Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Nach langem Kampf vor Gericht: 25jährige Spanierin stirbt durch Sterbehilfe

Archivbild: Demonstration gegen Sterbehilfe vor dem Parlament in Madrid, 18. März 2021
Archivbild: Demonstration gegen Sterbehilfe vor dem Parlament in Madrid, 18. März 2021 Copyright  Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved
Copyright Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved
Von Rafael Salido mit AP
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Der assistierte Suizid von Noelia Castillo nach einem langen Rechtsstreit mit ihrer Familie um Sterbehilfe hat die Debatte über das Euthanasiegesetz in Spanien wieder angeheizt.

Die 25-jährige Noelia Castillo ist am Donnerstag in einem Pflegeheim in Barcelona durch eine tödliche Injektion gestorben, nachdem sie sich in einem langwierigen Streit vor Gericht den Anspruch auf Sterbehilfe erkämpft hatte.

WERBUNG
WERBUNG

Castillo, die in schwierigen Familienverhältnissen und Jugendeinrichtungen aufgewachsen war, hatte laut Medienberichten 2022 nach einer Gruppenvergewaltigung durch Minderjährige einen Selbstmordversuch mit einem Sprung aus dem fünften Stock unternommen, war seitdem querschnittsgelähmt und litt unter Schmerzen und psychischen Problemen.

2024 beantragte sie Sterbehilfe, die von den zuständigen Behörden genehmigt wurde. Ihr Vater versuchte seitdem, gerichtlich den Vollzug zu verhindern. Doch mehrere Gerichte, zuletzt der Oberste Gerichtshof, wiesen seinen Einspruch zurück. Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte lehnte es in diesem Monat ab, zu intervenieren. Kern der juristischen Auseinandersetzung war, ob Noelia wirklich entscheidungsfähig war.

Seit 2024 wurde der Fall in Spanien aufmerksam verfolgt. Ein medizinischer und juristischer Ausschuss in Katalonien genehmigte Noelias Antrag damals mit der Begründung, sie leide an einer schweren und unheilbaren Krankheit, die schweres und chronisches Leiden mit sich bringe. Ihr Vater machte hingegen geltend, dass die psychischen Probleme seiner Tochter sie daran hinderten, eine freie und informierte Entscheidung zu treffen.

Die Gerichte entschieden aber stets zugunsten seiner Tochter.

In einem Fernsehinterview, das am Vorabend ihres Todes ausgestrahlt wurde, erklärte Noelia Castillo, dass sie "Frieden" suche und sich unverstanden fühle. "Ich habe es endlich geschafft, also lass uns sehen, ob ich endlich zur Ruhe komme", sagte sie. "Ich kann nicht mehr weitermachen."

Die Familie wurde von dem konservativen katholischen Verband Christlicher Anwälte vertreten. Deren Vorsitzende Polonia Castellanos beklagte den Ausgang des Falls und bemängelte, der Staat habe die junge Frau im Stich gelassen: "Der Tod ist die letzte Option, besonders wenn man sehr jung ist."

Sie bezeichnete den Fall als Beweis für das "Versagen" des Gesetzes, das 2021 in Kraft trat. Auch die katholische Kirche beklagte "institutionelles Versagen". Die spanische Bischofskonferenz erklärte, in dem Fall wären Aufmerksamkeit, Behandlung und Hoffnung erforderlich gewesen, nicht der Tod als Lösung.

Spanien hat Euthanasie und ärztlich assistierten Suizid für Erwachsene mit unheilbaren Krankheiten oder dauerhaftem und unerträglichem Leiden im Jahr 2021 in einem gesetzlichen Rahmen zugelassen, der medizinische Bewertungen und strenge Garantien erfordert.

Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes haben offiziellen Angaben zufolge mehr als 1.100 Menschen von diesem Recht Gebrauch gemacht.

Vor ihrem Tod verteidigte Noelia Castillo ihre Entscheidung gegen den Widerstand ihrer Familie. "Das Glück eines Vaters oder einer Mutter sollte nicht vor dem Glück einer Tochter stehen", sagte sie.

Ihr assistierter Tod hat in Spanien die Debatte über das unter der sozialistischen Regierung eingeführte Gesetz, Ethik, psychische Gesundheit und die Grenzen des Rechts auf freie Selbstbestimmung neu entfacht.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Sterbehilfe bei Depressionen? Was hinter Macrons Gesetzentwurf steckt

Sterbehilfe in der EU: Die unterschiedlichen Auffassungen von Euthanasie

Spanien legalisiert aktive Sterbehilfe