Weltweit arbeiten erstmals mehr als fünf Millionen Industrieroboter. Wachstum kommt vor allem aus China und den USA, Europa und Deutschland verlieren an Tempo. Und die viel beschworenen Humanoiden? Sie sind bislang kaum mehr als ein Testlauf.
Der weltweite Bestand an Industrierobotern ist im vergangenen Jahr um 9 Prozent gestiegen und liegt nun bei rund 5,08 Millionen Einheiten. Das geht aus dem jährlichen Bericht "World Robotics" der International Federation of Robotics (IFR) hervor, der am vergangenen Donnerstag erschien.
Die IFR mit Sitz in Frankfurt ist eine gemeinnützige Organisation. Sie beobachtet die Branche seit fast drei Jahrzehnten und vertritt mehr als 3.000 Organisationen weltweit.
Dem Bericht zufolge stieg die Zahl der neu installierten Industrieroboter um 11 Prozent. Sie übertraf erstmals die Marke von 600.000 und erreichte 603.000 Einheiten.
"Die industrielle Automatisierung schreitet mit hoher Geschwindigkeit voran", sagte IFR-Präsidentin Jane Heffner. "Die neue Marke von fünf Millionen Robotern, die weltweit in Fabriken im Einsatz sind, ist mehr als doppelt so hoch wie vor sieben Jahren. Das stärkste Wachstum sehen wir in Asien, gefolgt von Amerika. Europa kommt deutlich langsamer voran."
Europa baut vorsichtig aus
Die langsamere Entwicklung in Europa zeigt sich klar in den Zahlen. Der Bestand in der EU hat 2025 erstmals die Marke von 700.000 Robotern überschritten und liegt nun bei 712.000 Systemen. Das sind 84 Prozent aller in Europa eingesetzten Roboter.
"Die Industrie der EU hat erheblich in Automatisierung investiert", sagte Heffner. Seit 2015, als der Bestand bei 390.000 lag, ist er um mehr als 80 Prozent gewachsen.
Derzeit stockt das Wachstum jedoch. Die Zahl der Neuinstallationen in der EU sank 2025 um 11 Prozent auf 60.500 Einheiten, während sie in anderen Regionen zulegte. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate über fünf Jahre liegt mit 3 Prozent vergleichsweise niedrig.
Deutschland bleibt mit großem Abstand der größte Markt Europas und steht für 41 Prozent der EU-Installationen. Die Zahl der neu installierten Roboter fiel dort jedoch um 8 Prozent auf unter 25.000. Grund ist der Rückzug der Automobilbranche, die noch immer der wichtigste Einzelkunde ist.
Es folgen Italien, Frankreich und Spanien. Dort kamen jeweils zwischen 4.300 und 7.800 Roboter hinzu, in allen drei Ländern gingen die Installationen aber zweistellig zurück.
China baute seinen Vorsprung im selben Zeitraum aus. Im Land wurden 354.000 Roboter installiert, ein Plus von 20 Prozent. Damit vereint China inzwischen 59 Prozent der weltweiten Installationen auf sich. Die USA haben Japan überholt und sind nun der zweitgrößte Markt der Welt. Sie installierten knapp 38.500 Einheiten, ein Zuwachs von 12 Prozent.
Humanoide: Der Realitätscheck
Humanoide Roboter bilden im Vergleich zu etablierten Industrierobotern weiterhin einen sehr kleinen Markt. Nach Angaben der IFR, die die Kategorie erstmals gesondert erfasst hat, wurden im vergangenen Jahr weltweit nur rund 7.000 humanoide Systeme für industrielle und professionelle Zwecke verkauft.
Viele dieser Maschinen wurden angeschafft, um Daten für das Training von KI-Modellen zu gewinnen, nicht um tatsächlich Arbeit zu übernehmen. Autohersteller, die Humanoide testen, setzen in ihren Pilotprojekten in der Regel weniger als zehn davon ein.
Die Bank of America rechnet dennoch mit 90.000 ausgelieferten Humanoiden in diesem Jahr und mit 1,2 Millionen bis 2030.
Wie groß die Kluft zwischen Ambition und Realität ist, zeigt sich auch an den Finanzmärkten. Boston Dynamics, ein Unternehmen im Besitz von Hyundai, dürfte im kommenden Jahr kaum an die Börse gehen. Ein hochrangiger Hyundai-Manager sagte in diesem Monat, der Humanoide Atlas sei noch nicht im großen Stil im Einsatz, und das Unternehmen schreibe weiterhin Verluste.
In China sollen Aufsichtsbehörden mit informellen Hinweisen versucht haben, Börsengänge von Herstellern humanoider Roboter zu bremsen. Zuvor waren die Aktien des Roboterbauers Unitree bei ihrem Börsendebüt am 19. August in Shanghai auf das Fünffache gestiegen und anschließend um 55 Prozent vom Höchststand gefallen.
Auch Tesla-Chef Elon Musk äußerte sich ungewöhnlich offen über die Schwierigkeiten beim Optimus-Programm. "Dies wird das schwierigste Produkt, dessen Fertigung wir bei Tesla jemals hochfahren wollten, weil an diesem Roboter alles neu ist", sagte Musk in der Telefonkonferenz zu den Zahlen des zweiten Quartals. Er fügte hinzu: "Es gibt keine Lieferkette."
In China sollen Aufsichtsbehörden mit informellen Hinweisen versucht haben, Börsengänge von Herstellern humanoider Roboter zu bremsen. Zuvor waren die Aktien des Roboterbauers Unitree bei ihrem Börsendebüt am 19. August in Shanghai auf das Fünffache gestiegen und anschließend um 55 Prozent vom Höchststand gefallen.
Auch Tesla-Chef Elon Musk äußerte sich ungewöhnlich offen über die Schwierigkeiten beim Optimus-Programm. "Dies wird das schwierigste Produkt, dessen Fertigung wir bei Tesla jemals hochfahren wollten, weil an diesem Roboter alles neu ist", sagte Musk in der Telefonkonferenz zu den Zahlen des zweiten Quartals. Er fügte hinzu: "Es gibt keine Lieferkette."
Wo der eigentliche Wert liegt
Zu einem ähnlichen Befund kommt ein Bericht der Beratungsfirma Arthur D. Little aus Brüssel, der in diesem Jahr erschien. "Humanoide Roboter werden Aufmerksamkeit gewinnen, spezialisierte physische KI wird den Wert schaffen", heißt es darin.
Der Begriff "physische KI" steht als Sammelbezeichnung für Maschinen, die ihre Umgebung wahrnehmen, Entscheidungen treffen und in der realen Welt handeln. Dazu zählen Roboterarme ebenso wie selbstfahrende Autos.
Den gesamten Markt schätzt der Bericht heute auf rund 18 Milliarden Dollar (15,8 Milliarden Euro). Auf Humanoide entfallen demnach lediglich 2 bis 3 Milliarden Dollar (1,75 bis 2,63 Milliarden Euro). Bis 2030 soll der Markt insgesamt auf 60 bis 100 Milliarden Dollar wachsen (52,7 bis 87,9 Milliarden Euro).
Viele Vorführungen humanoider Roboter seien "gefälscht, KI-generiert oder stark inszeniert", warnt der Bericht. Echte Demonstrationen zeigten häufig vorprogrammierte Abläufe oder Einsätze, die Menschen aus der Ferne steuern.
Den größten Nutzen sieht die Studie in klar strukturierten Umgebungen wie Fabriken und Lagerhallen. Dort dürften klassische Roboterarme und fahrende Plattformen zuerst im großen Stil zum Einsatz kommen, weil sie günstiger sind und sich leichter an konkrete Aufgaben anpassen lassen.
"Warum sollten wir uns darauf beschränken, die menschliche Körperform nachzuahmen?", fragt Dave Grant, Geschäftsführer von PickNik Robotics, in dem Bericht.
Als große Hürden für Humanoide gelten die fehlende menschliche Fingerfertigkeit, eine verlässliche Autonomie außerhalb kontrollierter Umgebungen und das Fehlen einer "Killer-Anwendung". Hinzu kommen ungeklärte Fragen zu Haftung und Versicherung.
Siemens hat in seinem Werk in Erlangen einen Roboter für logistische Aufgaben getestet, und BMW setzt einen Humanoiden in der Auto- und Batterieproduktion ein. Diese Projekte stehen allerdings neben dem Fazit der IFR: Die meisten Humanoiden befinden sich weiterhin im Prototyp- oder Pilotstadium, während klassische Industrieroboter für die Fabrikarbeit vorerst wirtschaftlicher bleiben.
Die Robotik-Geschichte des Jahres handelt deshalb nicht von Humanoiden. Sie erzählt von einem langsameren, stetigen Ausbau von Maschinen, die schon jetzt zuverlässig arbeiten.