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Skandal in Neuseeland: 2 Britinnen bringen das Coronavirus zurück

Neuseeland hat zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie strenge Maßnahmen ergriffen.
Neuseeland hat zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie strenge Maßnahmen ergriffen.   -   Copyright  Mark Baker/AP
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Gerade erst hatte sich Neuseeland für Coronavirus-frei erklärt, da muss Regierungschefin Jacinda Ardern erneut vor die Öffentlichkeit treten und von einem "inakzeptablen Fehler des Systems" berichten.

Zwei Frauen, die zuvor aus Großbritannien eingereist waren, sind positiv auf das Virus getestet worden. Sie waren nach ihrer Ankunft am Flughafen in einer Quarantäne-Einrichtung untergebracht worden. Wenig später durften sie mit einer Sondererlaubnis zum Begräbnis ihrer Eltern von Auckland nach Wellington fahren.

Anschließend wurden die beiden Frauen, die nach Angaben von Ardern die neuseeländische Staatsbürgerschaft besitzen, positiv auf das Virus getestet.

"Das hätte niemals passieren dürfen und darf sich nicht wiederholen", so die Regierungschefin.

Strenges Protokoll nach Einreise nach Neuseeland

Für Neuseeländer, die zurück auf die Insel kommen, gelten derzeit strenge Regeln. Sie müssen sich in eine vom Staat kontrollierte Isolationseinrichtung begeben und werden einmal am 3. Tag nach der Einreise und ein weiteres Mal nach 12 Tagen auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet.

Das sei in diesem Fall nicht passiert, erklärte Ardern. Die Ausnahmen, um sich von Familienmitgliedern und anderen nahe stehenden Personen zu verabschieden, genannt "compassionate exemption" wurden daher vorerst eingestellt.

Neuseeländer sind enttäuscht

Gerade nach dem Stolz, der mit dem Stop der Ausbreitung der und dem professionellen Umgang mit der Pandemie einherging, sind Neuseeländer angesichts der Entwicklungen enttäuscht. Die Regierung habe vor diesem Fall gewarnt, sagt Neuseeländerin Jennifer Burke aus Wellington gegenüber Euronews.

Neuseeländer sind enttäuscht und besorgt darüber, wie die Dinge an der Grenze gehandhabt werden
Jennifer Burke
Neuseeländerin aus Wellington

Allerdings liege die Schuld nicht bei den beiden Frauen, die mit Sondergenehmigung zur Beerdigung eines Elternteils fahren durften, so Burke im Einklang mit der Meinung Arderns.

"Es wurden aber nicht die richtigen Verfahren ergriffen, um sicherzustellen, dass sie reisefähig waren. Ich glaube, Neuseeländer sind enttäuscht und besorgt darüber, wie die Dinge an der Grenze gehandhabt werden. Wir sind erleichtert, Alarmstufe eins erreicht zu haben und sind stolz auf unsere Anstrengungen als Nation, unsere Wachsamkeit darf jetzt nicht nachlassen", so die 32-Jährige.

320 mögliche enge Kontaktpersonen

Medienberichten zufolge waren die Frauen angewiesen worden, ihr Fahrzeug nicht zu verlassen - auch während des Begräbnisses nicht - und im Ausnahmefall entsprechende medizinische Schutzausrüstung zu tragen.

Michael Woodhouse, Abgeordneter im Parlament erklärte, die beiden Frauen hätten jemandem nach dem Weg gefragt und ihn zum Dank geküsst und umarmt. Der ehemalige Polizeikommissar Mike Bush erklärte, diesen Berichten werde nachgegangen.

320 Menschen wurden als potentielle Kontaktpersonen der beiden Frauen ausgemacht, die meisten von ihnen andere Quarantäne-Bewohner in dem Hotel, in dem die Frauen untergebracht sind.

Auch nach Menschen, die am Flughafen oder im Flugzeug mit den beiden Frauen in Kontakt waren, werden derzeit von Behörden ermittelt.

Militär überwacht Quarantäne

Ardern entschied, dass die Einreise von nun an von der New Zealand Defence Force (NZDF) überwacht werden soll. Es werde alles getan, um die Grenzen zu kontrollieren, versicherte Ardern.

Zwei Jugendliche "flüchten" aus Quarantäne

Für Aufsehen sorgte zudem der Fall von zwei jugendlichen Australierinnen, die die Quarantäne ebenfalls für den Besuch einer Beerdigung verlassen durften.

Doch anstatt mit anderen Familienmitgliedern zurück in das Pullmann-Hotel zu kommen, in dem sie zu Quarantänezwecken untergebracht waren, flüchteten die beiden 8 und 19 Jahre alten Frauen.

Bush sagte, nicht nur die beiden Frauen, sondern insgesamt sechs Angehörige der Familie seien geflohen, fünf befinden sich wieder in Isolation. Die 19-Jährige hat sich bei Angehörigen in Quarantäne begeben.

Die beiden Mädchen wurden mittlerweile negativ auf das Virus getestet wurden. Sie seien "keine Gefahr für andere", so der ehemalige Polizeidirektor.