Eilmeldung
This content is not available in your region

"14 Tage Quarantäne in einem Raum"

euronews_icons_loading
"14 Tage Quarantäne in einem Raum"
Copyright  EURONEWS
Schriftgrösse Aa Aa

Der 46jährige César Giménez erlitt vor fast 20 Jahren eine Hirnerkrankung - seitdem ist er auf rund die Hälfte seiner Körperfunktionen reduziert.

Ins Krankenhaus ging er wegen Kopfschmerzen.

Der frühere Lehrer lebt im spanischen Malaga. Seinen Alltag meistert er mit Unterstützung von persönlichen Helfern und seiner Familie.

Wenn sein Pfleger am Coronavirus erkrankte, könnten ihn seine Eltern allein nicht in die Dusche setzen, sagt er.

Persönliche Helfer sind nicht in allen europäischen Ländern im Gesundheitswesen als "essenziell" eingestuft. Viele von ihnen verfügen nicht über eine notwendige Schutzausstattung.

Das ist Alice Jorge. Sie lebt in Brüssel. Normalerweise ist sie auf eine Krankenschwester und einen persönlichen Pfleger angewiesen, die sie täglich besuchen.

Nachdem ihr Kreis von Helfern vom Coronavirus infiziert wurde, wird sie nun allein von ihrer Schwester betreut.

Ihre infizierte Krankenschwester sei noch nicht vollständig geheilt, habe aber schon gefragt, ob sie kommen und ihre Schwester entlasten solle, sagt sie.

Die Ausbreitung des Coronavirus könnte indirekt auch Behinderte und Senioren in Mitleidenschaft ziehen.

Ein Beispiel ist Herman Hillen, der in einem Altenheim nahe Antwerpen lebt.

Er leidet zudem an Komplikationen nach einem Beinbruch.

Jemand vom Betreuungspersonal habe sich am Coronavirus angesteckt. Das bedeute für die Heiminsassen 14 Tage Quarantäne in ihrem Raum, sagt er.

Pflegeheime sind wichtig und notwendig - heute und nach dem Ende der Krise.

Man schaffe derzeit zusätzliche Kapazitäten im Gesundheitswesen und bei sozialen Diensten, das dürfe später nicht verloren gehen, sagt Ossie Stuart, ein britischer Sozialexperte.

Die EU-Kommission erklärt, der Europäische Sozialfonds und der Fonds für die Bedürftigen sollten von den EU-Staaten voll genutzt und die vorgesehenen Gelder für Behinderte abgerufen werden.

Derzeit treffen Krankenhäuser weltweit Entscheidungen über Leben und Tod.

Behindertenorganisationen befürchten, dabei die schlechtesten Karten zu haben.

Die Frage sei, ob Behinderte als Menschen angesehen würden, die keine gleichwertige Überlebenschance und daher keinen Zugang zu Notbehandlungen hätten, sagt Frank Sioen vom Europäischen Netzwerk für Selbstbestimmtes Wohnen.

Für Menschen wie Cesar, Alice und Herman kann das Ende der Krise nicht schnell genug kommen.