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100 Dollar pro Barrel: Warum Europas Autofahrer jetzt die Krise am Golf spüren

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Von Doloresz Katanich & Alessio Dell'Anna & video by Loredana Dumitru
Zuerst veröffentlicht am
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Diesel für 2,52 Euro pro Liter: In Dänemark müssen Autofahrer derzeit europaweit am tiefsten in die Tasche greifen. Auch Frankreich und Italien liegen inzwischen deutlich über der 2,30-Euro-Marke.

Die Ölpreise sind am Dienstag erneut über die Marke von 100 Dollar je Barrel gestiegen. Auslöser ist die anhaltende weltweite Angebotskrise nach Angriffen und Blockaden in den Meerengen von Hormus und Bab al-Mandab.

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Die Gespräche zwischen Iran und den USA sind im August erneut gescheitert. Seither nehmen die Angriffe wieder zu. Die jüngste Welle iranischer Attacken hat die Zahl der Frachtschiffe, die täglich die Straße von Hormus passieren, auf weniger als 20 gesenkt.

Hinzu kommen Angriffe der von Iran unterstützten Huthi-Miliz im Jemen. Sie stören den Handel rund um Bab al-Mandab, das bislang als wichtige Ausweichroute zwischen Jemen, Eritrea und Dschibuti galt.

Die Angriffe auf diese wichtigen Schifffahrtswege haben eine Krise ausgelöst, die Expertinnen und Experten als "die größte physische Angebotsstörung in der Geschichte der globalen Energiemärkte" einstufen.

Auswirkungen an der Zapfsäule: Benzin und Diesel werden teurer

Nach Daten des Live-Tickers fuel-prices.eu/live lag der höchste Benzinpreis in Europa am Dienstag in den Niederlanden bei durchschnittlich 2,43 Euro pro Liter, gefolgt von Dänemark mit 2,35 Euro und Finnland mit 2,32 Euro.

Auch Autofahrer in Frankreich (2,23 Euro) und Griechenland (2,20 Euro) spüren den Druck steigender Preise.

Dieselfahrer trifft es noch härter. In Frankreich kletterte der Dieselpreis am Dienstag auf 2,40 Euro pro Liter, in Italien lag er bei 2,36 Euro. Dänemark steht an der Spitze: Dort kostet Diesel 2,52 Euro pro Liter.

Zum Vergleich: In Nordmazedonien liegen die Dieselpreise bei 1,70 Euro, in Andorra bei 1,72 Euro. Das ist fast ein Euro weniger.

Was die Preise für die reale Kaufkraft bedeuten

Das Bild ändert sich, wenn man die Kraftstoffpreise nach Kaufkraftstandards (PPS) bereinigt. Dabei handelt es sich um eine gemeinsame Referenzwährungseinheit, die Preisniveauunterschiede herausrechnet und wirtschaftliche Daten über Länder hinweg vergleichbar macht.

Für den Vergleich wurden die Kosten einer 50-Liter-Tankfüllung berechnet und ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt pro Kopf jedes Landes gesetzt, angepasst an die jeweiligen Kaufkraftunterschiede. Je höher der Prozentsatz, desto stärker belastet das Tanken die Kaufkraft im jeweiligen Land.

Besonders stark leiden die Länder des Westbalkans. Bosnien und Herzegowina steht bei einer 50-Liter-Betankung laut der Schätzung von Europe in Motion an der Spitze der Belastungsskala. In der EU drückt Griechenland die Geldbeutel am stärksten, sowohl bei Benzin als auch bei Diesel.

Raffinerien geraten zusätzlich unter Druck

Die Störungen bei der Ölversorgung setzen auch die Raffinerien unter Druck. Die Internationale Energieagentur (IEA) meldet in ihrem Oil Market Report, dass die weltweite Raffinerieproduktion im Juli 2026 um fast fünf Millionen Barrel pro Tag niedriger lag als im Juli 2025. Das führt zu Engpässen auf dem Markt für raffinierte Ölerzeugnisse.

Da die Rohöllieferungen aus dem Golf teilweise ausfallen, müssen Raffinerien neue Bezugsquellen finden oder deutlich höhere Preise zahlen, um an Öl zu kommen. Nicht jede Rohölsorte lässt sich dabei beliebig austauschen, und der Aufbau neuer Lieferketten ist teuer.

Flammen und Rauch steigen aus der Ölraffinerie im Südosten Moskaus auf, nachdem ein großangelegter ukrainischer Drohnenangriff sie getroffen hat, Sonntag, 20. September 2026
Flammen und Rauch steigen aus der Ölraffinerie im Südosten Moskaus auf, nachdem ein großangelegter ukrainischer Drohnenangriff sie getroffen hat, Sonntag, 20. September 2026 UGC via AP

Gleichzeitig geraten auch die Lieferungen bereits raffinierter Produkte wie Diesel und Kerosin ins Stocken. Das treibt die Raffineriemargen nach oben und erhöht den Druck auf die Kraftstoffpreise weiter. Direkte Drohnenangriffe auf große Raffinerien in Saudi-Arabien, Kuwait und Bahrain verschärfen die Lage zusätzlich. Einige Anlagen mussten die Produktion stoppen oder deutlich drosseln.

Diesel-Raffineriemargen erreichen im Oktober wohl Höhepunkt

Der Krieg in der Ukraine sorgt für einen weiteren Schock, da ukrainische Drohnenangriffe Raffinerien auf russischem Gebiet treffen, so die IEA. Entscheidend ist dabei weniger der stark zurückgegangene Import russischen Öls nach Europa. Schwerer wiegt, dass andere Großabnehmer wie die Türkei und Brasilien nun vor allem für Diesel neue Lieferanten finden müssen.

Fachleute der Europäischen Zentralbank, die Euronews Business befragt hat, verweisen auf Terminkontrakte für raffinierten Diesel der London Stock Exchange Group. Ihrer Einschätzung nach erreicht die Raffineriemarge für Diesel im Oktober ihren Höhepunkt, während "die Benzinmargen im August ihren Höhepunkt erreicht haben".

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