlang der vías pecuarias, den klassischen Viehtriebwegen. Auf der Plaza de la Villa inszenierten Vertreter der Stadt den traditionellen Obolus von 50 Maravedís pro tausend Tiere, eine symbolische Zeremonie aus dem Jahr 1418.
In diesem Jahr änderten die Organisatoren die Route, um die Puerta del Sol zu umgehen. Dort haben Wohnungsaktivistinnen und -aktivisten ein Protestcamp errichtet, nachdem eine 87-jährige Anwohnerin nach einer Zwangsräumung verstarb.
Das Fest würdigt nicht nur das ländliche Erbe. Es macht auch den ökologischen Nutzen der traditionellen Weidehaltung sichtbar. Indem die Tiere die Vegetation abweiden, reduzieren sie brennbares Unterholz und verringern so die Gefahr von Waldbränden.