Der bewaffnete Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und dem Iran ruft in Polen starke öffentliche Reaktionen hervor. Die jüngste CBOS-Umfrage zeigt, dass die Polen der Eskalation skeptisch gegenüberstehen und Zurückhaltung statt Beteiligung an dem bewaffneten Konflikt befürworten.
CBOS (Zentrum für Meinungsforschung) ist eine polnische Institution, die regelmäßig die Meinungen und Stimmungen der Bürger zu verschiedenen politischen, sozialen und wirtschaftlichen Themen erhebt.
Die Analyse der Ergebnisse des jüngsten CBOS-Berichts ermöglicht es, drei Schlüsselbereiche zu erfassen: die Bewertung der Legitimität des Angriffs auf den Iran, die Wahrnehmung der Auswirkungen des Konflikts auf die Sicherheit Polens und die Haltung gegenüber einer möglichen militärischen Beteiligung unseres Landes.
Einschätzung der Richtigkeit der Entscheidung, den Iran anzugreifen
Eines der eindeutigsten Ergebnisse der Umfrage ist die starke Kritik an der Entscheidung der Vereinigten Staaten und Israels, eine Militäraktion einzuleiten. Nicht weniger als 77 Prozent der Befragten hielten die Entscheidung für falsch, wobei mehr als die Hälfte der Befragten diese Ansicht mit Nachdruck vertrat. Nur 8 Prozent der Befragten hielten den Angriff für gerechtfertigt, während 15 Prozent sich keine Meinung bildeten.
Ein so deutliches Übergewicht negativer Meinungen deutet darauf hin, dass eine skeptische Haltung gegenüber bewaffneten Interventionen, insbesondere solchen, die nicht direkt mit der Verteidigung des eigenen Territoriums oder Bündnisverpflichtungen zusammenhängen, in der polnischen Gesellschaft stark verwurzelt ist.
Es ist anzunehmen, dass historische Erfahrungen sowie neue geopolitische Kontexte, wie der Krieg in der Ukraine, die Abneigung gegen eskalierende internationale Konflikte verstärken.
Die Gruppe, die die Entscheidung der Vereinigten Staaten und Israels, den Iran anzugreifen, deutlich wahrscheinlicher als andere für richtig hält, sind diejenigen, die erklären, dass sie bei den Sejm-Wahlen am 15. Oktober 2023 für die Partei Recht und Gerechtigkeit gestimmt haben (22 Prozent). Gleichzeitig ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Anhänger der Partei Recht und Gerechtigkeit in dieser Frage keine klare Position beziehen, deutlich höher als bei anderen Befragten (26 %).
Wichtig ist auch der Hinweis, dass eine fehlende Unterstützung des Angriffs nicht zwangsläufig Sympathie für den Iran bedeutet - sie deutet vielmehr auf eine Präferenz für diplomatische Lösungen und auf die Angst vor einer regionalen Destabilisierung und deren globale Folgen hin.
Konflikt und die Sicherheit Polens
In der Frage, ob der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Israel und dem Iran eine Bedrohung für die Sicherheit Polens darstellt, sind die Meinungen der Befragten deutlich geteilt.
Ein etwas höherer Anteil der Befragten glaubt, dass eine solche Gefahr besteht (49 Prozent), während 42 Prozent die gegenteilige Ansicht vertreten. Die Wahrnehmung einer Bedrohung für Polen hängt in erster Linie von den politischen Sympathien der Befragten ab. Der Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Israel bzw. dem Iran wird von der Mehrheit derjenigen, die sich zur Bürgerkoalition (57 %), zum Bund der Polnischen Kronen (56 %) und zur Partei Razem (54 %) bekennen, als Gefahr für die Sicherheit des Landes angesehen. Im Gegensatz dazu herrscht unter den Wählern von Recht und Gerechtigkeit die gegenteilige Meinung vor - 58 Prozent von ihnen betrachten diesen Konflikt nicht als Bedrohung für Polen.
Die Ursachen für diese Besorgnis sind vielschichtig. Es handelt sich um einen internationalen Konflikt, in den wichtige globale Akteure involviert sind, was das Risiko einer Ausweitung des Konflikts erhöht. Die Destabilisierung der Golfregion wirkt sich auf die Energiemärkte aus, was sich in höheren Kraftstoffpreisen und einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in Europa niederschlagen könnte. Außerdem werden politische Folgen befürchtet, wie z. B. verstärkte Spannungen zwischen geopolitischen Blöcken oder ein erhöhtes Risiko von Terroranschlägen.
Das Geschlecht der Befragten ist ebenfalls ein wichtiger Faktor, der die Unterschiede in den Antworten beeinflusst. Bei Männern ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie bereits eine Meinung zu dem Thema haben und diese auch stärker zum Ausdruck bringen als bei Frauen. Im Allgemeinen neigen sie auch deutlich mehr als Frauen dazu, die Bedeutung dieser Bedrohung herunterzuspielen.
Unterstützung für die Entsendung von Truppen in das Konfliktgebiet
Das aufschlussreichste Zeichen für die Vorsicht ist die Haltung der Polen zu einer möglichen Entsendung von Truppen in eine Konfliktregion.
Präsident Donald Trump hat wiederholt betont, dass er auf Verbündete zählt, die das Vorgehen der USA gegen den Iran unterstützen. Die polnische Regierung erklärt, dass sie nicht beabsichtigt, Truppen in das Land zu entsenden. Die Entscheidung stößt in der Öffentlichkeit auf große Zustimmung: 89 Prozent der Befragten bewerten sie positiv, darunter 60 Prozent, die sie sehr befürworten. Sechs Prozent der Befragten sind dagegen, und weitere sechs Prozent enthalten sich ihrer Meinung.
Die allgemeine Tendenz ist eindeutig und dominiert in allen untersuchten demografischen und sozialen Gruppen: Die Polen stehen einer möglichen militärischen Beteiligung Polens zurückhaltend gegenüber.
Diese Haltung ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Erstens schwächt die fehlende Unterstützung für die US-amerikanische und israelische Intervention selbst die Bereitschaft, deren Folgen zu unterstützen. Zweitens sind sich die Polen der Kosten und Risiken bewusst, die mit einer Beteiligung an militärischen Operationen im Ausland verbunden sind. Drittens hat die Sicherheit der mittel- und osteuropäischen Region angesichts des anhaltenden Krieges in der Ukraine weiterhin Priorität.
In dieser Frage unterscheiden sich die Meinungen der Befragten je nach Bildungsgrad deutlich - je höher der Bildungsgrad, desto größer ist die Tendenz, die Maßnahmen der Regierung positiv zu bewerten. Der Prozentsatz der Zufriedenen reicht von 71 Prozent bei den Befragten mit Grundschulbildung bis hin zu 96 Prozent bei den Befragten mit Hochschulbildung.
Schlussfolgerungen der Umfrage
Der jüngste CBOS-Bericht zeigt eine Gesellschaft, die einen Angriff auf den Iran entschieden ablehnt, mögliche Folgen für die Sicherheit des Landes mit Besorgnis betrachtet, aber gleichzeitig nicht will, dass sich Polen militärisch engagiert.
Historische Erfahrungen, geopolitische Spannungen und der andauernde Krieg in der Ukraine führen dazu, dass sich die Polen häufig vom Konflikt im Nahen Osten distanzieren.
Politische Unterschiede, Geschlecht oder Bildung beeinflussen die Details der Meinungen, aber die allgemeine Richtung ist gleich - die Polen ziehen Diplomatie den Waffen und Stabilität den globalen Konflikten vor.
Die CBOS-Umfrage wurde am 23. und 25. März 2026 mit Hilfe von Telefoninterviews (80 Prozent der Interviews) und Online-Interviews (20 Prozent) bei einer Stichprobe von 1.000 erwachsenen polnischen Einwohnern durchgeführt.