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Tech-Konzerne warnen: KI-Sicherheitslücken erleichtern Zugang zu Biowaffen

Synthetische DNA dient der Impfstoffentwicklung, kann aber auch Biowaffen ermöglichen.
Synthetische DNA ermöglicht neue Impfstoffe, kann aber ebenso zum Bau biologischer Waffen dienen. Copyright  Cleared/Canva
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Von Marta Iraola Iribarren
Zuerst veröffentlicht am
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Synthetische DNA hilft bei der Entwicklung von Impfstoffen, kann aber auch Biowaffen ermöglichen. Technikkonzerne und Biotech-Experten drängen auf strengere Regeln.

Die Chefs einiger der größten Unternehmen für Künstliche Intelligenz – darunter OpenAI, Anthropic, Microsoft AI und Google DeepMind – haben sich mit Biotech-Expertinnen und -Experten zusammengeschlossen. Sie fordern die USA auf, Gesetze zu verabschieden, die Sicherheitsprüfungen beim Kauf von synthetischer DNA vorschreiben.

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Unter synthetischer DNA verstehen Fachleute künstlich hergestelltes Erbmaterial. Spezialfirmen können es nach Maß produzieren; Labore bestellen es online wie andere Verbrauchsmaterialien.

Das Schreiben richtet sich an den US-Kongress. Das Thema hat jedoch weltweite Bedeutung, weil sich das Material global bestellen und versenden lässt.

„Die Möglichkeit, synthetische DNA online zu bestellen, hat die Impfstoffentwicklung beschleunigt, die Grundlagenforschung vorangebracht und kleinen Teams Zugang zu Fähigkeiten verschafft, die früher großen Instituten vorbehalten waren“, schreiben die Unterzeichnenden.

Aber sie birgt auch Risiken. Im Extremfall könnten Personen mit kriminellen Absichten DNA-Sequenzen ordern, mit denen sich gefährliche Erreger nachbilden lassen.

Synthetisch erzeugte DNA hat viele Einsatzfelder. Sie steckt in lebensrettenden Medikamenten, in der Entwicklung von Mikroorganismen und in Verfahren zur Speicherung großer Mengen digitaler Daten.

Einige Unternehmen überprüfen Bestellungen und Kundschaft bereits freiwillig. Eine gesetzliche Pflicht dazu gibt es bislang jedoch nicht.

Das Schreiben betont, solche Sicherheitschecks gehörten zu den am besten verstandenen und am wenigsten eingreifenden Maßnahmen der Biosicherheit.

Die Unterzeichnenden verlangen außerdem eine Pflicht zur Dokumentation aller Vorgänge. So ließen sich verdächtige Aktivitäten im Bedarfsfall nachverfolgen – und zwar nicht nur im Nachhinein, sondern auch, weil das Wissen um diese Rückverfolgbarkeit Missbrauch abschreckt, heißt es in dem Schreiben.

„So kann jede Bedrohung, die einer ersten Prüfung entgeht, bis zu ihrer Quelle zurückverfolgt werden – selbst dann, wenn einzelne Sequenzen für sich genommen unauffällig wirken“, heißt es weiter.

Die Autorinnen und Autoren weisen darauf hin, dass das Problem nicht neu ist. Neu sei jedoch das Tempo des Fortschritts bei Künstlicher Intelligenz: KI-Systeme beantworteten heute Fragen zu hochkomplexen Laborverfahren teils besser als promovierte Virologinnen und Virologen.

Mit der rasanten Weiterentwicklung, warnen Fachleute, bröckeln die Wissenshürden, die bislang viele Akteure vom Bau biologischer Waffen abgehalten haben, spürbar.

Bereits Anfang des Jahres hatten Forschende weltweit davor gewarnt, dass unbeschränkter Zugang zu bestimmten biologischen Datensätzen KI-Systeme in die Lage versetzen könnte, gefährliche Viren zu entwerfen oder zu optimieren. Sie forderten daher stärkere Schutzmechanismen gegen Missbrauch.

In einem offenen Brief (Quelle auf Englisch), den Forschende führender Einrichtungen wie der Johns Hopkins University, der University of Oxford und der Stanford University im Februar veröffentlichten, argumentieren sie, der offene Zugang zu wissenschaftlichen Daten habe zwar die Forschung beschleunigt, ein kleiner Teil neuer biologischer Datensätze berge bei Missbrauch jedoch erhebliche Biosicherheitsrisiken.

Um sicheren Zugang zu gewährleisten, forderten sie spezielle technische Werkzeuge, mit denen Datenanbieter rechtmäßige Nutzende verifizieren und Missbrauch nachverfolgen können, etwa digitale Wasserzeichen und Prüfprotokolle.

Lage in Europa

Die EU-Kommission hat 2025 den Entwurf eines EU-Biotech-Gesetzes vorgelegt. Damit will sie die europäischen Branchen für Biotechnologie und Bioproduktion regulieren. In dem Papier warnt sie, Biotechnologie bringe neue Biosicherheitsrisiken mit sich, weil der leichtere Zugang die Gefahr des Missbrauchs und damit erhebliche Gesundheitsrisiken erhöhe.

Derzeit existiert jedoch kein EU-weit geltendes Gesetz, das den Erwerb dieser Materialien regelt. Nach Ansicht der Kommission führen unterschiedliche oder fehlende nationale Vorgaben zu Wettbewerbsverzerrungen und schwächen die Prävention.

Der Entwurf stuft synthetische Nukleinsäuresequenzen, also DNA und RNA, als „biotechnologische Produkte von besonderem Risiko“ ein und schlägt dafür einen neuen EU-weiten Rechtsrahmen vor.

Der Vorschlag der Kommission greift mehrere Ideen aus dem US-Schreiben auf. Dazu gehören die Überprüfung von Kundinnen und Kunden sowie die Meldung auffälliger Bestellungen.

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