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Unterirdischer Brand: Feuer in deutschem Kohletagebau ist unlöschbar

Seit mehreren Monaten brennt im ehemaligen Tagebau unterirdisch Kohle ab.(Symboldbild)
Seit mehreren Monaten brennt im ehemaligen Tagebau unterirdisch Kohle ab.(Symboldbild) -  Copyright  Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved
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Von Franziska Müller
Zuerst veröffentlicht am
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Auslöser war ein Waldbrand. Oberirdisch sind kaum noch Flammen zu sehen, doch unter der Erde glimmt das Feuer weiter. Auf einem ehemaligen Braunkohleareal in Thüringen könnte der Schwelbrand noch Jahre andauern.

Als Ende Juni 2026 ein Waldbrand zwischen Meuselwitz, Mumsdorf und Falkenhain in Thüringen ausgebrochen war, ahnten die Feuerwehrkräfte noch nicht, dass das Feuer noch monatelang weiterbrennen wird. Was als Waldbrand begann, hat sich zu einem unterirdischen Schwelbrand entwickelt. Auf einem ehemaligen Braunkohleareal in Thüringen glimmen kohlehaltige Ablagerungen weiter. Experten gehen inzwischen davon aus, dass es Jahre dauern könnte, bis das Feuer vollständig gelöscht ist.

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Grund dafür ist die Beschaffenheit des Gebietes selbst. Früher lag genau dort ein Tagebau zur Gewinnung von Braunkohle. Das wird dem Boden zum Verhängnis: Die Hinterlassenschaften des früheren Tagebaus erschweren die Löscharbeiten erheblich. Oberirdisch sind kaum noch Flammen zu sehen, doch aus dem Boden steigt weiterhin Rauch auf. Die unterirdischen kohlehaltigen Ablagerungen glimmen weiter.

Blick auf das Kohletrübebecken bei Mumsdorf
Blick auf das Kohletrübebecken bei Mumsdorf LMBV RL Rusendorf Drohne

Was genau ist ein Schwelbrand?

Bei einem Schwelbrand verbrennt das Material nicht mit offenen Flammen, sondern glimmt unter geringer Sauerstoffzufuhr langsam weiter. Das macht solche Brände besonders schwer zu löschen: Das Feuer kann sich unterirdisch ausbreiten und über lange Zeit unbemerkt weiterbestehen.

Ein unterirdischer Schwelbrand lässt sich wesentlich schwerer löschen als ein oberirdischer Waldbrand. Die Arbeiten zur Brandeindämmung dauern bereits seit drei Monaten, seit dem Ausbruch am 27. Juni. In der Umgebung gibt es der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) zufolge nur eingeschränkt Wasser für Löscharbeiten. Darüber hinaus darf die Brandfläche aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden.

Derzeit liegt der Fokus der Einsatzkräfte darauf, dass sich der Brand nicht weiter auf angrenzende Wald- und Wiesenflächen ausbreitet. Um das zu verhindern, wurde die Schutzschneise um den Brandherd um bis zu 50 Meter erweitert. Mit Sprinkleranlagen werden die Randbereiche bewässert. Täglich überfliegen Drohnen das Gebiet zur Kontrolle.

Feuerwehrkräfte konnten den Waldbrand löschen. Nicht aber den Schwelbrand unter der Erde.
Feuerwehrkräfte konnten den Waldbrand löschen. Nicht aber den Schwelbrand unter der Erde. ChristianKortuem LMBV Loeschhubschrauber Meuselwitz

Löschhubschrauber sind hier nutzlos, weil sie lediglich die Oberfläche erreichen können. Deshalb haben die Verantwortlichen einen mehrmonatigen Lösch- und Sicherungsplan entwickelt. Zunächst soll die Rauch- und Geruchsbelästigung minimiert werden. Deshalb wird das schwelende sogenannte Kohletrübebecken oberflächlich benetzt. Kohletrübe ist ein Gemisch aus Wasser, Kohlenstaub und Kohlepartikel, das über Jahrzehnte hinweg in das Becken eingespült wurde, wo sich die Feststoffe über viele Jahre ablagerten. Anschließend soll dieser Brandbereich nach Angaben der LMBV mit einer zwei Meter dicken Schicht abgedeckt werden, welche die Sauerstoffzufuhr abschneidet. Diese sogenannte Auferdung - also das Abdecken des Brandherdes mit einer dicken Erdschicht - soll die Sauerstoffzufuhr unterbinden.

Maßnahmen gegen den Schwelbrand

Dafür werden die Einsatzkräfte mehrere Hunderttausend Kubikmeter Wasser benötigen, das derzeit aus dem Restloch Zipsendorf entnommen wird. Ein Prozess, der erst in mehreren Wochen beginnen kann wird, da zunächst zwei Rohrleitungen über vier Kilometer gebaut werden müssen. Zusätzlich ist der Bau eines Brunnens geplant. Beides soll bis November abgeschlossen werden.

Bis spätestens Januar 2027 ist dann die Flutung der Brandstelle geplant, wie Bernd Sablotny, Sprecher der Geschäftsführung der LMBV, auf einer Infoveranstaltung in Meuselwitz erklärte. "Wir arbeiten mit großer Anstrengung an der schnellstmöglichen Umsetzung der Maßnahmen", versicherte Sablotny. Bei einer Informationsveranstaltung in Meuselwitz erklärte Sablotny, dass es keine Verzögerungen durch aufwendige Genehmigungsverfahren geben solle. Vertreter der zuständigen Behörden bestätigten dies. Damit reagierten sie auf die Sorgen zahlreicher Anwohner beim Bürgerdialog

Externe Sachverständige untersuchen die Rauchgas-Emissionen aufgrund von Beschwerden über Atemwegsreizungen und Geruchsbelästigung.
Externe Sachverständige untersuchen die Rauchgas-Emissionen aufgrund von Beschwerden über Atemwegsreizungen und Geruchsbelästigung. ChristianKortuem LMBV Loeschhubschrauber Meuselwitz

Nach Angaben der zuständigen Behörden sind keine Auswirkungen auf das Grundwasser zu erwarten. Der beabsichtigte Bau der vier Kilometer langen Rohrleitung ist auch in einem Naturschutzgebiet möglich, da es um den Schutz der Bevölkerung gehe, wie zusätzlich die Gemeinde Elsteraue in einer Mitteilung bekräftigte.

Zur Bekämpfung des unterirdischen Brandes soll das Kohletrübebecken zunächst gezielt oberflächlich benetzt werden. Bis zur Umsetzung der langfristigen Sicherungsmaßnahmen laufen die Arbeiten zur Brandbekämpfung kontinuierlich weiter.

Konsequenzen für Anwohner

Im Umfeld des Schwelbrandes und in den nächstgelegenen Orten werden inzwischen auch regelmäßige Luftmessungen durchgeführt. Anwohner haben bereits über Atemwegsreizungen und Geruchsbelästigungen geklagt, je nach Windstärke und Windrichtung sind unterschiedliche Gemeinden betroffen.

Die Stadt Meuselwitz ist inzwischen dazu verpflichtet, externe Sachverständige für ein Messprogramm anzustellen, wie der Burgenlandkreis in einer Mitteilung erklärte. Damit soll überprüft werden, ob eine Gefährdung der Bevölkerung besteht. Dabei werden beispielsweise die Anteile von Kohlenmonoxid, Sauerstoff, Kohlenstoffdioxid, Methan sowie Schwefelwasserstoff in der Luft nachgewiesen. Die LMBV spricht derzeit von "unauffälligen" Messungen.

Das Kohletrübebecken, in dem unterirdisch weiterhin Kohle im Boden liegt, brennt seit mehreren Wochen.
Das Kohletrübebecken, in dem unterirdisch weiterhin Kohle im Boden liegt, brennt seit mehreren Wochen. LMBV

Auch in anderen Gemeinden, etwa Elsteraue, wird die Luft untersucht. Bislang gab es laut dem Burgenlandkreis keine Auffälligkeiten. Die Gemeinde selbst hat in einer Mitteilung die Zusammenarbeit mit den Nachbarorten bestätigt.

Warum kam es überhaupt zum Waldbrand?

Als Ursache für den Waldbrand am 27. Juni wird derzeit ein Kontakt zwischen einer Hochspannungsleitung mit einem Baum vermutet. Ende Juni war nur eine der Hitzewellen, die Deutschland in diesem Sommer heimgesucht hatte. In mehreren Regionen wurden Temperaturen über 40 Grad Celsius gemessen.

Nach bisherigen Erkenntnissen könnte die Leitung aufgrund der hohen Temperaturen stärker durchgehangen haben und mit dem Baum in Berührung gekommen sein. Daraus könnte das Feuer entstanden sein.

Anschließend breitete sich der Brand auf das sogenannte Kohletrübebecken aus und entzündete kohlehaltige Ablagerungen knapp unter der Erde. Im Untergrund schwelen diese nun seit etwa drei Monaten weiter. Bisher wird die Brandursache allerdings noch weiter untersucht, eine endgültige Bestätigung steht noch aus.

Kohlebau im Altenburger Land

Im ehemaligen Tagebau Phönix wurde Braunkohle abgebaut. Das Braunkohlerevier war in sechs Tagebaue aufgeteilt, die kurz nach 1900 in Betrieb genommen wurden und bis in die 1960er Jahre ausgekohlt wurden. Nach Stilllegung entstanden unter anderem der Rusendorfer See sowie der Prößdorfer See und das Restloch Zipsendorf. In der Fachsprache spricht man auch von Restlöchern.

Der Braunkohleabbau im Altenburger Land wurde in den 1970er Jahren eingestellt. Brikettfabriken und Kraftwerke an mehreren Standorten blieben jedoch bis 1990/91 in Betrieb.

Das heutige Kohletrübebecken entstand im Wesentlichen während des Betriebs der Brikettfabrik Phönix. Dort fielen bei der Brikettherstellung im Nassbetrieb große Mengen an Kohletrübe an, wie es in einer Mitteilung der LMBV heißt.

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