Loader
Finden Sie uns
Werbung

Russland setzt Tausende Nordkoreaner für den Drohnenbau ein

Nordkoreanische Arbeiter in einer Fabrik, Symbolfoto
Nordkoreanische Arbeiter in einer Fabrik, Symbolfoto Copyright  AP Photo/Jung Yeon-je, Pool
Copyright AP Photo/Jung Yeon-je, Pool
Von Ankar Kir & Serhiy Dubyna
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen
Teilen Close Button

Nordkorea unterstützt den russischen Angriff auf die Ukraine und stellt Personal und Waffen. Laut UN montieren bis zu 25.000 Nordkoreaner in Russland Drohnen, Kim Jong-uns Regime soll den Großteil ihres Lohns kassieren.

Laut einem Bericht (Quelle auf Englisch) der multilateralen Sanktionsüberwachungsgruppe des UN-Sicherheitsrats (MSMT) hielten sich bereits Ende 2025 in Russland zwischen 15.000 und 30.000 nordkoreanische Arbeitskräfte auf. Bis zu 1.000 von ihnen arbeiteten in strategisch wichtigen Betrieben wie Rüstungsfabriken, Stahlwerken und Werften.

WERBUNG
WERBUNG

Das ukrainische Portal „Ukraïnska Prawda“ bestätigt (Quelle auf Russisch) ebenfalls, dass bis zu 25.000 nordkoreanische Bürger in der Sonderwirtschaftszone „Alabuga“ in Tatarstan Drohnen montieren. Dort entstehen russische Varianten der iranischen „Shahed“-Drohnen („Gerań‑2“).

„Radio Swoboda“ meldet (Quelle auf Russisch) ähnliche Zahlen und ergänzt, dass nordkoreanische Staatsbürger offiziell als „Studienten“ registriert werden. So umgehen Moskau und Pjöngjang offenbar die UN-Sanktionen, die seit 2017 den Einsatz nordkoreanischer Arbeitskräfte im Ausland untersagen. Russland stellte 2025 mehr als 36.400 Visa für Nordkoreaner aus, davon 35.800 Studentenvisa.

Wo Nordkoreaner arbeiten: vom Fernen Osten bis nach Tatarstan

Nordkoreanische Arbeitskräfte sind heute über ganz Russland verteilt: von den traditionellen Einsatzgebieten im Fernen Osten – Wladiwostok, Chabarowsk und Sachalin – bis zu neuen Standorten wie Moskau, Sankt Petersburg und Irkutsk.

Zum wichtigsten Zentrum ihrer Beschäftigung entwickelte sich die Republik Tatarstan an der Wolga, vor allem die Sonderwirtschaftszone „Alabuga“. In den meisten Recherchen gilt sie als einer der Hauptstandorte für die Montage von Kampfdrohnen.

Dort arbeiten nach Angaben der US-finanzierten, russischsprachigen Medien „Current Time“ und „Radio Swoboda“ nordkoreanische Arbeitskräfte an den Montagebändern. Die dort produzierten Drohnen setzte Russland für Angriffe auf ukrainische Städte und Infrastruktur ein.

Ein Feuerwehrmann löscht einen Brand im Einkaufszentrum Intrade nach einem russischen Drohnenangriff auf Saporischschja, Ukraine, Montag, 21. September 2026.
Ein Feuerwehrmann löscht einen Brand im Einkaufszentrum Intrade nach einem russischen Drohnenangriff auf Saporischschja, Ukraine, Montag, 21. September 2026. Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved. Photo/Kateryna Klochko

Sanktionsumgehung: „Studierende“ statt Arbeiter

Obwohl die Sanktionen des UN-Sicherheitsrats seit 2017 den Export nordkoreanischer Arbeitskräfte verbieten, haben Russland und die DVRK laut MSMT-Bericht ein ganzes System zur Umgehung dieser Auflagen aufgebaut.

Nordkoreaner erhalten massenhaft Studenten- und Touristenvisa. So verschleiern die Behörden ihren tatsächlichen Status und legalisieren ihre Arbeit in russischen Betrieben. Nach Recherchen wurde dafür sogar russisches Recht angepasst, um rechtliche Schlupflöcher zu schaffen, mit denen „Studenten“ offiziell Einkommen erzielen können.

Der Bericht beschreibt zudem Fälle, in denen russische Universitäten gegen Bestechungsgelder Schein-Studienplätze anboten. Vermittler aus Drittstaaten, darunter Belarus, organisierten Einreise und Verteilung der Arbeitskräfte.

All das zeigt den systematischen Charakter des Modells: Pjöngjang nimmt so offenbar Millionen Dollar ein, während Russland damit den Arbeitskräftemangel in strategischen Branchen ausgleicht.

Arbeitsbedingungen: Kontrolle, Einkommensentzug und Abhängigkeit vom Regime

Die Arbeitsbedingungen nordkoreanischer Beschäftigter in Russland bleiben laut MSMT extrem hart und vollständig vom Regime in Pjöngjang kontrolliert. Ihr durchschnittliches Jahreseinkommen liegt bei rund 7.500 Dollar, doch Nordkorea zieht dem Bericht nach den Großteil dieser Summe ein.

Der Bericht schätzt, dass allein 2025 bis zu 800 Millionen Dollar aus der Arbeit nordkoreanischer Bürger im Ausland an das Regime flossen. Dieses Geld dient demnach vor allem der Finanzierung des Atom- und Raketenprogramms.

Die Arbeiter leben faktisch unter Dauerüberwachung durch nordkoreanische Sicherheitsdienste. Ihre Bewegungsfreiheit ist stark eingeschränkt, Kontakte zu russischen Bürgern sind untersagt. Sie wohnen in abgeschotteten Wohnheimen, zu denen Außenstehende keinen Zugang haben.

Menschenrechtsorganisationen sprechen von „sklavereiähnlichen“ Bedingungen. Sie verweisen auf fehlende Freiheit, Isolation und totale Abhängigkeit der Menschen vom Regime. „Radio Swoboda“ (RFERL) und „Current Time“ berichten (Quelle auf Russisch) übereinstimmend über ein systematisches Ausmaß der Ausbeutung nordkoreanischer Arbeitskräfte in russischen Betrieben.

Ideologie im Dienst von Moskaus imperialen Ambitionen

Im Oktober 2024 meldeten die Geheimdienste Südkoreas, der USA und der Ukraine übereinstimmend, dass Nordkorea Tausende Soldaten nach Russland entsende. Auf dem BRICS-Gipfel im selben Monat räumte Russlands Präsident Wladimir Putin ihre Präsenz ein, nannte aber keinen konkreten Auftrag.

Russische Militärs bestätigten später, dass nordkoreanische Einheiten beim Abwehrkampf gegen den erfolgreichen ukrainischen Vorstoß in der Oblast Kursk eingesetzt werden. Diese Offensive begann im August 2024.

Das Regime von Kim Jong Un baute anschließend umfangreiche Waffenlieferungen an Russland auf: Artilleriegranaten, ballistische Raketen, Schusswaffen und weitere Munition. Auch nordkoreanische Militärausbilder wurden entsendet.

Die Einnahmen soll Pjöngjang in den Kauf moderner Waffen, in umfangreiche Wohn- und Industrieprojekte und nach Einschätzung von Experten in die Weiterentwicklung seines Atomprogramms investieren. Beobachter halten es für möglich, dass Moskau diese Bestrebungen mit technischem Know-how unterstützt.

Warum Russland nordkoreanische Arbeitskräfte anzieht

Russland leidet wegen des Kriegs gegen die Ukraine und der Mobilisierung unter einem akuten Arbeitskräftemangel. Nordkoreaner sollen Lücken in der Rüstungsindustrie schließen, besonders in der Drohnenproduktion, in der viele gering bezahlte Arbeitskräfte gebraucht werden.

Die Deutsche Welle berichtet (Quelle auf Russisch), dass sich die Zusammenarbeit zwischen Moskau und Pjöngjang nach dem Besuch von Kim Jong Un in Russland deutlich intensiviert habe. Damals vereinbarten beide Seiten, die militärische und industrielle Kooperation auszuweiten.

Internationale Reaktionen

Der Einsatz nordkoreanischer Arbeitskräfte in russischen Rüstungsbetrieben ruft international Kritik hervor:

  • Die USA, Südkorea und Japan werten dies als Verstoß gegen UN-Sanktionen.
  • Menschenrechtsorganisationen verweisen auf massive Ausbeutung und die indirekte Finanzierung des nordkoreanischen Atomprogramms.
  • Experten warnen, dass die Kooperation das militärische Potenzial beider Staaten stärkt.

Was das für den Krieg in der Ukraine bedeutet

Russland setzt täglich Hunderte Drohnen gegen Ziele in der Ukraine ein. Moskau setzt dabei zunehmend auf die Massenproduktion günstiger unbemannter Fluggeräte, die in Schwärmen die ukrainische Luftabwehr überlasten sollen.

Gleichzeitig weitet Russland den Einsatz schnellerer Drohnen mit höherer Reichweite und Schlagkraft aus, deren Bekämpfung besonders schwierig ist.

Die großangelegte Drohnenproduktion, an der nordkoreanische Arbeitskräfte beteiligt sein sollen, erhöht direkt die Intensität dieser Angriffe.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare Euronews bei Google hinzufügen

Zum selben Thema

Nach Raketentest: Nordkoreas Kim Jong-un preist "Waffensystem neuen Typs"

Nordkorea: Trumps Kürzung von US-Südkorea-Manövern ändert nichts

Russland setzt Tausende Nordkoreaner für den Drohnenbau ein