Kyjiws Bürgermeister Witali Klitschko wirbt auf der Ukraine-Wiederaufbaukonferenz für mehr Zusammenarbeit. Polen sei ein Vorbild für den Wiederaufbau der Ukraine. Zudem betont er die Bedeutung wahrheitsgemäßer Informationen im Kampf gegen russische Propaganda.
Zu den Gästen der Ukraine-Wiederaufbaukonferenz (URC) im polnischen Danzig gehörte auch Kyjiws Bürgermeister Witali Klitschko. Das Panel, an dem er teilnahm, hieß "Recovery Despite the War – Future in the Making", was sich etwa mit "Wiederaufbau trotz Krieg – eine entstehende Zukunft" übersetzen lässt.
Auf einem Pressebriefing fragten Journalisten den Politiker nach der Stimmung auf der Konferenz. Hintergrund war der diplomatische Streit zwischen dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und Polens Präsident Karol Nawrocki. Klitschko betonte, die Atmosphäre sei freundlich.
"Wir müssen nach vorn blicken und nach Synergien suchen, damit wir gemeinsam Erfolg haben. Das ist das wichtigste Ziel dieser Konferenz. Ohne ständig zurückzuschauen müssen wir die Gegenwart gestalten und gemeinsam unsere Zukunft aufbauen", sagte er vor Medienvertretern.
Klitschko: Ukraine soll Polens Erfolgsweg nachahmen
Klitschko unterstrich, dass sich die Ukraine beim Aufbau des Landes an Polen orientieren sollte: "Immer wenn ich nach Polen komme, bin ich ein wenig neidisch. Ich war zum ersten Mal zu Sowjetzeiten hier, im Jahr 1988. Ich erinnere mich, wie arm Polen damals war. Das Land war ein einziger großer Basar. Seitdem komme ich jedes Jahr nach Polen. Ich sehe, wie sehr sich Polen verändert hat. Heute gehört Polen zu den erfolgreichsten Ländern Europas, die gewaltige Fortschritte bei der Infrastruktur gemacht haben. Die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger ist ein hervorragendes Beispiel dafür. Das bedeutet: Wir müssen es in der Ukraine genau so anpacken, wie Polen es getan hat."
Kampf gegen russische Propaganda
Witali Klitschko wurde auch gefragt, wie die Ukraine gegen die russische Propaganda vorgehen könne.
"Mit Nachrichten, mit Informationen. Sie sind eine ebenso wichtige Waffe. Es ist sehr wichtig, den Bürgerinnen und Bürgern klare, objektive und wahrheitsgemäße Informationen zu geben", erklärte der Bürgermeister von Kyjiw. "Wir informieren unsere Bürgerinnen und Bürger digital, wir nutzen unsere Ressourcen, um die Propaganda zu stoppen und den Einfluss zu verringern, den Russland immer auf die Bevölkerung der Ukraine ausgeübt hat", fügte er hinzu.
Sommerhitze naht: Kyjiw plant schon für eisigen Winter
Obwohl der Sommer gerade erst begonnen hat, wollten die Journalisten wissen, wie sich Kyjiw auf den nächsten eisigen Winter vorbereitet.
"Wir setzen jetzt ein System um, das die gesamte Stadt mit Wärme versorgen soll. Einen Teil der Arbeiten haben wir in den vergangenen Jahren erledigt. Es ist eine äußerst schwierige Aufgabe, wenn man bedenkt, dass dieses System sieben Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut wurde. Dutzende Institute arbeiteten daran, und heute stehen wir vor drei Herausforderungen: finanzielle Mittel, Menschen und Zeit."
Der Bürgermeister von Kyjiw betonte außerdem, dass eine stabile Ukraine die Stabilität der gesamten Region sichern könne.