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Studie: Tödliche Schlangen rücken in Wohngebiete vor

Leuchtend bunte Korallenschlange zwischen Herbstlaub im brasilianischen Amazonas-Regenwald.
Leuchtende Korallenschlange zwischen herabgefallenen Blättern im brasilianischen Amazonaswald. Copyright  Gabriel Rondina/ Pexels
Copyright Gabriel Rondina/ Pexels
Von Indrabati Lahiri
Zuerst veröffentlicht am
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Hochgiftige Schlangenarten wie die Wassermokassinotter in Nordamerika, Krait-Arten in Asien und die Schwarze Mamba in Afrika dringen durch höhere Temperaturen und zunehmende Besiedlung immer öfter in neue Lebensräume vor.

Wärmeres Wetter könnte weltweit das Risiko von Schlangenbissen erhöhen, denn Schlangen suchen neue Lebensräume, wie eine neue Studie zeigt.

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Die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geleitete Untersuchung ist am Donnerstag im Fachjournal PLOS Neglected Tropical Diseases erschienen.

Demnach dürften sich mehr Schlangen in Richtung dicht besiedelter Gebiete bewegen – und in Regionen, in denen Menschen bisher kaum mit giftigen Reptilien zu tun hatten. Sie versuchen so, der zunehmenden Hitze und der Verdrängung ihrer Lebensräume durch den Menschen zu entkommen.

Dadurch könnte es deutlich mehr Begegnungen zwischen Menschen und Schlangen geben – mit mehr Schlangenbissen und mehr getöteten Tieren.

Zahlen zu Schlangenbissen sind oft unklar und schwer zugänglich. Fest steht aber: Die meisten Fälle treten in den Tropen auf, besonders in Südasien. Nach Angaben der Autorinnen und Autoren gibt es rund vier Millionen neue Fälle pro Jahr.

Bisher kannten Forschende die Risiken vor allem auf lokaler und nationaler Ebene. Wie sich diese Gefahren durch Bevölkerungswachstum und den Klimawandel künftig verschieben könnten, war jedoch kaum absehbar.

Die neue Studie wertet deshalb eine große Bandbreite privater und öffentlicher Datenbanken, Museumsbestände, Fachliteratur und Bürgerforschungsplattformen aus. So lässt sich viel genauer bestimmen, wo heute die giftigsten Schlangenarten vorkommen. Auf dieser Grundlage berechnet das Team, wie sich ihre Verbreitungsgebiete bis 2050 und 2090 durch höhere Temperaturen verändern könnten.

Welche Arten könnten ihren Lebensraum verlagern?

Mehrere Schlangenarten dürften in den nächsten Jahren gezwungen sein, neue Lebensräume zu suchen – wegen veränderter Landschaften und wegen des Klimadrucks.

Dazu zählen nordamerikanische Wassermokassins (Cottonmouth), afrikanische Speikobras sowie Vipern in Südamerika und Europa, außerdem Kraits in Asien. Einige dieser tödlichsten Arten könnten sich in dicht besiedelte Räume ausbreiten. Dadurch wären potenziell Milliarden Menschen einem höheren Risiko ausgesetzt, von einer Schlange gebissen zu werden.

Zugleich trifft der Klimawandel viele Schlangenarten selbst besonders hart.

Das gilt voraussichtlich vor allem für Korallenschlangen im Amazonasgebiet, Puffottern in Afrika und Copperheads in Papua-Neuguinea. Sie bekommen sowohl extreme Hitze als auch den Verlust von Feuchtgebieten, Grasland und Wäldern zu spüren, die in Monokulturen, Rinderfarmen oder Städte umgewandelt werden. In extremen Fällen könnten manche Arten dadurch an den Rand des Aussterbens geraten.

Andere Arten wie die Schwarze Mamba werden sich der Studie zufolge eher verlagern: von der kenianischen Küste und Gebieten in Eritrea, Äthiopien, Dschibuti und Kongo in Teile Nigerias, Südafrikas und Somalias.

In dicht besiedelten Regionen könnten Schlangenbegegnungen in stark frequentierten Bereichen des Alltags häufiger werden – etwa auf Spielplätzen, Laufstrecken, an Wasserstellen und auf landwirtschaftlichen Flächen.

In Indien zum Beispiel könnten einige der gefährlichsten Arten – darunter Russells Vipern, Kobra-Arten und Kraits – aus dem Süden in den deutlich dichter besiedelten Norden wandern. Ähnlich könnten Kraits in Asien ihre Habitate von der chinesischen Provinz Yunnan und den Wäldern Myanmars in dichter bewohnte Städte im Norden und Zentrum verlagern.

Besonders tödlich dürfte diese Entwicklung in ärmeren ländlichen Regionen werden. Dort arbeiten viele Landwirtinnen und Landwirte barfuß auf den Feldern, und medizinische Hilfe ist weit entfernt und schwer erreichbar.

Wie können sich Behörden und Bevölkerung vorbereiten?

Die Studie soll Gesundheitsbehörden helfen, ihre Ressourcen gezielter einzusetzen – etwa beim Aufbau von Vorräten an Gegengift – und zugleich die Gesundheitsversorgung in abgelegenen Gemeinschaften zu verbessern. Der Schutz von Schlangen, vor allem gefährdeten Arten, bleibt dennoch ein wichtiges Ziel.

„Menschen sollten ihre Umgebung stets bewusst wahrnehmen und auf Veränderungen achten. Bei Tieren wie Giftschlangen, die ein Risiko für die Gesundheit darstellen können, sind aktive Vorbeugung und die Vermeidung von Gefahrensituationen besonders wichtig“, sagte David Williams, einer der Autoren der Studie.

Er ergänzte: „Dazu gehört, geschlossenes, festes Schuhwerk zu tragen, genau hinzusehen, wohin wir Hände und Füße setzen, draußen im Dunkeln eine Lichtquelle zu benutzen, Tiere wie Schlangen nicht zu stören, sondern ihnen Zeit zu geben, die Umgebung zu verlassen – und zu wissen, was im Notfall zu tun ist.“

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