Die Ukraine überprüft Starlink-Terminals, nachdem Russland sie für Drohnen nutzte – Elon Musk reagierte sofort auf Kyjiws Aufforderung, die Nutzung zu stoppen.
SpaceX von Elon Musk hat erste Schritte unternommen, um Russland daran zu hindern, sein Satelliten-Internet Starlink zur Steuerung und Kontrolle von Angriffsdrohnen über der Ukraine zu nutzen. Kyjiw lobte diese Maßnahmen als "echte Ergebnisse".
In den vergangenen Tagen hatte sich das ukrainische Verteidigungsministerium an SpaceX gewandt und das Unternehmen aufgefordert, russische Drohnen von der Nutzung von Starlink auszuschließen, wie Euronews berichtete. Verteidigungsminister Mykhailo Fedorov erklärte, das Satellitensystem ermögliche es russischen Drohnen, weiter und sicherer über ukrainischem Gebiet zu operieren und sogar Abfangmaßnahmen zu umgehen.
"Russische Drohnen, die mit Starlink-Terminals ausgestattet sind, sind schwer abzuschießen. Sie fliegen in geringer Höhe, sind widerstandsfähig gegen elektronische Kriegsführung und werden von ihren Bedienern in Echtzeit gesteuert – auch über große Entfernungen", sagte Fedorov. "Dank der ersten Schritte, die in den letzten Tagen unternommen wurden, ist kein Ukrainer durch russische Drohnen mit Starlink getötet worden – und das ist unbezahlbar."
SpaceX reagierte rasch. Elon Musk schrieb auf X, dass die Bemühungen des Unternehmens, die "unautorisierte" Nutzung von Starlink durch Russland zu unterbinden, offenbar erfolgreich seien. In einem öffentlichen Austausch mit Fedorov fügte er hinzu: "Lassen Sie uns wissen, ob noch mehr getan werden muss."
Russische Nutzung von Starlink
In einem Social-Media-Beitrag vom Februar 2024 erklärte SpaceX, Starlink weder nach Russland zu verkaufen noch dorthin zu liefern und keinerlei Geschäfte mit der russischen Regierung oder dem Militär zu machen. Nach Angaben des ukrainischen Militärs und von Kyjiwer Beamten sollen russische Truppen dennoch Starlink-Systeme an Angriffsdrohnen montiert haben, um tiefer in ukrainisches Territorium vorzudringen.
Ukrainische Beamte erklärten, sie hätten Beweise für "Hunderte" von Angriffen durch mit Starlink ausgerüstete Drohnen gesammelt. Diese Technik habe es den russischen Bedienern ermöglicht, die ukrainische elektronische Abwehr zu umgehen, die Drohnen üblicherweise durch Störung von GPS- und Funksignalen außer Gefecht setzt.
Nach Angaben von Serhii Beskrestnov, Berater des ukrainischen Verteidigungsministeriums, handelte es sich bei dem jüngsten Angriff auf einen Personenzug in der Region Charkiw um von Starlink gesteuerte russische Drohnen.
Auch die US-Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) berichtet, dass russische Streitkräfte zunehmend auf Starlink zurückgreifen, um die Reichweite ihrer Kampfdrohnen zu erhöhen und deren Widerstandsfähigkeit gegen ukrainische elektronische Kriegsführung zu verbessern. So bringe die Reichweite der mit Starlink ausgestatteten BM-35-Drohnen von bis zu 500 Kilometern große Teile der Ukraine, ganz Moldawien sowie Teile Polens, Rumäniens und Litauens in Reichweite, wenn die Drohnen von Russland oder aus besetzten Gebieten gestartet würden.
Laut ISW sollen ab September 2024 Starlink-ausgerüstete Shahed-Langstreckendrohnen und ab Dezember 2025 von Rubikon entwickelte Molniya-Drohnen mit Starlink-Systemen zum Einsatz kommen.
Entscheidende Rolle von Starlink für das ukrainische Militär
Musk hatte den Starlink-Dienst über der Ukraine erstmals 2022 aktiviert, nachdem Kiew kurz nach Beginn der russischen Invasion um Unterstützung gebeten hatte. Seitdem hat die Ukraine mehr als 50.000 Starlink-Terminals erhalten.
Die ukrainischen Streitkräfte sind an der Front stark auf Starlink angewiesen. Viele militärische Befehlshaber bevorzugen das Satelliteninternet gegenüber herkömmlicher Funkkommunikation, da es als sicherer gilt und eine zuverlässige Verbindung zu weit entfernten Einheiten ermöglicht.
Angesichts der Berichte über die unerlaubte Nutzung von Starlink durch russische Streitkräfte kündigte Fedorov eine Überprüfung aller Starlink-Terminals in der Ukraine an. "Die Regierung hat beschlossen, eine ‚Whitelist‘ für Starlink-Terminals einzuführen. Künftig werden nur noch überprüfte und registrierte Geräte in der Ukraine betrieben. Alle anderen werden abgeschaltet", sagte er am Montag. Der Prozess erfolge in Zusammenarbeit mit SpaceX.
"Dank der Whitelist sichern wir eine stabile Kommunikation für die Ukrainer, erhöhen die Sicherheit und entziehen dem Feind technologische Vorteile. Das ist ein notwendiger Schritt, um Menschenleben und unsere Energieinfrastruktur zu schützen."
Diplomatie auf X
Bis Januar war Fedorov stellvertretender Premierminister und Minister für digitale Transformation. Er galt als treibende Kraft hinter der Strategie eines "Staates im Smartphone", die auf den Abbau von Bürokratie abzielte. Seit der Einführung der Diia-App im Jahr 2020 sind zahlreiche staatliche Dienstleistungen digital verfügbar.
Seit Beginn der russischen Invasion ist sein Ministerium zudem maßgeblich an der Entwicklung von Drohnen, an Bildungsreformen sowie an der Vernetzung von ziviler und militärischer Technologie beteiligt.
Fedorov wandte sich seit Kriegsbeginn wiederholt öffentlich und privat an Musk. Bereits 2022 reagierte dieser schnell auf Fedorovs Bitte um Unterstützung, als der ukrainische Minister Musk zwei Tage nach Beginn der Invasion auf X markierte.
"Während Sie versuchen, den Mars zu kolonisieren, versucht Russland, die Ukraine zu besetzen. Während Ihre Raketen sicher aus dem All landen, greifen russische Raketen ukrainische Zivilisten an", schrieb Fedorov damals. Musk antwortete nur Stunden später: "Der Starlink-Dienst ist jetzt in der Ukraine aktiv. Weitere Terminals sind unterwegs."
Seither blieben beide in Kontakt, was in Moskau wiederholt für Verärgerung und Drohungen sorgte. Nach Musks Ankündigung, die russische Nutzung von Starlink einzuschränken, forderten kremlnahe Medien sogar Angriffe auf Musks Satelliten im Weltraum.
Einem AP-Bericht vom Dezember 2025 zufolge soll Russland an Anti-Satellitenwaffen arbeiten, die Starlink durch Trümmerfelder in den Umlaufbahnen angreifen könnten. Westliche Geheimdienste gehen davon aus, dass Moskau damit den technologischen Vorsprung westlicher Staaten im All – insbesondere die Unterstützung der Ukraine durch Starlink – begrenzen will.