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Munition statt Autoteile - Warum Aktivisten gegen eine Fabrik in Berlin demonstrieren

Symbolbild, Fertigung von Artillerie-Munition, Unterlüß, Deutschland, 27. August 2025
Symbolbild, Fertigung von Artillerie-Munition, Unterlüß, Deutschland, 27. August 2025 Copyright  Copyright 2024 The Associated Press. All rights reserved
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Von Laura Fleischmann
Zuerst veröffentlicht am
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Die deutsche Rüstungsindustrie wächst, eine Fabrik im Berliner Innenstadtbezirk Wedding hat bisher Autoteile produziert. Nun will sie Teile für Munition herstellen. Aktivisten sehen das als Gefahr für ihren Stadtteil.

Munition made in Berlin – mitten im Stadtbezirk Wedding will der Rüstungskonzern Rheinmetall Munitionskomponenten herstellen. Lange wurden hier Autoteile produziert. Rund 350 Fabrikarbeiter sind hier angestellt. Doch Stück für Stück stellt Rheinmetall das Werk um. Zum Teil hat die militärische Fertigung schon begonnen. "Zeitnah" sei es vollständig einsatzbereit, erklärt Rheinmetall Euronews.

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Doch wenn es nach Aktivisten wie Möwe geht, ist es mit der Munitionsproduktion bald wieder vorbei. Ihren echten Namen will Möwe nicht nennen. "Am Ende läuft es darauf hinaus, dass bei uns im Kiez etwas produziert wird, mit dem Menschen getötet werden. Und durch diese Fabrik werden wir im Zweifel ein legitimes Kriegsziel", erklärt die 16-jährige Schülerin aus Wedding. Sie ist Teil des "Berliner Bündnisses gegen Waffenproduktion", einem Zusammenschluss aus etwa 30 Organisationen. Sie alle setzen sich gegen die Fabrik ein.

Von Aufrüstung ist die Schülerin nicht begeistert, denn vor einem potenziellen Krieg würde das nicht schützen, erklärt sie. In der Nachbarschaft führen Möwe und andere Aktivisten des Bündnisses regelmäßig Gespräche mit Anwohnern. Die Stimmung sei gemischt. Einige würden gar nicht wissen, dass in ihrer Gegend ein Munitionswerk entstehen soll. Andere würden sich hilflos fühlen, erklärt die Schülerin.

Rheinmetall-Zentrale in Düsseldorf, Archiv
Rheinmetall-Zentrale in Düsseldorf, Archiv MARTIN MEISSNER/AP2005

Sprengstoff soll hier in Wedding nicht verbaut werden, so Rheinmetall. Angesprochen auf die Sorgen der Aktivisten erklärt der Rüstungskonzern: "Grundsätzlich sehen wir uns als eine der Stützen der nationalen und internationalen Sicherheitsvorsorge. Eine glaubhafte Sicherheitsvorsorge dient dem Erhalt des Friedens und dem Schutz unseres Lebens in Freiheit. Unsere Produkte tragen zum Schutz von Freiheit und Sicherheit bei." Möwe hofft dennoch, dass der Senat sich einschaltet und das Projekt beendet.

Seit Beginn des groß angelegten russischen Angriffskriegs auf die Ukraine wächst die deutsche Rüstungsindustrie rasant. Ab 2029 plant die Bundesregierung, jährlich mehr als 150 Milliarden Euro in die äußere Sicherheit zu investieren. Rüstungskonzernen stehen auch weiterhin lukrative Zeiten bevor.

In den kommenden Jahren plant Rheinmetall, seine Gesamtmitarbeiterzahl deutlich aufzustocken: von 40.000 auf 70.000 Angestellte. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) erklärte vergangenes Jahr bei einer Handelsblatt-Konferenz, dass durch Rüstung neue Arbeitsplätze entstehen könnten. Momentan arbeiten etwa 400.000 Menschen in Deutschland in der Branche: "Das sind Zahlen, über die wir in den letzten Jahren nicht gesprochen haben, sie vermutlich eher verschwiegen haben. Auch das muss sich ändern. Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie ist ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor."

Vergangenes Jahr demonstrierten etwa 1.500 Personen in Wedding gegen den Bau der Fabrik. Immer wieder versuchen Aktivisten, den Zugang zum Fabrikgelände zu blockieren. Schon bald ist der nächste Protest geplant: Im Juli wollen Möwe und weitere Aktivisten erneut gegen das Werk auf die Straße gehen.

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