Tristan da Cunha ist das entlegenste Überseegebiet des Vereinigten Königreichs. Die Insel liegt ohne Flughafen weit im Südatlantik - aber dorthin ist ein wahrscheinlich mit dem Hantavirus infizierter Kreuzfahrt-Passagier heimgekehrt.
Vor der Küste von Tristan da Cunha ist ein Patrouillenschiff der britischen Royal Navy eingetroffen. Es bringt dringend benötigte Versorgungsgüter und löst ein Team von Fallschirmjägern ab, das Anfang des Monats Mai auf die abgelegene Insel abgesprungen war. Zudem war medizinisches Material beispielsweise zur Sauerstoffversorgung über der Insel, auf der 221 Menschen leben, abgeworfen worden.
Ein britischer Staatsbürger, der an Bord des vom Hantavirus betroffenen Kreuzfahrtschiffs MV Hondius gewesen war, hatte nach seiner Rückkehr auf die Insel Symptome gemeldet. Tatsächlich waren auch weitere Passagiere, darunter die inzwischen verstorbene Ehefrau des ersten Todesopfers der Kreuzfahrt, in Tristan da Cunha an Land gegangen. Anders als der erkrankte Brite hatten sie die Insel aber kurz darauf wieder verlassen.
Einige Besucher hatten allerdings in einer Schule einen Vortrag gehalten, bevor sie mit der MV Hondius weiterreisten.
Vor Ort im südlichen Atlantik gibt es zwar keinen Flughafen, aber ein "Krankenhaus mit zwei Ärzten", wie eine auf Tristan da Cunha lebende Französin berichtet. Es ist die einzige medizinische Einrichtung in einem Gebiet von mehreren Tausend Kilometern.
Fallschirmjäger werden von der Royal Navy abgeholt
Das britische Verteidigungsministerium teilte am Sonntag mit, dass die HMS Medway das Seegebiet vor Tristan da Cunha erreicht habe und dort einige Tage bleiben werde. Das Schiff bringt sechs zivile Mediziner auf die Insel und nimmt die Fallschirmjäger an Bord, die einen britischen Staatsbürger betreut haben, bei dem der Verdacht auf eine Hantavirus-Infektion besteht.
Die Medway gehört zu den fünf Offshore-Patrouillenschiffen der Royal Navy. Sie unterstützt die britischen Überseegebiete und wird zudem für humanitäre Hilfseinsätze benutzt.
Tristan da Cunha, das entlegenste bewohnte Überseegebiet des Vereinigten Königreichs, ist fast 10.000 Kilometer von britischen Festland entfernt.
Wo genau sich der erste Hantavirus-Partient auf der MV Hondius angesteckt hat, ist nicht genau geklärt. Der 70-jährige Niederländer und seine Frau, die beide verstorben sind, waren seit mehreren Monaten auf einer ornithologischen Reise durch Südamerika.