Portugal und Spanien kämpfen in Dallas um den Einzug ins Viertelfinale. Im gnadenlosen K.-o.-Duell scheidet Portugal aus – und einer der größten Spieler der Fußballgeschichte verabschiedet sich von der WM-Bühne.
Vor dem Turnier sagte Cristiano Ronaldo den Journalisten, dass dies seine letzte Weltmeisterschaft sein werde. In der Vorschau auf das Spiel gegen Spanien bestätigte er damit indirekt, was seine Schwester Kátia Aveiro Wochen zuvor bereits angedeutet hatte: Die Fans sollten jede Partie genießen, weil es die letzte WM ihres Bruders sei.
In derselben Pressekonferenz vor dem iberischen Duell versuchte Ronaldo, das Thema kleinzuhalten. Fragen zu seinem letzten WM-Auftritt seien "Zeitverschwendung", sagte er. Doch besser als jeder andere weiß Ronaldo, dass das kaum möglich ist. Er gehört zu den bekanntesten Sportlern der Welt und hat eine riesige Fangemeinde aufgebaut, die Portugal seit zwei Jahrzehnten begleitet.
Millionen Menschen weltweit tragen Trikots in den Nationalfarben, die meisten mit der Nummer 7, und singen "A Portuguesa", ohne ein einziges Wort Portugiesisch zu verstehen. Sie tun es wegen Cristiano Ronaldo.
Der portugiesische Star gab sein Debüt für die A-Nationalmannschaft mit 18 Jahren, in einem Freundschaftsspiel gegen Kasachstan im August 2003. Sein erster großer Prüfstein war die EM 2004 im eigenen Land. Ronaldo stand im Finale im Estádio da Luz gegen Griechenland in der Startelf. Die Partie endete für die Gastgeber mit einer Niederlage und für Ronaldo in Tränen. Kurz darauf vertrat er Portugal auch bei den Olympischen Spielen in Athen, erzielte ein Tor, erlebte mit dem frühen Aus der Auswahl aber die nächste Enttäuschung.
2010 führte Ronaldo die portugiesische Mannschaft als Kapitän zur WM in Südafrika. Dort schied das Team im Achtelfinale mit 0:1 gegen Spanien aus – ein Szenario, das sich 16 Jahre später wiederholen sollte. Spanien wurde 2010 Weltmeister und zählt auch bei der Ausgabe 2026 zu den Favoriten.
2012 bestritt Cristiano Ronaldo im Estádio do Dragão sein 100. Länderspiel. Vier Jahre später, 2016, gewann er mit der Seleção und dem Trikot mit der Nummer 7 seinen wichtigsten Titel: Portugal wurde im Finale gegen Gastgeber Frankreich Europameister.
Bei der WM 2022 in Katar tauchten die ersten Spekulationen über einen möglichen Abschied Cristiano Ronaldos aus der Nationalmannschaft auf. Mit 37 Jahren hatte CR7 zahllose Trophäen gewonnen, persönlich wie auf Vereinsebene. Er hatte alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt – außer dem WM-Titel.
2022 schaltete Marokko Portugal im Viertelfinale aus. Die Hoffnung, dass CR7 den WM-Pokal doch noch holen könnte, lebte 2026 wieder auf. Trotz seiner 41 Jahre stand er weiter in der Startelf der Mannschaft von Roberto Martínez, der inzwischen seinen Abschied als Trainer der "Quinas" angekündigt hat.
Der ewige Kapitän, der über 20 Jahre hinweg Generationen vereint und sich zu einer lebenden Legende des Fußballs entwickelt hat, ist nun aus dem Turnier ausgeschieden. Portugal verlor gegen eine gut organisierte spanische Mannschaft, die beste Chancen hat, den Titel dieser Ausgabe zu gewinnen.
"Vor Cristiano Ronaldo hatte Portugal keinen einzigen Titel gewonnen"
Der Satz stammt von Cristiano Ronaldo selbst, aus einem Interview in der Mixed Zone nach der Niederlage gegen Spanien. Der Portugiese bestätigte, dass dies seine letzte WM mit der Nationalmannschaft war – und dass er mit erhobenem Kopf geht. "Ich habe mein Bestes gegeben. Ich habe drei Titel mit Portugal gewonnen, vor Cristiano Ronaldo hatte Portugal keinen einzigen Titel. Ich bin zufrieden", sagte er zu den Journalisten.
"Der größte Titel, den die Nationalmannschaft gewonnen hat, war 2016, die Europameisterschaft. Für mich hat sie denselben Stellenwert wie eine WM, ganz ehrlich. Ich wiederhole: Ich gehe mit ruhigem Gewissen, ich habe mein Bestes gegeben. Morgen ist ein neuer Tag, das Leben geht weiter."
Zur Niederlage sagte der portugiesische Star, den das Aus sichtlich mitnahm, das Ergebnis schmerze ihn sehr. Die portugiesische Auswahl hätte "mehr herausholen" können.
"Es ist immer traurig, ein großes Turnier verlassen zu müssen. Es ist eine Weltmeisterschaft. Die Mannschaft war im Aufschwung. Wir haben aus meiner Sicht ein gutes Spiel gemacht. Es hätte in beide Richtungen gehen können, aber so ist Fußball. Wir müssen wieder aufstehen und unseren Weg fortsetzen. Es ist frustrierend, so auszuscheiden, aber ich habe ein ruhiges Gewissen", erklärte Ronaldo.
Zu seiner Zukunft sagte er nichts Konkretes. Er wolle nun erst mit seiner Familie zusammenkommen und alles "in Ruhe" entscheiden.
"Ich bin traurig, die WM so zu verlassen. Aber wie ich auf der Pressekonferenz gesagt habe: Ich habe alles gegeben, mein Bestes, und gehe mit ruhigem Gewissen. Es war meine letzte WM, ja. Jetzt werde ich Zeit haben, nachzudenken und bei meiner Familie zu sein. Ich treffe keine Entscheidungen im Affekt und will die Aufmerksamkeit nicht wegen einer persönlichen Entscheidung von dem ablenken, was wir bei dieser WM geleistet haben."
Im Moment ist es zu früh, um sicher zu sagen, ob CR7 seine Karriere in der Nationalmannschaft endgültig beendet.
Die Augen der Fußballwelt bleiben auf einen der größten Spieler der Geschichte gerichtet. Alle warten darauf, ob er sich aus der Nationalmannschaft zurückzieht oder nicht. Denn mitten in all seinen Aussagen sagte Ronaldo auch: "Ich höre auf, wenn ich es will, nicht, wenn ihr es wollt."