Coopla Green ist eine Genossenschaft ehemaliger Beschäftigter eines Herstellers von Einweg-Plastikgeschirr. Nach der Schließung des Werks im Jahr 2023 übernahmen sie den Betrieb und starteten die Produktion neu – ein Beispiel für ein sogenanntes Worker-Buy-out.
Im ehemaligen Werk des Unternehmens Dopla im süditalienischen Manfredonia ist die Produktion wieder angelaufen. Möglich macht das die neue Genossenschaft Coopla Green. Nachdem im August 2023 insgesamt 67 Beschäftigte entlassen worden waren, beschlossen einige frühere Mitarbeitende, das Werk selbst zu übernehmen und neu zu starten. Ziel ist es, Arbeitsplätze und industrielles Know-how in der Region zu erhalten.
Das auf Einweggeschirr spezialisierte Unternehmen hatte nach Einführung der EU-Regelung "Single Use Plastic" im Jahr 2021 schließen müssen. Die Vorschriften verbieten den Verkauf bestimmter Einwegartikel aus Kunststoff.
"Heute feiern wir nicht nur eine Wiedereröffnung, sondern einen Neubeginn", sagte Giovanni Guerra, Präsident von Coopla Green. "Wir haben beschlossen, in uns selbst und in unsere Region zu investieren."
Die neue Genossenschaft will künftig Einwegprodukte aus Kunststoff und zertifizierter Bioplastik herstellen. Dabei setzt das Unternehmen auf recycelte, recycelbare und kompostierbare Materialien nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft. "Viele Maschinen und Produktionslinien können weiter genutzt werden, auch für kompostierbare Materialien", erklärte Geschäftsführer Matteo Robustelli. Dafür seien jedoch Anpassungen an neue Technologien und Rohstoffe nötig.
Worker-Buy-out: Wenn Beschäftigte selbst Unternehmer werden
In Mittel- und Süditalien sind sogenannte Worker-Buy-outs – also die Übernahme kriselnder Unternehmen durch die Beschäftigten selbst – bislang noch eher selten. Auch das Projekt Coopla Green startete unter schwierigen Bedingungen.
Probleme rund um Eigentumsfragen und die Verfügbarkeit der Produktionsanlagen erschwerten den Neustart. Unterstützt durch externe Partner und den Einsatz der ehemaligen Beschäftigten konnte die Produktion dennoch wieder aufgenommen werden. "Die Wiedereröffnung der Werke in Manfredonia ist ein außergewöhnlicher Erfolg", sagte Carmelo Rollo, Präsident von Legacoop Puglia. "Dieses Beispiel zeigt, dass Worker-Buy-outs Arbeitsplätze, industrielles Know-how und Würde schützen können – und gleichzeitig den Übergang zu nachhaltigeren Produktionsmodellen unterstützen."
Für das Projekt entwickelte Legacoop Puglia gemeinsam mit Scs Consulting einen Industrieplan. Finanziert wurde das Vorhaben unter anderem durch Coopfond, Fin4Coop, Banca Etica und die Bank MPS. Die Beschäftigten investierten zudem ihre Arbeitslosenunterstützung aus der sogenannten Naspi-Leistung in den Neustart des Werks.
Damit wollten sie auch die öffentliche Hand davon überzeugen, das Projekt zu unterstützen. Weitere Hilfe kam von der Genossenschaftsorganisation CFI, die Produktions- und Arbeitsgenossenschaften finanziert und begleitet. Der Fonds stellte eine zinsfreie Finanzierung mit einer Laufzeit von sieben Jahren bereit. "CFI ist auch als Finanzpartner eingestiegen und hat der Genossenschaft ein Darlehen zugesagt", erklärte Geschäftsführer Matteo Robustelli. Zudem habe der Fonds eine langfristige Beteiligung übernommen, um der Genossenschaft finanziellen Spielraum zu verschaffen.
Chance für Manfredonia und Apulien
Coopla Green ist inzwischen als Genossenschaft in Form einer Aktiengesellschaft registriert und verfügt über ein Stammkapital von 650.000 Euro. Mit dem Neustart der Produktion gewinnt die Region Manfredonia nicht nur einen wichtigen Industriestandort zurück. Das Projekt gilt auch als Symbol für einen neuen Ansatz, der soziale Verantwortung, Innovation und ökologische Nachhaltigkeit verbinden soll.
"Ganz Apulien ist stolz auf diese Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer", sagte der Präsident der Region Apulien, Antonio Decaro, bei der Einweihung. "Mit Entschlossenheit und Mut haben sie ihr Unternehmen selbst übernommen und ihre Arbeitsplätze gesichert."
Decaro betonte zudem, dass die Beschäftigten die ökologische Transformation nicht als Belastung, sondern als Chance betrachteten. Die neuen Produkte sollen stärker auf Umwelt- und Klimaschutz ausgerichtet sein und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens sichern. "Dieses Projekt zeigt, dass vieles möglich ist, wenn Menschen den Mut haben, daran zu glauben", sagte Decaro.