Für viele Menschen sind Hunde und Katzen längst mehr als Haustiere: Sie gelten durch eine "Vermenschlichung“ nicht selten als vollwertige Familienmitglieder, manchmal sogar als Kinderersatz – und wer würde bei der Familie sparen? Allein Kleidung für Tiere ist so zu einem Riesengeschäft geworden.
Ein Hunde-Hoodie hier, eine Regenjacke für den nächsten Spaziergang bei Schmuddelwetter da, oder ein Katzen-Pyjama für die Nacht: Haustiere werden längst nicht mehr nur gefüttert und ausgeführt, sondern auch überall mit hingenommen und stilvoll eingekleidet. Was früher als schräge Nische belächelt wurde, ist längst ein globales Geschäft. Der Markt für Haustierkleidung (Pet Apparel) hat sich in den vergangenen Jahren rasant entwickelt und ist inzwischen zu einem Multi-Milliarden-Euro-Business gewachsen.
Branchenanalysen von Fortune Business Insights (FBI), einem Marktforschungs- und Beratungsunternehmen, und Market Data Forecast (MDF), einem Anbieter von Markt- und Branchenanalysen, beziffern den weltweiten Markt für Haustierbekleidung im Jahr 2026 auf rund 5,5 bis 6,4 Milliarden Euro. Bis 2034 könnte das Marktvolumen ihren Prognosen zufolge auf rund 8,8 bis 9,7 Milliarden Euro anwachsen.
Europa gehört zu den wichtigsten Märkten
Europa zählt zu den bedeutenden Absatzmärkten für Haustierbekleidung. 2025 wurde allein der europäische Markt auf rund 1,51 Milliarden Euro geschätzt, was einem Anteil von 28,47 Prozent am weltweiten Umsatz entspricht. Für 2026 wird ein Anstieg auf etwa 1,60 Milliarden Euro erwartet.
Zu den wichtigen Märkten gehören unter anderem Großbritannien, die Niederlande und Deutschland – Länder mit einer hohen Zahl an Haustieren. In den Niederlanden lebten laut Daten der Branchenorganisationen "Companion Animals und Dibevo“ bereits 2019 in 48 Prozent der Haushalte mindestens ein Haustier. Auch der zunehmende Trend, Katzen zu pflegen und zu stylen, könnte insbesondere in Deutschland und Italien zusätzliche Nachfrage schaffen, so die Analysen.
Auch in anderen Regionen der Welt entwickelt sich der Markt. In Südamerika könnte die zunehmende Beliebtheit von Aktivitäten mit Haustieren im Freien die Nachfrage nach praktischer Kleidung wie Schutzwesten, Jacken und Kapuzenpullovern steigern. Im Nahen Osten wiederum sorgen unter anderem Veranstaltungen und Festivals rund um Haustiere für zusätzliche Aufmerksamkeit. Solche Events können insbesondere die Nachfrage nach Kostümen und festlicher Kleidung für Hunde ankurbeln.
Pullover und Jacken dominieren
Besonders gefragt sind Oberteile. Sie sollen die geliebten Haustiere nicht nur vor Kälte schützen, sondern werden teilweise auch eingesetzt, um ihnen mehr Sicherheit zu geben. Zum Wachstum des Segments trägt zudem der Trend bei, Kleidung für Mensch und Tier farblich, bei der Marke oder im Design aufeinander abzustimmen.
Auf Mäntel und Jacken entfielen 2023 laut der Analyse von "Fortune Business Insights" 22,69 Prozent des Marktes. Gefragt sind dabei unterschiedliche Varianten für verschiedene Wetterbedingungen – darunter Windjacken, Regenmäntel, Kühlmäntel und gar gefütterte Schneeanzüge. Die zunehmende Nachfrage nach Wetterschutz für Hunde und Katzen dürfte das Segment in den kommenden Jahren weiter wachsen lassen.
Auch Pullover und Kapuzenpullover gehören zum wachsenden Sortiment. Sie bedecken einen großen Teil des Tierkörpers und sollen insbesondere bei niedrigen Temperaturen für Wärme sorgen. Die große Auswahl an Farben und Designs macht Tier-Hoodies zudem zu einem beliebten Produkt im normalen Haustierhandel, oft wird aber auch online bestellt.
Zum Markt zählen darüber hinaus Westen, Mützen, Bandanas und Schals. Mit dem wachsenden Bewusstsein für solche Produkte dürfte mittel- und langfristig auch die Nachfrage nach diesen Accessoires zunehmen.
Kleinere Haushalte und steigende Einkommen treiben die Nachfrage
Gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen spielen laut der Analyse der Haustierkleidungs-Branche in die Hände. Vor allem in Teilen Asiens leben immer mehr Menschen in kleineren Haushalten. Für manche von ihnen übernehmen Haustiere dadurch zunehmend eine soziale und emotionale Rolle, die früher stärker innerhalb größerer Familienstrukturen erfüllt wurde. Mit der wachsenden Zahl an Haustieren steigt zugleich die Nachfrage nach hochwertigen Produkten, mit denen Halter ihre Tiere versorgen, ausstatten und verwöhnen.
Hinzu kommt ein weiterer Faktor: In vielen Ländern verfügen Verbraucher über mehr frei verfügbares Einkommen. Davon profitieren auch Ausgaben rund ums Haustier. Neben hochwertigem Futter, Spielzeug und Pflegeprodukten rücken dabei zunehmend Kleidung und Accessoires in den Fokus. Haustierbesitzer sind offenbar bereit, Geld für Produkte auszugeben, die über die reine Grundversorgung hinausgehen – und genau das eröffnet Unternehmen zusätzliche Absatzmöglichkeiten.
Hunde machen dabei den größten Anteil am Markt für Haustierbekleidung aus. Hintergrund sind die vergleichsweise hohen Ausgaben von Hundehaltern für Zubehör und Produkte des täglichen Bedarfs – von Spielzeug über Kleidung bis hin zu weiteren Accessoires. Laut Daten der britischen Tierschutzorganisation "Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals“ (RSPCA) lagen die Ausgaben für Haushunde in Großbritannien bereits 2018 etwa doppelt so hoch wie für Katzen.
Gleichzeitig gewinnt aber auch das "Katzensegment" an Bedeutung. Als ein Treiber gilt die wachsende Aufmerksamkeit für Katzenhaltung und -adoption, insbesondere über soziale Medien. Kampagnen auf Plattformen wie Instagram und YouTube erreichen dabei ein großes Publikum und können die Nachfrage nach Produkten für Katzen zusätzlich fördern.
Neben Hunden und Katzen umfasst der Markt auch zunehmend mehr Kleidung und Zubehör für andere Tiere, darunter Vögel, Hühner und Pferde. Auch hier könnte ein größeres Bewusstsein für entsprechende Produkte das Marktsegment weiter wachsen lassen.
Der Einstieg der Marken- und Luxusindustrie
Die Modebranche hat das Potenzial längst erkannt: Bei 88 Millionen europäischen Haushalten, die ein Haustier besitzen, überrascht es kaum, dass inzwischen auch Luxusmarken auf den Trend aufspringen und High-End-Accessoires sowie Haute-Couture-Kleidung für Haustiere anbieten, um sich einen Teil des lukrativen Marktes zu sichern.
Auch die italienische Marke "Dsquared2" stieg 2020 gemeinsam mit "Poldo Dog Couture" in das Geschäft mit Hundemode ein und brachte eine eigene Kollektion für Vierbeiner heraus. Der Einstieg der Luxusindustrie ist längst kein Einzelfall mehr: Große Modehäuser wie "Gucci", "Burberry", "Moncler", "Adidas" und "Ralph Lauren" bieten eigene Kollektionen für Hunde an. Ein Designer-Hundemantel oder Körbchen für mehrere hundert bis hin zu mehreren tausend Euro ist im Premiumsegment inzwischen keine Seltenheit mehr.
Dabei beschränkt sich das Angebot längst nicht mehr auf praktische Produkte wie Leinen, Halsbänder oder Mäntel. Luxusmarken übertragen zunehmend ihr gesamtes Markenuniversum auf den Haustierbereich: Neben Kleidung gehören etwa maßgeschneiderte Accessoires, Designerbetten, Transporttaschen, Näpfe, Taschen und sogar Parfums zum Sortiment. Für die Marken bietet das die Möglichkeit, ihre Ästhetik und ihren Status nicht nur über den Menschen, sondern auch über dessen tierischen Begleiter sichtbar zu machen.
Der Social-Media-Effekt
Instagram- und TikTok-Kanäle für Haustiere generieren teilweise Millionenreichweiten. Sogenannte "Petfluencer“ präsentieren ihre tierischen Begleiter in modischen Outfits, auch gerne in abgestimmten Partner-Looks mit ihren Besitzerinnen und Besitzern. Was zunächst wie reine Unterhaltung wirkt, kann dabei zum Schaufenster für Marken und Produkte werden. Kleidung, Accessoires und andere Lifestyle-Produkte werden nicht mehr nur über klassische Werbekampagnen präsentiert, sondern direkt in den Alltag der Tiere (und der Inhaber) integriert.
Ein anschauliches Beispiel für diesen Social-Media-Effekt ist "Tikka the Iggy". Das italienische Windspiel, also ein kleiner Windhund ist von seinem Besitzer vor allem auf Instagram und TikTok mit auffälligen Outfits und einem ausgeprägten Modestil bekannt geworden. Kleidung ist dabei nicht nur Accessoire, sondern ein zentraler Bestandteil der Inszenierung des Hundes. Ob Mäntel, Pullover, Mützen oder Sonnenbrillen – Tikkas Auftritte zeigen, wie stark Haustiere inzwischen in die visuelle Welt von Mode und Lifestyle eingebunden werden.
Mit ihrer großen Reichweite macht Tikka the Iggy zudem sichtbar, wie Social Media den Haustiermarkt beeinflussen kann. Mode für Hunde wird durch solche Accounts nicht mehr ausschließlich als praktischer Schutz vor Kälte oder Regen präsentiert, sondern als Ausdruck von Persönlichkeit, Ästhetik und Lifestyle.
Besonders interessant ist dabei die zunehmende Vermenschlichung von Haustieren in der digitalen Selbstdarstellung. Wenn Hunde oder Katzen wie kleine Familienmitglieder behandelt und entsprechend inszeniert werden, wird auch ihre Kleidung Teil des persönlichen Lebensstils ihrer Besitzer. Der Kauf eines Designer-Hundemantels ist damit nicht nur eine Anschaffung fürs Tier, sondern auch eine Möglichkeit, den eigenen Geschmack und die eigene Identität zum Ausdruck zu bringen.