Im Süden des US-Bundesstaats Texas ist erneut eine parasitäre Fliege entdeckt worden, deren Larven lebendes Fleisch befallen – Jahre nach ihrer angeblichen Ausrottung.
In Südtexas ist die New-World-Schraubenwurmfliege (New World Screwworm, NWS) festgestellt worden. Das Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten bestätigte den Fund am Mittwoch. Texas ist der größte Rinderproduzent des Landes.
Die Schraubenwurmfliege ist ein parasitärer Insektenschädling. Ein Teil ihres Lebenszyklus spielt sich in warmblütigen Tieren und auch im Menschen ab, wo sich die Larven von Gewebe und Fleisch ernähren.
Das Weibchen legt seine Eier in offene Wunden oder in Schleimhäute. Daraus schlüpfen Larven, die das umliegende Fleisch auffressen.
Den aktuellen Fall entdeckten Tierärzte bei einem drei Wochen alten Kalb in LaPryor in Texas, rund 80 Kilometer von der Grenze zu Mexiko entfernt, wie Landwirtschaftsministerin Brooke Rollins mitteilte. Es ist der erste Nachweis in der Region seit 1966.
Rollins erklärte, bislang gebe es keine weiteren Funde der Fliege im Land. Behördenvertreter betonten, die Larven seien zwar eine ernste Bedrohung für Nutztiere, befielen aber keine Lebensmittel. Bei rechtzeitiger Behandlung soll auch das betroffene Kalb vollständig genesen.
„Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass dieses Eindringen dazu führt, dass sich der Schädling dauerhaft in unserem Land etabliert“, sagte Rollins.
Der texanische Staatsveterinär Bud Dinges richtete eine 20-Kilometer-Quarantänezone ein. Aus diesem Gebiet dürfen keine warmblütigen Tiere – auch keine Haustiere – ohne Untersuchung verbracht werden.
New-World-Schraubenwurm: Gab es schon weitere Fälle?
Der Schädling machte der amerikanischen Rinderindustrie jahrzehntelang zu schaffen. Vor allem Florida und Texas galten als Brennpunkte, bis die Vereinigten Staaten ihn in den 1960er- und 1970er-Jahren weitgehend ausrotteten.
Heute sind Infektionen im Land selten. Immer wieder melden Behörden aber Einzelfälle bei Reisenden, die aus betroffenen Regionen zurückkehren.
Im August 2025 bestätigten US-Gesundheitsbehörden einen Fall bei einer Person aus dem Bundesstaat Maryland, die nach einer Reise nach El Salvador erkrankt war. Der Patient erholte sich, und die Behörden fanden keinerlei Hinweise auf eine Weiterverbreitung des Parasiten.
Zuvor war es zuletzt im September 2016 zu einem Ausbruch in den Florida Keys gekommen, einer tropischen Inselkette südlich von Miami zwischen Atlantik und Golf von Mexiko. Betroffen waren vor allem wild lebende Hirsche. Der Ausbruch wurde Anfang des folgenden Jahres eingedämmt, ohne sich weiter auszubreiten.
Bekämpfung: Wie lässt sich die Fliege eindämmen?
Die Schraubenwurmfliege war aus Nord- und Mittelamerika über viele Jahre erfolgreich verdrängt worden. Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ist sie heute jedoch wieder in Südamerika und Teilen der Karibik heimisch.
In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Parasit zudem erneut in Mittelamerika und Mexiko ausgebreitet und einen großen Teil seines ursprünglichen Verbreitungsgebiets zurückerobert.
Das wichtigste Instrument zur Ausrottung ist die sogenannte Sterile-Insekten-Technik (SIT). Dabei werden mit Hilfe von Strahlung sterile männliche Fliegen erzeugt, ohne Pestizide einzusetzen.
Nach Angaben der FAO wirkt SIT nur in Kombination mit konsequenter Wundbehandlung, engmaschiger Kontrolle und einem dichten Überwachungsnetz. Die Vereinigten Staaten setzen diese Methode derzeit ein, um die Fliege von ihrem Staatsgebiet fernzuhalten.
Weibliche Fliegen paaren sich in ihrem mehrere Monate dauernden Leben nur ein einziges Mal. Treffen sie dabei auf ein steriles Männchen, bleibt der Nachwuchs aus und die Population schrumpft mit der Zeit.
Die Technik kommt auch gegen andere krankheitsübertragende Insekten zum Einsatz, etwa gegen die Asiatische Tigermücke und die Ägyptische Tigermücke, die Hauptüberträger von Krankheiten wie Zika, Dengue und Gelbfieber.
Rollins sagte, das Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten sei gut vorbereitet und gehe davon aus, „dass keine Gefahr einer massenhaften Ausbreitung besteht“.
Risiken für Menschen: Symptome und Ansteckung
Die Larven werden nicht von Mensch zu Mensch übertragen und stellen insgesamt nur ein sehr geringes Risiko für die Allgemeinheit dar.
Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörden können sich Menschen anstecken, wenn sie in Gebiete reisen, in denen die Fliegen vorkommen, und sich tagsüber länger im Freien aufhalten, besonders im Schlaf.
Erhöht gefährdet sind zudem Personen, die in betroffenen Regionen mit Nutztieren oder anderen warmblütigen Tieren leben, dort arbeiten oder sich über längere Zeit in deren Nähe aufhalten.
Zu den möglichen Symptomen einer Infektion gehören unerklärliche, schmerzhafte Wunden oder Geschwüre, die nicht heilen, ein fauliger Geruch oder Blutungen an der Befallsstelle. Betroffene können Maden sehen oder ein Krabbeln in offenen Wunden sowie in Nase, Mund, Augen, Ohren oder im Genitalbereich spüren.
Europa: Ist der New-World-Schraubenwurm hier etabliert?
In Europa hat sich die Fliege bislang nicht festgesetzt, und es sind keine Ausbrüche bekannt.
Steigende Temperaturen vergrößern jedoch den Lebensraum vieler Insekten. Vereinzelte Fälle in Verbindung mit internationalem Reiseverkehr lassen sich daher nicht ausschließen.