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EU-Kraftstoffpreise auf Rekordhoch, Diesel-Margen steigen weiter

Archivbild: Ein Auto fährt zu einer Tankstelle in Paris, Benzinpreise sind am Montag, den neunten März 2026 eingeblendet.
Archivbild: Ein Auto fährt an eine Tankstelle, die Benzinpreise stehen auf der Anzeige in Paris, Montag, den neunten März 2026. Copyright  AP Photo/Michel Euler
Copyright AP Photo/Michel Euler
Von Doloresz Katanich
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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In der EU erreichen Benzin- und Dieselpreise neue Rekorde. Höhere Raffineriemargen treiben die Kosten. Das ist noch nicht alles. Laut EZB-Fachleuten könnten Dieselspannen erst im Oktober ihren Höhepunkt erreichen.

Im Schnitt war Tanken in der Europäischen Union noch nie so teuer wie derzeit. Das zeigen Daten der EU-Kommission, die mehr als 20 Jahre zurückreichen. Beim aktuellen Durchschnittspreis kostet es rund 103 Euro, einen 50-Liter-Tank mit Benzin zu füllen, und 108 Euro für Diesel.

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Seit dem Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten sind die Kraftstoffpreise an den Zapfsäulen stark gestiegen und treiben die Inflation. Die Energieinflation im Euroraum kletterte im August auf 14,3 Prozent, nach zuvor 10,3 Prozent im Juli, wie die Europäische Zentralbank (EZB) mitteilt.

Bei einem aktuellen Dieselpreis von rund 2,42 Euro je Liter entfallen in Deutschland etwa 47,04 Cent auf die Energiesteuer. Hinzu kommt der CO₂-Preis: Bei einem CO₂-Preis von 65 Euro je Tonne entspricht dieser bei Diesel grob 20,7 Cent je Liter inklusive Mehrwertsteuer. Die Mehrwertsteuer beträgt bei diesem Endpreis rund 38,6 Cent je Liter. Insgesamt gehen damit ungefähr 1,06 Euro je Liter an den Staat, also rund 44 Prozent des Verkaufspreises. Die verbleibenden etwa 1,36 Euro umfassen Rohöl bzw. den eigentlichen Produktpreis, Raffinerie, Transport, Lagerung, Vertrieb sowie die Margen von Mineralölunternehmen und Tankstellen. Die 1,36 Euro sind daher nicht mit dem Gewinn der Unternehmen gleichzusetzen.

Ein Liter Benzin kostete am 14. September im EU-Durchschnitt 2,063 Euro, Diesel 2,159 Euro. Beide Werte markieren Höchststände in der Statistik der Kommission, die seit 2005 geführt wird. Benzin hatte seinen bisherigen Rekord 2022, Diesel näherte sich seinem aktuellen Niveau zuletzt im April dieses Jahres.

Die Preise unterscheiden sich deutlich zwischen den Mitgliedstaaten. Am günstigsten ist Benzin in Malta mit 1,34 Euro pro Liter, am teuersten in Dänemark mit 2,56 Euro. Diesel kostet zwischen 1,21 Euro in Malta und 2,51 Euro in Finnland.

Die Zahlen stammen aus dem jüngsten Weekly Oil Bulletin der EU-Kommission. Das Bulletin erschien am 17. September und beruht auf den für den 14. September gemeldeten Preisen. Steuern sind darin enthalten.

Kraftstoffpreise steigen seit Monaten, seit Ende Februar der Krieg mit Iran ausgebrochen ist und die Energieflüsse durch die Straße von Hormus gestört sind. Der internationale Referenzpreis für Brent-Rohöl stieg auf dem Höhepunkt des Konflikts auf über 126 Dollar. Am Freitag lag der Preis für Lieferung im Folgemonat bei mehr als 104 Dollar je Barrel. Vor Kriegsbeginn kostete Brent rund 72 Dollar pro Barrel.

Europäische Rohöllieferungen stehen vor weiteren Störungen. Nach Informationen von Bloomberg hat Saudi Aramco mindestens zwei europäischen Raffinerien mitgeteilt, dass sie im Oktober im Rahmen ihrer langfristigen Verträge kein Öl erhalten. Hintergrund ist ein Angriff auf die wichtigste Pipeline des Königreichs zum Roten Meer. Laut den zitierten Quellen gilt die Entscheidung für alle europäischen Abnehmer.

Warum Kraftstoff in Europa so teuer ist

Die internationalen Rohölpreise sind jedoch nicht der einzige Treiber der hohen Benzin- und Dieselpreise. Auch die Kosten der Raffinerien und ihre Gewinnmargen sind deutlich gestiegen und verteuern den Sprit an der Zapfsäule.

Raffineriemargen bilden die Differenz zwischen den Kosten für Rohöl und den Preisen der verarbeiteten Produkte wie Benzin und Diesel ab. Nach Einschätzung von EZB-Expertinnen und -Experten haben die Margen beim Benzin ihren Höhepunkt bereits erreicht. Bei Diesel erwarten sie den Höchststand erst im Oktober.

„Mit Blick nach vorn zeigt ein Blick auf die Terminpreise für raffinierten Diesel von LSEG vom 16. September, dass die Marge im Oktober ihren Höhepunkt erreichen dürfte. Auf Basis der Terminpreise für raffiniertes Benzin vom 16. September haben die Benzinmargen im August ihren Höhepunkt erreicht“, erklärten sie.

Seit Anfang 2026 ist der durchschnittliche Benzinpreis in der EU um rund 29 Prozent gestiegen, Diesel verteuerte sich um fast 40 Prozent.

Höhere Rohölpreise treiben die Energieinflation sowohl im Euroraum als auch in der gesamten EU. Laut einem im Juli veröffentlichten EZB-Blog schlagen Änderungen der Rohölpreise meist innerhalb von ein bis zwei Monaten vollständig auf die Vorsteuerpreise an der Zapfsäule durch. Regierungen können die Belastung vorübergehend abfedern, etwa über niedrigere Energiesteuern.

Nach den Berechnungen des Blogs machte Rohöl im Juli weniger als ein Viertel des Endkundenpreises im Euroraum aus. Den Rest bilden Kosten und Margen für Raffination und Vertrieb sowie Verbrauchsteuern und Mehrwertsteuer. Das erklärt einen Teil der großen Preisunterschiede zwischen den Ländern.

Demnach entfielen auf Verbrauchsteuern und Mehrwertsteuer zusammen rund 44 Prozent des Dieselpreises und 52 Prozent des Benzinpreises im Euroraum.

EZB-Fachleute berichten gegenüber Euronews Business, dass Raffineriemargen derzeit einen großen Anteil am Dieselpreis haben.

„Aktuell schätzen wir, dass die Raffineriemargen in der dritten Septemberwoche 0,41 Euro pro Liter zum Dieselpreis (19 Prozent des Endkundenpreises) und 0,17 Euro pro Liter zum Benzinpreis (acht Prozent) im Euroraum beigetragen haben“, so die Expertinnen und Experten.

Steigen die Spritpreise weiter?

Im geldpolitischen Statement der EZB vom 10. September heißt es warnend: „Neue Störungen der Energieversorgung könnten dazu führen, dass die Energiepreise stärker und länger steigen als derzeit erwartet.“

Nach Einschätzung der EZB-Expertinnen und -Experten ist ein Ende des Konflikts im Nahen Osten und eine Wiederherstellung der Energie- und Raffinerieströme entscheidend, um die Preise zu senken.

„Damit Benzin- und Dieselpreise zurückgehen, braucht es vor allem ein Ende des Kriegs im Nahen Osten, eine Normalisierung der Transporte durch die Straße von Hormus und eine Wiederaufnahme der weltweiten Raffinerietätigkeit, damit sich die Ölvorräte wieder aufbauen können“, erklärten sie.

Eine solche Normalisierung könnte die Rohöl- und Kraftstoffpreise zügig drücken. Ausfälle in der russischen Raffineriekapazität könnten die Margen jedoch hoch halten, selbst wenn der Konflikt im Nahen Osten endet.

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