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Polen als digitale Volkswirtschaft? Milliarden-Investition in Technologie

Digitalwirtschaft
Digitale Wirtschaft -  Copyright  Seth Wenig, AP Photo
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Von Jan Bolanowski
Zuerst veröffentlicht am
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Polen holt technologisch rasant auf und gehört inzwischen zu Europas am schnellsten digitalisierten Volkswirtschaften. Cloud, KI, digitale Zahlungen und Datendienste boomen – doch ein großer Teil der Wertschöpfung fließt ins Ausland.

Im Jahr 2024 erreichte der Import digitaler Produkte nach Polen fast 11 Milliarden Euro. Die Ausfuhren lagen dagegen nur bei etwa 700 Millionen Euro.

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Das wirft die Frage auf, ob Polen bereits eine digitale Volkswirtschaft ist oder vor allem ein sehr effizienter Abnehmer von Technologien, die anderswo entstehen.

In den vergangenen Jahren hat Polen eine starke Position beim Einsatz neuer Technologien aufgebaut. Ein gutes Beispiel sind Zahlungen: Der polnische Markt gehört zu denen, auf denen Verbraucher neue Wege, Waren und Dienstleistungen zu bezahlen, besonders schnell annehmen. Das Problem beginnt jedoch dort, wo es nicht mehr um das Tempo der Nutzung, sondern um die Frage geht, wer diese Technologien entwickelt und wer den größten Teil ihres Werts abschöpft.

"Polen ist Meister der Anpassung, aber es fehlt an starkem lokalem Kapital, das Innovationen im Land weiterentwickeln könnte“, sagte Investor Sebastian Kulczyk, einer der reichsten Polen, auf dem Europäischen Wirtschaftskongress. Er betonte, dass es in Polen viele Ideen gebe, aber zu wenige Instrumente, um sie im Land zu halten.

Digitale Lücke in Polen

Das Ausmaß des Problems zeigt sich deutlich in den Handelsdaten zu digitalen Produkten. Laut dem Bericht des Forschungsnetzwerks Łukasiewicz "Digitalbilanz Polens. Wie wird Abhängigkeit zu Souveränität?“ belief sich der Import digitaler Produkte im Jahr 2016 auf rund 2 Millarden Euro. Im Jahr 2024 waren es bereits fast 11 Milliarden Euro - mehr als 5 mal so viel. Gleichzeitig blieben die Exporte bei etwa 700 Millionen Euro. Damit ergibt sich Jahr für Jahr ein Defizit von rund 10,2 Miliarden Euro.

Dahinter stehen nicht nur abstrakte Handelsstatistiken, sondern konkrete Dienste und Technologien: Cloud-Angebote, Software, Lizenzen oder digitale Plattformen. Die Zahlen machen deutlich, wie stark die polnische Wirtschaft strukturell von ausländischen Technologieanbietern abhängt. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, bleibt Polen vor allem Konsument von Technologien, statt sie selbst mitzuentwickeln.

Der Einsatz ausländischer Technologien ist an sich natürlich kein Problem. Globale Tech-Konzerne sind Teil der modernen Wirtschaft, und Unternehmen brauchen Zugang zu den besten Lösungen – unabhängig davon, aus welchem Land sie stammen. Kritisch wird es aber, wenn der lokale Markt wächst, die heimische Eigentumsrechte an geistigem Eigentum, das Kapital und die Infrastruktur jedoch nicht im gleichen Tempo zulegen.

"Digitalisierung ist entscheidend, um ein starkes Wachstum des BIP pro Kopf zu erreichen. Sie erhöht die Einnahmen aus internationaler Geschäftstätigkeit, stärkt die polnische Wirtschaft und schafft vor allem langfristige, gut bezahlte Arbeitsplätze für polnische Talente“, sagt Sam Sacli, Executive Chairman der Euromatch Group, im Gespräch mit Euronews.

Digitalisierung treibt Dienstleistungssektor an

Die wachsende Bedeutung der Technologie zeigt sich auch in der Struktur der gesamten Wirtschaft. Dienstleistungen zählen inzwischen zu den wichtigsten Triebkräften des polnischen Wachstums. Nach Angaben des Statistikamts GUS stieg die Dienstleistungsproduktion im September 2025 im Jahresvergleich um 7,5 Prozent. Besonders dynamisch legten Informations- und Kommunikationsdienste zu, mit einem Plus von 11,5 Prozent.

Noch stärker wuchs der Informationsdienstleistungssektor insgesamt, hier erreichte das Wachstum 23,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Daten belegen, dass Digitalisierung längst kein eigenständiges Segment mehr ist. Sie durchdringt Finanzdienstleistungen, Handel, Medien, Logistik, Industrie und Verwaltung. Zugleich hat Polen noch Luft nach oben: Zwischen 2019 und 2024 stieg der Wert des Dienstleistungsexports von 62 Milliarden Euro auf rund 107 Milliarden Euro – ein Zuwachs von mehr als 70 Prozent.

"Die Vereinigten Staaten haben gezeigt, welche Stärke eine dienstleistungsbasierte Wirtschaft entwickeln kann. Wir sind überzeugt, dass Polen über Talente und Potenzial verfügt, um eine eigene, moderne und weltweit konkurrenzfähige Dienstleistungsökonomie aufzubauen – eine, die mehr Chancen und besser bezahlte Jobs für die nächste Generation schafft“, sagt Sam Sacli von der Euromatch Group.

Polnische Unternehmen liegen weiter hinter EU zurück

Der polnische Digitalisierungsprozess wirkt paradox: Einerseits gibt es sehr fortgeschrittene Nutzer von Technologien, andererseits ist der Digitalisierungsgrad vieler Unternehmen weiterhin zu niedrig.

Nach einem Bericht der staatlichen Agentur PARP erreichen 61 Prozent der polnischen Unternehmen ein grundlegendes Digitalisierungsniveau, im EU-Durchschnitt sind es 69 Prozent. Noch größer ist der Abstand beim Einsatz von Cloud-Lösungen: Darauf greifen nur 19 Prozent der polnischen Firmen zurück, während der EU-Schnitt bei 34 Prozent liegt. Die Nutzung von Big Data und künstlicher Intelligenz nimmt ebenfalls zu, bleibt aber weiter unter dem europäischen Durchschnitt.

Die Zahlen zeigen, dass Polens digitale Transformation zwei Gesichter hat. Die fortschrittlichsten Unternehmen nutzen moderne KI-Werkzeuge, Automatisierung und Datenanalyse, während andere Betriebe erst die elementaren Schritte der Digitalisierung nachholen. Das kann die Expansion ins Ausland erschweren, auch wenn die Lage komplexer ist.

"Wachstum auf neuen Märkten braucht mehr als nur Technologie. In regulierten Branchen zählen auch die passende Infrastruktur, Kenntnis der lokalen Anforderungen und die Fähigkeit, langfristiges Vertrauen aufzubauen“, sagt Sacli.

Polens digitale Wirtschaft: wie geht es weiter?

Das bisherige Modell – erprobte Technologien aus dem Ausland schnell zu übernehmen – hat Polen geholfen, einen großen Teil seines Rückstands zu stärker entwickelten Volkswirtschaften aufzuholen. Für die nächste Phase des globalen Wettbewerbs könnte das nicht mehr ausreichen.

Die Regierung hat im Juni 2026 die Strategie zur Digitalisierung des Staates bis 2035 beschlossen. Das Dokument soll einen langfristigen Rahmen für die digitale Entwicklung schaffen und Maßnahmen in diesem Bereich besser koordinieren. Der nationale Fahrplan umfasst 55 Maßnahmen mit einem Gesamtbudget von 12,4 Mrd. Euro.

Ein Ziel ist auch, die strategische technologische Unabhängigkeit zu stärken. Programme aus dem Wiederaufbauplan KPO unterstützen Investitionen in digitale Technologien, die die Abhängigkeit der EU von Anbietern aus Drittstaaten verringern sollen.

Entscheidend ist damit nicht nur, wie schnell Polen digitalisiert. Es geht darum, ob die Digitalisierung Wertschöpfung im eigenen Land erzeugt.

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