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Kyrylo Budanov: Europas Sicherheit ohne die USA wäre sehr gefährlich

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Kyrylo Budanov, Leiter des Präsidialamts der Ukraine, im Interview mit Euronews in der Ukraine.
Kyrylo Budanov, Leiter des Präsidialamts der Ukraine, im Euronews-Interview in Kyjiw. -  Copyright  Euronews
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Von Sasha Vakulina
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In einem Exklusivinterview mit Euronews warnte der Chef des ukrainischen Präsidialamts vor einer europäischen Sicherheitsordnung ohne die USA und skizzierte Kyjiws Pläne für eine engere Verteidigungszusammenarbeit mit Europa.

Russlands immer heftigere Luftangriffe auf die Ukraine zielen darauf ab, die Zivilbevölkerung zu zermürben und einzuschüchtern. Das sagte Kyrylo Budanov, Leiter des Präsidialamts der Ukraine, im exklusiven Gespräch mit Euronews.

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„Zivilisten werden getötet – Frauen, Kinder, ältere Menschen, Veteranen des Zweiten Weltkriegs“, sagte Budanov. „Das ist wirklich furchtbar, besonders, wenn Kinder sterben.“

Budanov bezeichnete Russlands Vorgehen als „klassischen Terrorismus“. Ziel sei nicht nur, Schaden zuzufügen, sondern die Menschen gezielt in Angst zu versetzen.

Auf die Frage, ob Moskau hoffe, die Ukrainer durch anhaltende Angriffe zu ermüden und so den Druck auf die Regierung für Zugeständnisse zu erhöhen, antwortete er ohne Zögern: „Ja, daran glauben sie.“

Gleichzeitig widersprach Budanov der Einschätzung, Russland passe sich schneller an als die Ukraine, auch wenn Moskau schnellere Strahltriebwerksdrohnen einsetze, Flugrouten verändere und komplexe kombinierte Angriffe fliege.

„Ich glaube grundsätzlich nicht, dass Russland sich schneller anpasst als wir“, sagte er.

Stattdessen arbeite die Ukraine daran, neue technische Lösungen zu entwickeln und einzusetzen, um die Folgen der Angriffe zu verringern. Der Schutz der Zivilbevölkerung sei dabei die „Aufgabe Nummer eins“.

Drohnenkrieg: Ukraine skaliert neue Abfangsysteme

Eine dieser Lösungen ist eine neue Generation ukrainischer Abfangsysteme gegen die schnellen russischen Strahltriebwerksdrohnen.

Nach Budanovs Darstellung haben die Systeme die reine Testphase verlassen und kommen bereits experimentell im Gefecht zum Einsatz.

„Die Frage ist jetzt, diese Technologie hochzufahren“, sagte er.

„Es sind noch technische Verbesserungen nötig. In den meisten Fällen fangen sie russische Strahltriebwerksdrohnen ab, aber es bleibt Arbeit. Und dann stellt sich die Frage der Massenproduktion.“

Budanov ist überzeugt, dass die Ukraine die nötige Produktionsgröße noch vor der schwierigsten Phase erreicht: dem kommenden Winter.

Sein Vertrauen beruhe darauf, dass er die Technologie und die Fertigung selbst gesehen habe.

„Ich habe diese Entwicklungen gesehen, und ich habe die Produktion gesehen“, sagte Budanov. „Ich verfolge, wie sich der technologische Zyklus entwickelt. Sie werden es rechtzeitig schaffen.“

Vertiefte Verteidigungskooperation mit Europa

Die neuen ukrainischen Verteidigungstechnologien könnten Teil engerer industrieller Partnerschaften mit europäischen Staaten werden.

Mehrere Länder haben bereits im Rahmen der sogenannten Drohneninitiative der Ukraine Kooperationsabkommen mit Kyjiw geschlossen.

Gefragt, ob die jüngsten Technologien zur Abwehr von Strahltriebwerksdrohnen später in solche Abkommen einfließen könnten, antwortete Budanov: „Alle, die solche Vereinbarungen mit uns getroffen haben, haben gewissermaßen das Recht, die Verhandlungen über konkrete Produkte fortzusetzen.“

Gleichzeitig machte er deutlich, dass der Bedarf der Ukraine Vorrang hat.

„Wir können die Nachfrage anderer Länder bedienen, wenn wir zuerst den Bedarf unseres eigenen Landes an solchen Produkten gedeckt haben“, sagte er.

Budanov erklärte, die künftige verteidigungsindustrielle Zusammenarbeit mit europäischen Partnern könne unterschiedliche Formen annehmen. Dazu zählten Gemeinschaftsunternehmen und teils auch Produktionsstätten im Ausland mit ukrainischen Ingenieuren und geteilter Eigentümerschaft.

Solche Standorte ergäben Sinn, wenn sie Vorteile böten und die Ukraine weiterhin Hauptabnehmer bleibe. Bestimmte Schlüsseltechnologien sollten aus seiner Sicht jedoch im Land bleiben.

Auf die Frage, was die Ukraine in europäische Verteidigungspartnerschaften einbringen könne, was Partner nicht ebenso schnell selbst entwickeln könnten, nannte Budanov zwei Stärken: „Die Geschwindigkeit bei der Umsetzung von Innovation und die Geschwindigkeit beim Hochfahren der Produktion – mit anderen Worten, bei der Massenproduktion.“

Ohne USA: „sehr gefährlich“ für Europa

Über die industrielle Zusammenarbeit hinaus sagte Budanov, es sei noch zu früh, die Rolle der Ukraine in einer künftigen europäischen Sicherheitsordnung zu definieren. Dieses Architekturmodell existiere schlicht noch nicht.

„Wie wird die künftige Sicherheitsarchitektur Europas überhaupt aussehen?“ fragte er. „Darauf gibt es im Moment keine Antwort, aber alle arbeiten daran.“

Sobald ein solches System festgelegt und formell vereinbart sei, werde die Rolle jedes beteiligten Landes klarer.

Gefragt, ob eine Sicherheitsordnung ohne die Vereinigten Staaten funktionieren könne, wurde Budanov deutlicher.

„Ich denke, diejenigen, die diese Doktrin ausarbeiten, müssen völlig unterschiedliche Optionen berücksichtigen“, sagte er. „Aber mir scheint, das ist eine schlechte Option. Eine sehr schlechte, sehr gefährlich für Europa.“

Ukraines Finanzbedarf und wirtschaftliche Perspektiven

Budanov sprach auch über den unmittelbaren Finanzbedarf der Ukraine. Kyjiw sehe bereits, wie sich ein Großteil davon decken lasse.

„Wir können sehen, wo ein Großteil definitiv abgedeckt werden kann“, sagte er mit Blick auf laufende Verhandlungen zwischen der Ukraine, dem Internationalen Währungsfonds und der Europäischen Kommission.

Der Finanzbedarf werde sich ändern, solange der Krieg sich weiterentwickele.

„Schauen Sie, was jetzt mit russischen Raketen- und Drohnenangriffen passiert“, sagte er. „Offensichtlich wird an manchen Stellen mehr benötigt, an anderen weniger. In der Summe gleicht sich das aus.“

Budanov unterschied jedoch klar zwischen der kurzfristigen Kriegsfinanzierung und der Frage, wie die ukrainische Wirtschaft langfristig aussehen soll.

Auf längere Sicht befürwortet er eine liberale, freie Wirtschaft mit begrenzter staatlicher Einmischung, dazu eine berechenbare Steuerpolitik und innere Stabilität.

„Aber im Moment müssen wir überleben“, sagte Budanov. „Das ist unsere Hauptaufgabe – hier und jetzt zu überleben.“

Der Verteidigungssektor brauche eine eigene Herangehensweise, besonders bei militärtechnischer Zusammenarbeit und Rüstungsexporten.

„In jedem zivilisierten Land der Welt werden Waffen nicht einfach überallhin verkauft“, sagte er. „Und die Ukraine wird da keine Ausnahme sein. Es muss schlicht strenge, transparente und für alle verständliche Regeln geben.“

Derzeit bleiben ukrainische Rüstungsexporte begrenzt, weil das Land die Waffen im Krieg selbst benötigt.

Gefragt, wie Erfolg für die Ukraine in einigen Jahren aussehen würde – wirtschaftlich, bei Investitionen und bei der Rückkehr von Ukrainerinnen und Ukrainern – gab Budanov eine kurze Antwort:

„Ein Platz in den Weltranglisten, der nicht derjenige ist, den wir jetzt haben.“

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