Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Erdoğan lässt geschlossene Elite-Uni nach Protesten wieder öffnen

Foto: Website der Bilgi-Universität
Foto: Webseite der Bilgi-Universität Copyright  Cleared
Copyright Cleared
Von Burcu Basaran
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Die Istanbul Bilgi University, deren Betrieb vor wenigen Tagen per Präsidialerlass eingestellt worden war, darf nach einer neuen Entscheidung nun wieder öffnen. Der entsprechende Beschluss wurde im türkischen Amtsblatt veröffentlicht.

Mit einem neuen Erlass, unterzeichnet vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und veröffentlicht in der Montagsausgabe des türkischen Amtsblatts Resmi Gazete vom 25. Mai, hat die Regierung angeordnet, die vor drei Tagen geschlossene Istanbul Bilgi University wieder zu öffnen.

WERBUNG
WERBUNG

Der türkische Einlagensicherungsfonds TMSF hatte bereits im September 2025 die Kontrolle über die Unternehmensgruppe Can Holding übernommen, zu der auch die Universität gehört. Die Gruppe wurde damals unter Zwangsverwaltung gestellt.

In der Ausgabe vom 22. Mai hieß es noch, die Betriebserlaubnis der Universität werde gemäß Zusatzartikel 11 des türkischen Hochschulgesetzes Nr. 2547 entzogen. Mit der aktuellen Veröffentlichung wurde der Universität ihre Betriebserlaubnis nun wieder erteilt.

Amtsblatt Resmi Gazete
Amtsblatt Resmi Gazete Cleared

Der Vorsitzende des türkischen Hochschulrats YÖK, Erol Özvar, erklärte auf X, dass Lehr- und Forschungsbetrieb an der Istanbul Bilgi University dank der Entscheidung von Erdoğan ohne Unterbrechung fortgesetzt werden könnten. Özvar erklärte weiter, der Präsident habe den Fall erneut prüfen lassen, um sicherzustellen, dass das Studium der Studierenden nicht beeinträchtigt werde, Familien nicht belastet würden und die Rechte der Universitätsbeschäftigten gewahrt blieben.

"Im Einklang mit dem klaren Willen, Studierende, Familien und Beschäftigte vor Nachteilen zu schützen, wurde die Entscheidung angepasst", so Özvar. Die ursprüngliche Schließung sei ein "zwingender rechtlicher Schritt" im Rahmen der geltenden Vorschriften gewesen.

Auf Grundlage neuer Berichte und einer aktuellen Lagebewertung seien anschließend weitere Entscheidungen getroffen worden. Nach dem Entzug der Betriebserlaubnis war es an der Universität zu Protesten von Studierenden, Lehrenden, Alumni und Beschäftigten gekommen.

Am dritten Tag der Demonstrationen forderten Protestierende am Haupteingang des Campus Santral İstanbul die Öffnung der errichteten Barrikaden und skandierten Slogans. Polizeikräfte überwanden laut Berichten die Drehkreuze, errichteten innerhalb des Campus neue Absperrungen und setzten Pfefferspray gegen die Menge ein. Medienberichten zufolge gab es Verletzte und Festnahmen.

Die Universität wurde am 7. Juni 1996 als vierte private Stiftungsuniversität der Türkei gegründet. 2006 wurde sie Teil des US-amerikanischen Netzwerks Laureate International Universities, das weltweit Hochschulen betreibt. 2019 verkaufte das Netzwerk die Universität für 90 Millionen Dollar an Can Holding.

Ermittlungen gegen Can Holding

Die Staatsanwaltschaft im Istanbuler Bezirk Küçükçekmece leitete auf Grundlage von Berichten der türkischen Finanzermittlungsbehörde MASAK sowie Unterlagen von Finanzaufsichtsstellen Ermittlungen gegen die Can Holding ein.

Die erste groß angelegte Razzia fand am 11. September 2025 statt. Im Zuge der Ermittlungen ordnete die Staatsanwaltschaft die Festnahme von zehn Personen an, darunter Mehmet Şakir Can, Kemal Can und Kenan Tekdağ. Zudem wurden 121 Unternehmen unter staatliche Zwangsverwaltung gestellt – darunter die Medienhäuser Habertürk, Show TV und Bloomberg HT, die Doğa-Schulen sowie die Istanbul Bilgi University.

Kenan Tekdağ wurde später unter gerichtlichen Auflagen freigelassen. Die Ermittlungen wurden anschließend ausgeweitet. Das juristische Vorgehen gegen die Can Holding setzte sich mit der Einsetzung eines staatlichen Treuhänders für die Trägerstiftung der Istanbul Bilgi Universität fort. YÖK-Präsident Erol Özvar hatte damals erklärt, der Lehrbetrieb an der Universität werde trotz der Treuhandverwaltung ohne Unterbrechung fortgesetzt. Die Medienunternehmen Habertürk, Show TV und Bloomberg HT waren erst im Dezember 2024 vom Unternehmer Turgay Ciner an die Can-Gruppe verkauft worden.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

In der Türkei stürmt die Polizei die CHP-Zentrale in Ankara: Tränengas im Gebäude

Türkische Polizei setzt Tränengas ein und stürmt CHP-Zentrale

Schockierende Zahlen: Kanzler Merz sogar unbeliebter als Trump und Erdoğan