Immer häufigere Hitzewellen verändern die Arbeit der Winzer. Im heißen Alentejo setzt ein Weingut auf die nächtliche Weinlese, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern.
In tiefster Nacht leuchten die Trauben im Schein der Helmlampen, während Traktoren durch die Rebzeilen fahren. Auf der Herdade das Servas im Alentejo findet die Weinlese nachts statt. Für die Menschen, die hier arbeiten, ist das längst kein Problem mehr. Maria Jerónima Mendes gehört zu den Dutzenden Erntehelfern.
Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP sagte sie, die Umstellung habe den Ablauf nicht beeinträchtigt. Dank der Lampe, die sie bei sich trägt, könne sie "die Trauben sogar besser sehen als bei Tageslicht". "Es klingt unglaublich, aber es stimmt. Der Körper gewöhnt sich daran, den Tag zur Nacht und die Nacht zum Tag zu machen", erklärte sie.
Auf dem Gut wurde die nächtliche Traubenernte 2024 zunächst testweise eingeführt. Seit vergangenem Jahr gehört sie zum festen Ablauf. Die Verantwortlichen reagieren damit auf die zunehmende Hitze und extreme Wetterereignisse, die immer häufiger auftreten.
"Diese nächtliche Lese entstand aus der Notwendigkeit, den Teams bessere Arbeitsbedingungen zu bieten",, sagt Renato Neves der AFP. "Im Alentejo ist das Sommerklima sehr hart."
Für den Winzer und Önologen ist die nächtliche Weinlese längst keine zusätzliche Option mehr, sondern eine Notwendigkeit für die Betriebe der Region. "In Zukunft wird sie unvermeidlich sein. Meiner Ansicht nach werden immer mehr Betriebe nachts ernten. Es wird sehr schwierig, tagsüber weiter ab elf Uhr oder gegen Mittag zu lesen, wenn die Temperaturen auf 40, 41 oder 42 Grad steigen", erklärt er.
Der Alentejo gehört zu den heißesten und trockensten Regionen des portugiesischen Festlands. Im Sommer steigen die Temperaturen dort leicht auf 35 bis 38 Grad, während sie in Hitzeperioden noch deutlich höher klettern können. Fachleute führen die zunehmende Häufigkeit solcher Extremereignisse auf den Klimawandel zurück.