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State of the Union: Warum Frauen besonders unter der Pandemie leiden

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State of the Union: Warum Frauen besonders unter der Pandemie leiden
Copyright  CRISTINA QUICLER/AFP
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In dieser Woche war es genau ein Jahr her, dass das Coronavirus zu einer globalen Pandemie erklärt wurde. Vor einem Jahr gab es ungefähr 120.000 bestätigte Infektionen und mehr als 4000 Todesfälle.

Ein Jahr später haben wir fast 120 Millionen Fälle und 2,6 Millionen Tote weltweit. Gesundheitsexperten sehen das Virus heute weitgehend unter Kontrolle, doch sagen sie auch, dass die Pandemie nicht vor Jahresende vorbei sein wird.

Die Pandemie hat das Leben und die Lebendsgrundlagen aller Menschen in Europa verändert. Eine Gruppe, die besonders hart getroffen ist, sind Frauen - woran uns der Internationale Frauentag diese Woche noch einmal erinnert hat.

In Brüssel rief das Europäische Kommittee der Regionen, die Vertretung der regionalen und lokalen Vertretungen, zum Handeln auf, denn die Pandemie hat die soziale Ungleichheit zwischen Männern und Frauen nur noch verschärft.

Dazu das folgende Interview mit Apostolos Tzitzikostas, dem Präsidenten des Kommittees der Regionen.

Euronews: Frauen sind überproportional von der Pandemie betroffen, als Krankenhauspersonal und als unbezahlte Pflegerinnnen zu Hause; viele Frauen verloren ihen Jobs; wir haben einen Anstieg der häuslichen Gewalt gegen Frauen gesehen und einen eingeschränkten Zugang zu Hilfsstrukturen. Wie können diese Trends gestoppt werden, nachdem die Pandemie vorbei ist?

Tzitzikostas: Wir brauchen einen geschlechter-orientierten Ansatz bei den EU-Hilfspaketen. Dabei sollten wir auf die erfolgreichen Erfahrungen des EU-Kohäsionsfonds bauen. Diese erlauben es nämlich, Städten und Regionen in die Beschäftigung von Frauen auf den Arbeitsmärkten zu investieren und Frauen in Forschung und Innovation zu fördern.

Euronews: Reden wir über die Unterrepräsentation von Frauen in der Politik. Der Anteil von Frauen im Europäischen Parlament liegt bei knapp unter 40 Prozent, das ist mehr als der Durchschnitt auf der Welt und in Europa. Eine wachsende Zahl von nationalen Parlamenten in der EU hat in etwa Parität, doch auf regionaler Ebene sind die Zahlen viel schlechter. Gibt es nicht genug weibliche Kandidaten oder werden diese nicht genug von den Wählern unterstützt?

Tzitzikostas: Wähler unterstützen Kandidaten nicht auf der Geschlechter-Basis, sondern sie unterstützen denjenigen der am besten ihre Interessen verteidigt. Dennoch: Wenn es nicht genug weibliche Kandidaten gibt, dann werden diese auch weniger unterstützt. Deswegen müssen wir mehr Frauen finden, die sich für Ämter bewerben. Es ist also ein Teufelskreis, den wir durchbrechen müssen.

Euronews: Welche Hindernisse türmen sich vor Politikerinnen auf - sind diese überall in Europa dieselben?

Tzitzikostas: Einige der größten Hindernisse sind wohl das Fehlen von Vorbildern, die etablierte Dynamik innerhalb politischer Parteien, die vielfach immer noch als Männer-Clubs gelten, fälschlicherweise. Dann gibt es das Problem von Gewalt gegen gewählte Politikerinnen, die die Entscheidung von Frauen, in die Politik zu gehen, ebenfalls beeinflusst. Dies muss ernst genommen und angegangen werden. Vor allem die Online-Einschüchterung auf sozialen Medien wird immer mehr zu einem Problem. Alle diese Dinge müssen überall in der EU angegangen werden.