Mitten am Tag wird es dunkel: Am 2. August 2027 zieht die längste Sonnenfinsternis des Jahrhunderts über Südspanien und Nordafrika. Dazu kommen Longevity-Retreats mit Gesundheitscheck, Reisen ohne Plan und Ziele weit abseits von Bali. Das sind die Trends, die das Reisejahr prägen könnten.
Das Reisen verändert sich ständig, und 2027 bringt viele neue Wege, die Welt zu entdecken. Das Spektrum reicht von Urlauben rund um Gesundheit und Langlebigkeit bis zu langsameren, bewussteren Auszeiten. Urlauber gehen immer wählerischer damit um, wie sie ihre freie Zeit nutzen.
Für Astronomie-Fans wird das kommende Jahr riesig. Im August steht die "Jahrhundertfinsternis" an, sichtbar in Teilen Südspaniens und Nordafrikas. Wer sich auskennt, lässt Bali links liegen und erkundet unbekanntere Regionen Indonesiens. Viele Reisende dürften 2027 über die üblichen Ziele hinausschauen, Zeitpunkt und Ort ihrer Reise neu überdenken und Orte wiederentdecken, die lange übersehen wurden.
Die Redaktion von Euronews Travel sagt voraus, welche Trends das Reisejahr bestimmen.
Der Blick zum Himmel
2026 war schon ein großes Jahr für Sternenfans. Die Mission Artemis II hat erfolgreich die Mondumrundung absolviert. Eine Sonnenfinsternis tauchte Teile Spaniens und Islands für mehr als zwei Minuten in Dunkelheit.
2027 wird noch spektakulärer: Am 2. August folgt die "Jahrhundertfinsternis", und Artemis III ist für irgendwann im Jahr geplant. Ihren Beinamen verdankt die Finsternis der Tatsache, dass sie die längste totale Sonnenfinsternis des 21. Jahrhunderts über leicht zugänglichem Land ist. In ägyptischen Städten nahe dem Punkt der maximalen Verfinsterung verschwindet die Sonne mehr als sechs Minuten hinter dem Mond.
Auch Spanien profitiert: In Städten wie Cádiz, Marbella und Málaga ist die Finsternis total zu sehen. Beobachten lässt sie sich außerdem in Marokko, Tunesien, Algerien und Saudi-Arabien.
Zusätzlich feiert "Star Wars" seinen 50. Geburtstag. Neben neuen Wiederaufführungen des Originals in den Kinos dürften auch Reisen zu ikonischen Drehorten wieder gefragt sein, etwa zu den Kalksteinfelsen von Guilin, zum Comer See oder ins Wadi Rum. Set-Jetting mit einer Prise Nostalgie.
Jenseits der Zweitstädte: Orte abseits der Touristenströme
Schon Anfang des Jahres galt der Appell den "Zweitstädten" Europas, die viele wegen der großen Touristenmagnete übersehen. Dazu zählen Basel mit seiner lebendigen Kunstszene und Cambridge mit seinen Stakefahrten auf dem Cam.
2027 könnte dieser Trend weitergehen. Reisende suchen zunehmend Ziele, die auf den touristischen Landkarten kaum auftauchen. Soziale Medien beeinflussen weiterhin stark, wie wir Reisen entdecken und planen. Sie können aber auch einen unbekannten Ort in kürzester Zeit zum überlaufenen Hotspot machen.
Laut einer Untersuchung von Skift will bis zu 42 Prozent der Reisenden überfüllte Orte aktiv meiden. Die Suche nach langsamerem, ruhigerem Reisen könnte deshalb sogar Zweit- und Drittstädte etwas an Reiz verlieren lassen. Mehr Besucher könnten dann nach Toyama in Japan kommen statt nach Tokio oder Osaka. Die Präfektur liegt gut eine Flugstunde von der Hauptstadt entfernt. Sie setzt auf ländlichen Charme und bietet eine entschleunigte Auszeit in den Bergen mit Panoramarouten und lokalen Spezialitäten.
Zum Jahreswechsel könnten zudem mehr Destinationen nicht nur unbekannte Orte fördern, sondern auch Besucherströme besser steuern. Dubrovniks Bürgermeister Mato Franković erklärte im Gespräch die Strategie "Respect the City" gegen Overtourism in der "Perle der Adria". Ob dieser Ansatz auch anderswo funktionieren könnte, ist offen.
"Chinamaxxing"
Heute lässt sich fast jedes Wort mit "-maxxing" zum Trend machen. Nach Corona strömten zunächst viele Touristen nach Japan. Mit den gelockerten Visabestimmungen erlebt nun offenbar China seinen verdienten Moment.
Bürger aus fast 80 Ländern dürfen inzwischen bis zu 30 Tage visumfrei einreisen. Das reicht kaum, um die futuristischen Städte, die zahlreichen Unesco-Welterbestätten und die atemberaubend vielfältigen Landschaften zu erkunden.
Auch soziale Medien spielen eine Rolle. Als TikTok in den USA im vergangenen Jahr vorübergehend abgeschaltet wurde, wechselten viele Nutzer zu Douyin, der chinesischen Version der App. Die automatische Übersetzung auf X hat zudem dafür gesorgt, dass mehr Menschen mit Nutzern aus China in Kontakt treten.
Vergangene Woche startete die Bezahl-App TenPayGo, die Apple Pay und internationale Karten unterstützt und es ausländischen Reisenden noch leichter macht.
Die "Inception-Reise": Urlaub im Urlaub im Urlaub
Reisen mit mehreren Stationen sind keineswegs neu. Doch immer öfter läuft es nach demselben Muster: Eine Reise wird gebucht, und dann werden weitere Ausflüge hineingeschoben, oft erst nach der Ankunft.
Angelehnt an den Traum im Traum im Traum aus Christopher Nolans Filmepos entstand der Begriff "Inception-Reise". Ein Beispiel ist der Sommer in Spanien. Aus einem Ausflug in die spanischen Pyrenäen mit ein paar Tagen in Barcelona zum Schluss wurde eine deutlich ehrgeizigere Rundreise. Standort war Taüll in der Vall de Boí. Von dort ging es auf Tagesausflüge ins Val d'Aran und über die Berge ins mittelalterliche Aínsa.
Um die Sonnenfinsternis am 12. August zu sehen, fuhr das Team quer durch Nordspanien nach San Sebastián. Erst am selben Morgen fiel die Entscheidung. Die lange Fahrt lohnte sich, nicht nur wegen der Finsternis, sondern auch, weil sich die angesagte Stadt von der Wunschliste streichen ließ. In nur 18 Stunden ließ sich buchstäblich herausfinden, warum sie so beliebt ist.
Die Reisenden dürften 2027 mehr als eine solche Reise unternehmen. Das nächste Ziel steht noch nicht fest. Fast sicher ist aber, dass es nicht die endgültige Route sein wird.
Typ-B-Reisen
Soziale Medien sind ideal, um Städte zu entdecken, an die man nie gedacht hätte. Kaum ist eine Reise gebucht, überschwemmt der Algorithmus den Feed mit Inhalten über den Ort. Das nimmt dem Reisen das Überraschungsmoment. Mehr als zwei Drittel der Touristen sagen, ein Ziel sei ihnen vertraut vorgekommen, weil sie so viele Videos darüber gesehen hatten, obwohl sie nie dort waren.
Deshalb dürften Typ-B-Reisen 2027 ihren großen Moment haben. Spontan und vielleicht etwas chaotisch, bedeuten sie: ohne Pläne und Buchungen an einen neuen Ort kommen und sich vom Bauchgefühl leiten lassen.
Das ist eine natürliche Fortsetzung des Trends von 2026, "Lore" zu sammeln. Dabei tun Urlauber Dinge, die sie sonst nicht täten, um gute Geschichten mit nach Hause zu bringen. Typ-B-Reisen könnten zudem das Problem des Overtourism entschärfen. Wer von einem Ort nie gehört oder gesehen hat, landet auch nicht in der Schlange vor dem nächsten viralen Hotspot.
Neue Wege der Langlebigkeits-Retreats
Auch Longevity-Retreats sind nicht neu. Ihre Ausrichtung dürfte sich 2027 aber ändern. Es geht weniger um die reine Lebensdauer ("Lifespan") als um die "Healthspan": Menschen sollen länger gesund und aktiv bleiben.
Die Retreats setzen weniger auf einen schnellen Wellness-Reset. Sie wollen den eigenen Körper besser verstehen, mögliche Gesundheitsrisiken erkennen und Veränderungen mit nach Hause bringen, die sich dauerhaft durchhalten lassen. Für Reisende kann das Stoffwechseltests und personalisierte Ernährungspläne bedeuten, Schlafanalysen, Bewegungstests und Gespräche mit Ärzten oder anderen qualifizierten Fachleuten. Manche Retreats experimentieren zudem mit Kryotherapie und hyperbarer Sauerstofftherapie.
Neue Angebote gibt es bereits. Die Clinique La Prairie eröffnet im November in Phuket, in der Tri Vananda, einer Wohngemeinschaft für mehrere Generationen. Auf dem Programm stehen präventive Medizin, personalisierte Ernährung, Bewegung und ganzheitliches Wohlbefinden.
In Österreich hat das Naturhotel Forsthofgut in Leogang seinen Wellnessbereich um einen wissenschaftlich fundierten Longevity-Bereich erweitert, das "waldSPA Health". Zu den Gesundheitsprogrammen gehört intermittierendes Hypoxie-Hyperoxie-Training, eine nicht-invasive Sauerstofftherapie, der eine zellverjüngende Wirkung zugeschrieben wird.
Mehr als ein Hotelzimmer: Übernachten als Erlebnis
Sind alle Hotels gleich? Laut einer Untersuchung stimmen bis zu 74 Prozent der Befragten voll oder eher zu, dass sich viele Hotelmarken stark ähneln. Zugleich suchen Reisende im Ausland zunehmend Authentizität. Hotels werden 2027 kaum verschwinden, doch Urlauber dürften neugieriger über sie hinausblicken.
Besondere Unterkünfte sind für viele nicht mehr Nebensache, sondern Teil des Reisegrunds. Marokko reizt etwa mit dem Riad statt dem gewöhnlichen Hotel. Wer sich unter dem Hashtag "#riadmorocco" durch die Bilder scrollt, sieht farbenfrohe, nach innen gebaute Architekturjuwelen. Im Zentrum liegt ein offener Innenhof mit Brunnen.
Japanische Ryokan gehören vermutlich zu den ältesten Hotelformen der Welt, mit Ursprüngen im 8. Jahrhundert. Traditionell haben sie Tatami-Böden aus geflochtenen Strohmatten, Futons und Yukata, leichte kimonoähnliche Gewänder. Ein Aufenthalt beginnt meist mit einem japanischen Frühstück und endet mit einem Kaiseki Ryori, einem mehrgängigen Menü mit Fisch, Suppe und Saisongemüse.
Beliebt sind auch Freiwilligenprogramme, bei denen Gäste einige Stunden pro Woche arbeiten und dafür Unterkunft und Verpflegung erhalten. Ob Tierpflege oder Malerarbeiten: So lassen sich Gleichgesinnte treffen, und in der Freizeit bleibt Zeit, ein neues Ziel ohne Unterkunftskosten zu erkunden.
Indonesien ist mehr als Bali
Bei Indonesien denken die meisten zuerst an Bali. Die Insel ist seit Langem ein Massenziel für Westler, die günstigen Luxus und abwechslungsreiche Landschaft suchen. In jüngster Zeit gibt es jedoch Unmut. Reisende ärgern sich darüber, dass Investoren seit Langem bestehende lokale Betriebe abreißen.
Bei einem Besuch vor zwei Jahren wirkte die Insel überlaufen, mit verstopften Straßen voller Urlauber, die möglichst viele Ziele abhaken wollen. Mit der Beliebtheit stiegen auch die Preise. Teils rivalisieren Unterkunfts- und Essenskosten mit europäischen, ein wichtiger Reisegrund fällt damit weg.
Indonesien ist aber riesig und bietet unzählige wenig besuchte Orte. Naturnahe Reisen abseits der ausgetretenen Pfade gibt es nicht weit von Bali. Direkt nebenan liegt Lombok, mit niedrigeren Preisen, unberührten Stränden, Wasserfällen, endlosen Wandermöglichkeiten und dem Rinjani, dem zweithöchsten Vulkan und Berg des Landes.
Echte Naturfreunde zieht es in den Komodo-Nationalpark, ein Unesco-Welterbe, das zum Schutz des Komodowarans gegründet wurde. Neben den Waranen leben dort etwa das Orangefußhuhn, der Timorhirsch sowie mehrere Wal-, Delfin- und Meeresschildkrötenarten.
Für eine wirklich abgelegene Reise kommt kaum etwas an Raja Ampat heran. Der abgeschiedene Archipel zählt zu den artenreichsten Meeresgebieten der Erde. Er ist nur per Fähre erreichbar und besteht aus Hunderten dschungelbedeckten Inseln. Bekannt ist er für Strände mit tiefblauem Wasser und Korallenriffe voller Meeresleben.
Aktivurlaub in der Stadt: Die City als Fitnessstudio
Sporttourismus ließ sich früher leicht definieren: Fans reisten zu Spielen ihrer Lieblingsteams, oder Teilnehmer machten bei Marathons, Radrennen oder Golf mit. Seit der Pandemie hat sich die Branche stark gewandelt. Outdoor-Abenteuer, Wellness und Fitness gehören inzwischen dazu.
2027 dürfte sich das in Städten und Gemeinden zeigen. Laufen und Gehen sind die klarsten Beispiele. Auf den Tourismusseiten großer Städte finden sich Joggingstrecken und Spaziertouren.
Manche Hotels setzen schon lange darauf. Westin Hotels & Resorts hat weltweit mehr als 150 "Run Concierges". Sie begleiten Gäste bei Gruppenläufen und helfen ihnen, ein Reiseziel beim Sport zu entdecken.
Weil Städtereisende die frische Luft suchen statt nur das Fitnessstudio, dürften mehr Hotels und Destinationen mit Strecken durch Parks und vorbei an Wahrzeichen folgen. Das kann besonders Alleinreisenden und Geschäftsreisenden helfen, die eine aktive Art suchen, eine Stadt zu erkunden.
Der Trend zur "Race-cation" boomt womöglich, doch Läufer brauchen nicht unbedingt ein Event als Reisegrund. Laufen, Radfahren und Fitness werden zunehmend zu Wegen, ein Reiseziel zu erleben.