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OECD: Nach Corona der Wachstumsschub, Politik gefordert

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OECD: Nach Corona der Wachstumsschub, Politik gefordert
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Nach dem coronabedingten Einbruch im vergangenen Jahr wächst die Weltwirtschaft wieder kräftig. Erwartet wird im laufenden Jahr ein Plus von 5,8 Prozent, 0,2 Punkte mehr als im März angenommen, so die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Paris. Im vergangenen Jahr war die Weltwirtschaft um 3,5 Prozent geschrumpft.

Ein so starkes Wachstum habe es seit 1973 nicht mehr gegeben, betonte Chefökonomin Laurence Boone. Für das kommende Jahr nimmt sie ein weltweites Plus von 4,4 Prozent an. Das sind 0,4 Punkte mehr als bisher prognostiziert. «Die Krise und die Erholung sind völlig außergewöhnlich», sagte sie.

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Eine etwas schwächere Erholung wartet denach auf den Euroraum, nach einem stärkeren Einbruch: Plus 4,3 und 4,4 Prozent in diesem und im kommenden Jahr, nach minus 6,7 Prozent im Jahr 2020.

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Aber nicht übermütig werden: Die OECD gab zu bedenken, dass die Erholung ungleichmäßig ausfällt und der Lebensstandard in vielen Industrieländern immer noch weit unter dem vor der Pandemie erwarteten Niveau liegen wird.

Laurence Boone, OECD-Chefökonomin:

“Wenn die Politik so weitermacht, wird der Euroraum etwa ein Jahr länger brauchen als die USA, bis das Niveau vor der Pandemie wieder erreicht ist. Die Politik spielt immer noch eine große Rolle. Es gab ja diese Notphase der Krise, in der alle sehr starke Unterstützung bekamen, und ich meine, das war angemessen. Jetzt sind wir in einer Art Übergangsphase, also muss sich die Politik auf eine gezieltere Unterstützung und auch auf Investitionen verlagern.“

Sasha Vakulina, Euronews:

„Wie kann sichergestellt werden, dass nach einer so außergewöhnlichen Krise wie der Covid-19 diese Erholung und dieses Wachstum stärker sozial und menschlich ausgerichtet werden?“

Die Regierungen müssen ihre Haushaltspolitik aufmöbeln
Laurence Boone
OECD-Chefökonomin

Laurence Boone, OECD-Chefökonomin:

„Jetzt muss der Übergang auch sehr außergewöhnlich sein. Es geht darum, Menschen und Unternehmen zu helfen, deren Aktivität weiter beeinträchtigt ist, aber es geht auch um hochwertige Investitionen – die Regierungen müssen sich darauf einstellen. Und Gesundheits- und Bildungssysteme verbessern. Sie müssen aber auch in das Klima und in die Digitalisierung investieren. Das ist eine große Herausforderung für die Regierungen, und sie müssen ihre Haushaltspolitik aufmöbeln und wirklich überarbeiten, um sicherzustellen, dass sie mit all den Herausforderungen in Zukunft fertigwerden.“

"SCHNELLER IMPFEN"

Die Corona-Krise sei aber noch nicht überwunden, warnte Boone. Die Pandemie bringe Unsicherheiten mit sich. Die Europäer müssten schneller und breiter angelegt impfen – dabei schloss sie das Nicht-EU-Land Großbritannien mit ein. Der Aufschwung verlaufe weltweit ungleichmäßig. Es sei beunruhigend, dass aufstrebende Wirtschaftsnationen und ärmere Länder nicht ausreichend Impfstoffe erhielten. Ein Risiko sei auch die Inflationsentwicklung.

DEUTSCHLAND

Auch in Deutschland hellt sich demnach der Konjunkturhorizont auf. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte im laufenden Jahr 3,3 Prozent Plus erreichen. Das sind 0,3 Punkte mehr als bisher prognostiziert. Für das kommende Jahr werden 4,4 Prozent erwartet, 0,7 Punkte mehr als zunächst angenommen.

NEUER OECD-GENERAL

Die OECD mit 38 Mitgliedstaaten dürfte während ihres zweitägigen Ministertreffens per Videokonferenz auch Australiens Ex-Finanzminister Mathias Cormann (50) offiziell zum neuen OECD-Generalsekretär ernennen - er kommt aus dem deutschsprachigen Osten Belgiens. Der Mexikaner Angel Gurría amtierte seit 2006.

GLOBALE STEUERREFORM

Im Tauziehen um eine globale Steuerreform mit Mindestsätzen für große Konzerne ist laut Gurría eine weitere Verzögerung möglich. Eine abschließende Vereinbarung könnte sich bis Oktober hinziehen. Der Gipfel der großen Industrie- und Schwellenländer (G20), der Ende Oktober in Rom geplant ist, solle die endgültige Abmachung dann gutheißen. «Wir haben einen Deal in Sicht. Hoffentlich wird es dieses Jahr passieren», sagte Gurría.

Die Mindeststeuer für international tätige Unternehmen soll dem globalen Wettrennen um den niedrigsten Steuersatz ein Ende setzen.

Sasha Vakulina, su mit dpa